George R. R. Martin: A Dance with Dragons

A Dance with Dragons

Verlag: Harper Collins Publishers [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-0-00-224739-9

Preis: 17,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Der amerikanische Autor George Martin wurde vom TIME-Magazine als der "amerikanische Tolkien" bezeichnet, während die angesehene New York Times vor kurzem schrieb: Nein, Martin sei sogar besser. Wenn sich nun ein Buch innerhalb weniger Tage fast eine halbe Million Mal verkauft, neue Auflagen gar nicht schnell gedruckt werden können - dann darf man wohl von einem Bestseller reden. Doch der Weg dahin war lang und steinig, sowohl für den Autor als auch für seine Leser. Als vor einigen Wochen Martin in seinem Blog ("Not a blog") schrieb, "Kong is dead", musste man sich keine Sorgen um eine eventuelle Gewalttat machen. Vielmehr war dies das lange ersehnte Zeichen an die Millionen von Lesern weltweit, dass der fünfte Teil von Martins epischer Sage "A Song of Ice and Fire" endlich vollendet war.

"A Dance with Dragons" (im Folgenden ADWD) ist nach sechs Jahren endlich erschienen. Dabei stellt es mit über 1000 Seiten "nur" die Ergänzung für den vierten Teil "A Feast for Crows" (AFfC) dar, der bereits bei Buchtips besprochen worden ist. Die Handlung von ADWD läuft zu etwa zwei Drittel parallel zu der von AFfC, um am Ende einige Wochen (vielleicht wenige Monate) weiter zu laufen.

In ADWD werden die Leser auf altbekannte Charaktere treffen. Tyrion Lannister ist seit dem Mord an seinem Vater Tywin auf der Flucht und trifft in der freien Stadt Pentos den bereits bekannten Magister Mopatis. Dieser eröffnet ihm, dass sich noch weiter im Osten eine Möglichkeit bietet: Daenerys ("Dany") Targaryen, rechtmäßige Erbin der sieben Königreiche von Westeros, regiert dort die Stadt Meereen - und sie hat drei Drachen, die ersten seit über hundert Jahren. Tyrion macht sich auf den Weg, begleitet von dem ehemaligen Ritter Griff und dessen "Sohn"; beide stellen sich schon bald als weitaus bedeutender heraus, als zunächst angenommen. Tyrion plant, mit Dany nach Westeros zurückzukehren und die Targaryens wieder auf den Thron zu setzen - und sei es nur, um seinen toten Vater noch weiter zu demütigen. Doch die Reise ist weit und gefährlich, so dass Tyrion bald schon seine Pläne ändern muss. Dies muss auch Dany, die ihre Drachen kaum unter Kontrolle hat und zudem um die Kontrolle Meereens kämpfen muss. Von innerhalb und außerhalb drohen Gefahren, die immer unkalkulierbarer werden. Eine Rückkehr nach Westeros, eigentlich ihr ersehntes Ziel, kann sie nur unternehmen, wenn sie dafür Meereen ihren Gegnern opfert.

Neben diesen beide großen Handlungsbögen auf dem östlichen Kontinent Essos, ist der dritte Handlungsstang im Norden von Westeros angelegt. Hier sieht sich Jon Snow, unehelicher Sohn des hingerichteten Lords Eddard Stark und nun 998. Lordcommander der Night's Watch, die die Grenze im Norden sichert, mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Stannis Baratheon, der selbst Anspruch auf den Thron erhoben hatte, aber unterlegen war, hat sich mit den Resten seiner Truppen an die Mauer im Norden begeben. Obwohl die Watch geschworen hat, nie im "Spiel um den Thron" Partei zu ergreifen, berät Jon Stannis, der gegen den neuen "Wächter des Nordens" Roose Bolton in den Kampf ziehen will. Bolton hatte zuvor die Starks verraten und sich im Bürgerkrieg dem siegreichen Haus Lannister angeschlossen, doch der Norden ist nicht gesichert. Während der Winter einbricht, stehen noch immer Invasoren der Iron Islands im Nordwesten, während Boltons "Bastardsohn" Ramsay ungeheuerliche Gewalttaten verübt, um durch Schrecken Macht auszuüben. Besonders zu leiden hat Ramsays "Gefährte" Reek - der in Wahrheit der nunmehr verstümmelte Theon Greyjoy ist, Erbe der Iron Islands. Gleichzeitig zeigt sich, dass es noch immer genügend Stark-Loyalisten gibt, die nur auf die richtige Gelegenheit warten.

