Benjamin Lebert: Der Vogel ist ein Rabe

Der Vogel ist ein Rabe

Verlag: Kiepenheuer & Witsch [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-462-03336-6

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"Ich muss nach Berlin. Ich habe gar keine andere Wahl.", sagt Henry zu Paul; beide fahren los, vier Tage nach Silvester; für die zwei, die sich nie vorher begegneten, wird es eine an Worten reiche Nacht, die nach ca. 8 Stunden überraschend ernst endet. 8 Stunden, in denen Henry wie berauscht, d. h. in einem Zug (s)eine Geschichte erzählt. Henry "hatte zwei Freunde, Jens und Christine"; um dieses Paar und sich ("nichts deutete darauf hin, was wir für ein unheilvolles Gespann sein würden") dreht sich seine sich zuspitzende, novellistische Erzählung. Christine ist die erste Frau, in die Henry sich verliebt; natürlich ist auch Jens-, und natürlich hat Christine auch andere Männer-, und natürlich möchte Henry seine erste Liebe zur größten machen-, und so brechen aus dieser Dreierbezeihung nach und nach gefährliche Abgründe herauf. Neben Liebe werden dabei Sex, Magersucht, Fettsucht, Kosenamen, Durchfall und Schönheit bedeutend. Paul, der Wahl-Berliner, mimt den Zuhörer; Henrys naiv hingebungsvolle Schilderung der Liebes- und Freundschaftsereignisse aber rüttelt in ihm die Gedanken an Mandy wach; Mandy ist zum einen Pauls erste Liebe ("ihr Bild, das ich immer immer immer im Kopf habe"), zum zweiten Grund seiner den Leser verstörenden Reserviertheit, drittens Anlass zu einem beunruhigendem Buchschluss. Verblüffend: die schonungslose Beschreibung Berlins durch Paul, von falschem Funkeln, Glitzern und Leuchten ist da die Rede, Berlin, die Stadt, "wo es leuchtet", wo "Goldstaub" umherflirrt, an der nichts bunt außer ihrer Werbung ist, und "sich jeder so verkauft, als hätte er ununterbrochen den besten Sex seines Lebens"; ebenso erstaunlich, dass die beiden Protagonisten nicht zu Freunden werden. Vielleicht unterscheiden sich die beiden darin, dass der eine, Paul, seine große Liebe, Mandy, schon "hinter sich hat", während Henry alle Dinge nur über den Hintergrund Liebe fass- und begreifbar werden. Dieser vermeintliche Kontrast wird stellenweise zu offensichtlich gemacht, besonders in den fast hymnischen Reden Henrys über Einsamkeit, Liebe, Schönheit, Menschen, Zeit. Damit wollte der Autor wohl klar stellen: einer, der erzählt, ist einer, der nicht träumt.
Fazit
Über den Titel des Buches bin ich mir erst am Ende der Lektüre klar geworden; er ist, wie der Kauf dieses leider leicht konstruierten Romans, eine gute Wahl.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Paul Niemeyer [Profil]
veröffentlicht am 30. August 2003

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