Siegfried Augustin: Winnetou und der Scout

Winnetou und der Scout

Verlag: Nymphenburger [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-485-00724-5

Preis: 1,98 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Das vorliegende Buch legt erstmals die Urfassung der Karl-May-Erzählung: "Der Scout" in einer selbstständigen Urfassung vor. Der Scout fand - leider in stark bearbeiter Form - Eingang in "Winnetou II". Über die Gründe der Bearbeitung informiert ausführlich Prof. Dr. Claus Roxin in seiner Einführung zum Repring der Hausschatz-Fassung durch die Karl-May-Gesellschaft 1997.

Geschildert wird die Verfolgungsjagd eines Verbrechers durch die Vereinigten Staaten und Mexiko, wobei der Ich-Erzähler (in der späteren Winnetou II-Fassung ist dies Old Shatterhand) und der ihn begleitende Westmann Old Death Abenteuer mit der - heute in den Vereinigten Staaten noch aktiven - Verbrecherbande des Ku-Klux-Klan (in der hier vorliegenden Fassung leider nur: "Bande der Maskierten" genannt) bestehen müssen und in - äußerst realistisch gezeichnete - Indianerkämpfe zwischen Komanschen und Apatschen verwickelt werden. Zwar erleidet der Verbrecher seine Strafe (ein von ihm entführter, zeitweise unter Geistesverwirrung leidender Bankierssohn kann befreit werden), allerdings findet Old Death dabei den Tod.

Ich habe selten ein so eindrucksvolles Buch gelesen. Die Figur des Old Death, des "Alten Todes", seine inneren Seelenkämpfe (die eindrucksvoll mit den Bergen und Tälern der Bolson de Mapimi, einer Landschaft in Mexiko verglichen und beschrieben werden), machen das Buch zu einem einmaligen Erlebnis.
Prof. Dr. Claus Roxin ist darin recht zu geben, dass die Urfassung besser ist als die Bearbeitung in Winnetou II. Diese geschah insbeondere deshalb, weil der Ich-Erzähler, im Original ein echtes Greenhorn, in der bearbeiteten Fassung Old Shatterhand sein mußte, der Winnetou schon längst kannte. In der bearbeiteten Fassung im "Winnetou II" spielt er Old Death daher die Rolle des Greenhorns nur vor, was zu Unstimmigkeiten in der Handlungsführung in der bearbeiteten "Winnetou II"-Fassung führt. Literarisch ist die Hausschatz-Fassung, so Prof. Dr. Roxin zu recht, die eindeutig bessere. Sie ist, weil sie nicht nachträglich in eine schon bestehende Romanstruktur eingefügt werden mußte, stimmiger in der Handlungsführung und konkreter im Detail.

Außerdem ist für den interessierten Karl-May-Leser witzig zu sehen, wie Old Shatterhand realistisch als Greenhorn in seiner Unbeholfenheit und Hilflosigkeit geschildert wird; dies ist später nie mehr der Fall.

Auch die Indianerkämpfe, die realistisch gezeichnet werden und - was für May selten ist - ohne Versöhnung beendet werden, sind plastisch dargesetllt und in der Tat ein "erzählerisches Glanzstück", wie Heinz Stolte, der erste Karl-May-Biograph in seiner Studie: "Der Volksschriftsteller Karl-May" bereits 1936 korrekt bilanzierte.
Insbesondere die Schuld- und Sühne-Thematik um den Westmann Old Death (für mich neben Old Wabble in Old Surehand die eindrucksvollste Figur Karl Mays überhaupt) hat mich tief beeindruckt und nicht mehr losgelassen.
Fazit
Das Werk ist - insbesondere in der Urfassung - sehr eindrucksvoll. Diese ist aber nur als Reprintausgabe der Karl-May-Gesellschaft zu haben. Siegfried Augustin hat das Verdienst, diese Urfassung erstmals als selbständige Buchfassung wieder vorgelegt zu haben. Die Karl-May-Fans werden es ihm danken.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 07. September 2003

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