Liselotte Marshall: Die verlorene Sprache

Die verlorene Sprache

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-596-13500-4

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Das Erstlingswerk von Liselotte Marshall ist ein autobiographisch gefärbter Roman, der die rührende und mitreißende Lebensgeschichte der Romanheldin Rachel Bernstein erzählt.
Diese wurde als Jüdin in Deutschland geboren, lebte dort allerdings nur in den ersten drei Jahren ihres Lebens, da sie auf Grund einer tuberkulosen Hüfterkrankung in eine Klinik in die französische Schweiz gebracht wird. Diesem Zufall verdankt sie, dass sie nicht wie der Rest der Familie in einem Konzentrationslager ihr Ende findet.
Nachdem sie ihre ganze Kindheit an ein Bett gefesselt und auf die Güte und die Mittel einer Arztfamilie angewiesen aufgewachsen ist, verlässt sie den Ort der langen Peinigung und Schmerzen und emigriert nach Amerika, wo sie von ihrer einzigen noch lebenden Verwandten aufgenommen wird. Auf Grund ihrer Dreisprachigkeit findet sie schnell einen Job als Dolmetscherin, heiratet einen erfolgreichen Amerikaner und verdrängt in diesen Jahren, die so glücklich erscheinen, ihre belastende Vergangenheit.
Durch die Begebenheit, dass sich ihr Mann von ihr scheiden lässt, fällt sie in eine tiefe Krise und wird von den Erinnerungen ihrer Kindheit eingeholt. Als sie die Chance bekommt, den Heimatort ihrer Kindheit und Jugend aus beruflichen Gründen erneut aufzusuchen, ergreift sie sie mit viel Überwindungskraft, um endgültig mit ihrer Vergangenheit abschließen zu können. Während ihrer Reise in die Vergangenheit wird sie von Schuldgefühlen, Angst und Wut geplagt.
Sie trifft viele bekannte Gesichter aus alten Zeiten wieder, deren Reaktionen auf das Wiedersehen mit Rachel nicht unterschiedlicher hätten sein könnten. Nach und nach beginnt sie zu verarbeiten und zu verstehen, was sie solange geplagt hat.

Außer ihrer sie ständig belastenden Kindheit sind es vier grundliegende Probleme, die Rachel den ganzen Roman hindurch begleiten und ihr das Leben zur Hölle machen:
Zum ersten ist dies die Tatsache, dass sie Jüdin ist. Diese Religion, die sie nie selbst gelebt oder auch nur mitbekommen hat, lässt sie unter dem Antisemitismus und einem großen Teil ihres restlichen Umfeldes leiden. Sie selbst bezeichnet ihre Religion als Behinderung. " Tatsächlich war das rote J, in meinem Pass, verstärkt durch den Namen Sara, die schlimmste Behinderung - es bestand keine Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit auf ein simples Bein zu richten, wenn die ganze Person zu einer Krankheit erklärt wurde."
Geschürt von ihrer Tante plagen sie auch immer wieder Gedanken gegenüber ihrem toten Vater und ihrer toten Schwester, die beide im KZ starben, während Rachel in der Schweiz nichts von dem Krieg mitbekam.
Ihr offensichtlichstes Handycap ist ihre Behinderung, das Hinken, das eine Folge ihrer Tuberkulose-Erkrankung ist und mit dem sie selbst auch keine Probleme hätte. Doch von der Gesellschaft wegen ihrer physischen Abnormalität immer wieder ausgegrenzt wird sie von Selbstzweifeln zerfressen.
Zu guter letzt ist ihr wohl größtes Problem ihre Heimatlosigkeit und ihre Muttersprachenlosigkeit. Da sie mit drei Sprachen aufgewachsen ist und diese Dreisprachigkeit auch beruflich sehr erfolgreich umsetzen kann, sieht man dies zunächst nicht als Problem, sondern als Geschenk, doch beim näheren Betrachten merkt man, dass ein Mensch, der zwar mit drei Sprachen aufgewachsen ist, doch keine Muttersprache hat, keine Sprache die ihm einfach selbstverständlich erscheint, sich in keiner Sprache richtig sicher fühlen kann, da er nicht in jeder Sprache über alles reden kann und sich nie sicher sein kann in der richtigen Sprache das richtige Wort zu finden. "Ich habe keine drei Muttersprache, nicht einmal eine.In keiner von ihnen kann ich mich zu jedem Thema perfekt ausdrücken.Die eine ist besser für dies, die andere ist besser für jenes."
Fazit
Unglaublich mitreißendes und geniales Buch!
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Marie Marschoun [Profil]
veröffentlicht am 13. September 2003

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