Max Landorff: Der Regler

Der Regler

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-502-11066-8

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Neurowissenschaft und alte Rache

"Kann man die Seele umprogrammieren?", ist nicht nur eine ernsthafte bearbeitete Forschungsfrage, sondern auch ein Teil des Erfolgsrezeptes von Gabriel Tretjak, der Hauptfigur des Buches. Von Geburt her Südtiroler, lebend in München und von dort aus seiner Tätigkeit nachgehend. Er vertraut fest auf manche Erkenntnisse der Neurowissenschaften und legt zugrunde, dass "es keine Wahrheit gibt, sondern nur Konstruktionen persönlicher Wahrheiten".

Durch intensive Recherche und eine Vielzahl von Querverbindungen zu den Menschen, die seinen jeweiligen Klienten umgeben, "regelt" er, nach Beauftragung, das Leben von Menschen neu. So findet man ihn zu Anfang des Buches damit beschäftigt, einer Frau, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen will, zum einen diesen Neustart mit neuem Geschäft, Wohnung, Auto, neuer Stadt einzurichten, zugleich dem Ehemann der Frau das beste Einverständnis zu diesem Verlassen werden zu offerieren und dazu wiederum dem Mann seine berufliche Existenz zu retten (im Rahmen von weiteren Verbindungssträngen zu Konkurrenten, die der Mann gar nicht im Blick hatte).

Gabriel Tretjak weiß eben alles über das Leben derer, mit denen er sich gerade beschäftigt. Er vermag die Fäden geschickt miteinander zu verbinden und ändert auf diese Weise nicht nur das äußere Leben seiner Klienten, sondern auch deren inneres Erleben. Eine Fähigkeit, die er bereits als Student mit großer Neugier an Fremden erprobt hat. Nicht aus der Luft gesogen ist dies alles, eine Reihe von Fachleuten, alten Freunden, hat ihn im Lauf der Jahre beeinflusst und sein Wissen gemehrt. Doch nun gerät er selber ob einer alten Geschichte in das Fadenkreuz eines Mörders. Er, der "Regler", beginnt zu spüren, wie jemand beginnt, sein Leben "zu regeln". Merkwürdige Nachrichten erreichen ihn. Nicht nur einer seiner alten und auch aktuellen Weggefährten wird ermordet und verstümmelt. Ein Kommissar heftet sich, ruhig, aber ausdauernd, an die Fersen dieses merkwürdigen Falles und stößt bald auch auf Tretjak, ohne sich zunächst einen Reim auf den Mann machen zu können. Das Finanzamt entsendet eine Prüferin, doch ist diese wirklich das, was sie vorgibt, zu sein?

Als zu guter letzt auch noch Tretjaks Vater, der seinen Sohn für ein echtes Monster hält, die Bühne der Geschehnisse betritt, sind alle Zutaten für eine verwirrende, auf innerer wie auf äußerer Ebene komplex ablaufende Geschichte zubereitet.
Eine Vor- und Zubereitung, für die sich Landorff, in ebensolcher Ruhe wie der Kommissar im Fall, über 100 Seiten Zeit nimmt.

Äußerlich spannend zu sein ist dabei nicht der vordringliche Eindruck, den das Buch hinterlässt. Erst im letzten Teil der gut 330 Seiten hin werden Bedrohungssituationen erkennbarer in den Raum gestellt. Bis dahin aber ist der Leser durchaus bereits in den inneren Abläufen der Geschehnisse gefangen. Geschickt vermischt Landorff (ein Pseudonym, im Übrigen, das hier einen ersten Thriller vorlegt) aktuelle Erkenntnisse der Neurowissenschaften mit dem Eingriff in ein anderes Leben, wofür der "Regler" für eine gewisse Zeit die Kontrolle über dieses Leben übernimmt. Ebenso, wie er nun selbst spürt, dass jemand beginnt, ihn zu kontrollieren und seine nächsten Schritte zu manipulieren.
Fazit
Ein interessanter Grundansatz, den der Autor in recht einfacher Sprache (ohne ins Plumpe zu verfallen) vor den Augen des Lesers ausbreitet. Allerdings ist die Ruhe der Erzählweise ein gewisses Manko. Spannung taucht über weite Strecken nicht auf und auch entscheidende Situationen im Buch sind sprachlich zu gleichförmig erzählt. So verbleibt ein interessanter, aber nicht unbedingt mitreißender Eindruck am Ende des Buches. Durchaus aber allein schon aufgrund der Einarbeitung der neurowissenschaftlichen Elemente lohnt die Lektüre.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 23. Juni 2011

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