Am Ende des Buches landet im Süden der sieben Königreiche die legendäre Söldnereinheit der Golden Company - angeführt von einem ehemaligen Lord und Targaryen-Loyalisten, der nun nicht mehr schlicht "Griff" heißt...

Im Rahmen dieser Besprechung sollte nicht zuviel verraten werden - besonders nicht wer stirbt und wer überlebt (zumal dies hier auch nicht immer eindeutig ist). ADWD ist jedenfalls ein großartig geschriebenes Buch, das wahrhaftig die Geschichte dieser fiktiven Welt atmet - wenngleich es nicht ohne Makel ist (siehe Fazit).

Martin schreibt, oft mit schwarzem Humor gewürzt, vor allem über die Schicksale verschiedener Menschen, die in eine für sie nicht kontrollierbare Situation versetzt werden, die diese versuchen zu meistern. Manche handeln aus rein egoistischen Motiven, sind skrupellos und brutal, andere ehrenhafter und von anderen Motiven getrieben, doch sind ihre Mittel teils nicht sehr viel anders. Martins Welt ist eine düstere, von politischen Intrigen und Kriegen zerrissene Welt, in der nicht derjenige überlebt, der immer das moralisch Richtige tut, sondern der schlauere und besser informierte "Mitspieler", der im Spiel um die Macht den anderen einen Schritt voraus ist. Dennoch fehlt es nicht an Momenten, wo immer wieder Menschlichkeit aufblitzt: Mitgefühl, Mitleid, Ehrlichkeit und auch Freundschaft. All dies erhellt die Geschichte, die weit mehr mit den englischen Thronkämpfen ("Rosenkriegen") im 15. Jahrhundert zu tun hat als mit "Sopranos in Mittelerde", wie es der amerikanische Pay-TV Sender HBO in seiner Werbung für die gerade gezeigte (mehr als gelungene und absolut sehenswerte) und von der Kritik hochgelobte TV-Adaption beschrieb. Es ist eine Welt, in der Ehre an sich wenig zählt und Verträge nur auf dem Papier gelten, in der Gefahren jenseits der von Menschen besiedelten Gebieten drohen, die die Menschen in der Handlung nur für mythisch halten - und in der das Spiel um den Thron nur auf zweierlei Weise enden kann: siegreich oder tödlich. Doch das macht den Reiz dieses Werkes aus, dass sich kein Leser entgehen lassen sollte, auch wenn er oder sie sonst "Fantasy" an sich nie anrühren würden. Es ist mehr als das - weit mehr.
Fazit
Man darf, wie im Laufe der Besprechung wohl deutlich geworden ist, auf keinen Fall den Fehler begehen und ADWD (trotz offensichtlich vorhandenen Motiven) schlicht als "Fantasy" abtun. Die New York Times schrieb gar davon, Martin sei "more Balzac and Dickens than Tolkien". An dieser Charakterisierung ist einiges dran. Martins Welt ist zwar in eine tiefgründige Geschichte eingebettet, was sehr viel vom Reiz der Handlung ausmacht, aber die Geschichte der Menschen steht im Mittelpunkt - und diese entsprechen fast nie dem "schwarz-weiß-Muster", sondern sind charakterlich meistens sehr viel tiefgründiger.

Allerdings: bei aller Freude über die weitgehend gelungene und gut geschriebene Handlung - die aber an einigen Stellen eine Straffung und an anderen eine Erweiterung vertragen hätte -, so muss man Martin doch den Vorwurf machen, diesmal zu viele Fragen offen gelassen zu haben. Cliffhanger begleiten den Leser am Ende von Kapitel zu Kapitel, was schon etwas ärgerlich ist, bedenkt man den Umfang der Handlung und dem gelungenen Abschluss in den ersten drei Bänden. Deshalb kann es hier auch keine Höchstwertung geben, was aber niemanden vom Kauf abhalten sollte - sie würden sonst viel verpassen. So aber müssen die Leser bis "Winds of Winter" warten, bis sie auf viele Fragen hoffentlich eine Antwort erhalten. Man möchte daher Martin dringend das Motto des Hauses Stark nahelegen: "Winter is coming" - hoffentlich bald.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 15. Juli 2011

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