Karl May: Winnetou II

Winnetou II

Verlag: Karl-May-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: klassische Literatur
ISBN-13 978-3-7802-0008-2

Preis: 19,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Karl May befindet sich hier auf der Höhe seiner Reiseerzählungen. Im Gegensatz zu "Winnetou I" ist "Winnetou II" eine in Romanform gebrachte Anthologie. Sie enthält neben dem Einführungskapitel, welches die Ereignisse aus "Winnetou I" abschließt, die Erzählung "Der Scout", welches ich in der ursprünglichen Form die beste Reiseerzählung Mays überhaupt finde (Begründung siehe unten) sowie die Erzählungen "Old Firehand" (in der späteren bearbeiteten Fassung: "Im fernen Westen") sowie "Der Pedlar".

Im "Scout" verdingt sich Old Shatterhand als Privatdetektiv in New York. Er soll den Bankierssohn Ohlert finden, der von einem Verbrecher entführt wurde, um an sein Vermögen zu kommen. An der Verfolgungsjagd, an der sich auch der berühmte Westmann Old Death beteiligt, werden die Verhältnisse in Texas und New Mexico um 1867 dargestellt. Der Machtkampf zwischen Juarez und Maximilian (von Karl May bereits in seinem Trivialroman: "Das Waldröschen, heute Bd. 51-55 der Gesammelten Werke beschrieben), wird dargestellt. Die Protagonisten werden in die Kämpfe zwischen Komantschen und Apatschen hineingezogen. Leider hat Karl May in der Bearbeitung, die der Erzählung zugrunde liegt, aus dem ursprünglichen Greenhorn, dem namenlosen Ich-Erzähler, Old Shatterhand gemacht. Er spielt die Rolle des Greenhorns in dieser Fassung Old Death lediglich vor. Diese Bearbeitung der Urfassung (die erforderlich wurde, weil Old Shatterhand Winnetou schon in den Ereignissen in "Winnetou I" kennengelernt hatte und die Erzählung: "Der Scout" ursprünglich früher entstanden war, ist daher weniger gelungen, die Urfassung literarisch, zu recht feststellt, die glaubwürdigere und besser gelungene.

Ähnlich verhält es sich mit den weiteren Ereignissen des Bandes, die zeitlich später angesiedelt sind. Old Shatterhand muß einer Brandkatastrophe entkommen, die durch gewissenlose Ölbohrungen verursacht wurde. Dabei lernt er den Jungen Harry kennen, der sich im Laufe der Erzählung als Sohn Old Firehands entpuppt, den Old Shatterhand im Laufe der Erzählung kennenlernt. Der Leser erfährt hier einiges über die Lebensgeschichte Winnetous: dieser hatte sich einst in Ribanna verliebt, eine Indianerin vom Stamm der Assiniboins, diese allerdings nicht geheiratet, sondern seinem Freund Old Firehand überlassen. Ribanna wurde dann von einem abgewiesenen weiteren Weißen, Parranoh, ermordet. Dieser taucht als Häuptling der Poncas in der vorliegenden Erzählung wieder auf. Er will das Fort Niobrarah überfallen (hier handelt es sich um eine eigenmächtige Bearbeitung durch den Karl-May-Verlag und hat mit der ursprünglichen Erzählung - dort geht es um die Verhinderung eines Eisenbahnüberfalles durch Indianer - nichts mehr zu tun. Auch der Zweikampf zwischen den noch unbekannten Westmännern Old Firehand und Old Shatterhand, die beide zum gleichen Zeitpunkt Parranoh belauschen, ist vom Karl-May-Verlag erfunden). Dies kann zwar abgewehrt werden, die Kämpfe verlaufen jedoch für Old Shatterhand, Winnetou und seine Gefährten ungewöhnlich verlustreich, Old Firehand wird schwer verwundet. Dick Stone und Will Parker, die in der Urfassung sterben, werden in der bearbeiteten Fassung am Leben gelassen (weil sie in weiteren, zeitlich später angesiedelten Reiseerzählungen eine Rolle spielen). Aufgrund der Ereignisse muß Firehand sein Leben als Jäger vorerst aufgeben und seine in einer "Festung" gelagerten Felle verkaufen. Als potentieller Käufer erscheint ein in der Nähe tätiger Händler, mit dem Winnetou und Old Shatterhand Kontakt aufnehmen sollen. Dieser Mann ist jedoch niemand anders als der Mörder von Winnetous Vater, Santer. Er nimmt Winnetou und Shatterhand gefangen. Doch gelingt es den beiden, sich aus seiner Gewalt zu befreien. Ob Winnetou Santer der gerechten Strafe zuführen kann?

"Trotz aller Bemühungen ist es May nicht gelungen, dem zweiten Winnetou-Band die gleiche erzählerische Geschlossenheit zu geben wie dem ersten" - urteilt Karl-May-Biograph Helmut Schmiedt im "Karl-May-Handbuch" (überarbeitete Ausgabe: 2001) zu recht. Vor allem die Old-Firehand-Episode widersetze sich - so Schmiedt völlig richtig - erfolgreich der angestrebten Integration, denn sie vermittle - den Verhältnissen in Mays Frühwerk entsprechen, ein Wildwestbild, welches sich immer noch in relativ hohem Maße durch Bruatlität und Grausamkeit auf allen Seiten auszeichne, auch der tendenzeill positiv gezeichneten Personen, Winnetous eingeschlosen. "Der Erzähler-Held gesteht die Brüche indirekt selbst ein, indem er gelegentlich Verwunderung über das Verhalten seines Blutsbruders andeutet..., die zwar zu den frühen Gestaltungen dieser Figur, nicht aber zum Winnetou-Bild der [18]90-ger Jahre und also zum Winnetou I passen."

So ist es und dies gilt auch für die Erzählung im "Scout", da hier ein - sicherlich realistisch gezeichnetes - Indianergemetzel in der - landschaftlich wunderbar gezeichneten - Sonora dargestellt wird, welches späteren Intentionen des Autors zur Versöhnung vollkommen widerspricht.
Fazit
Daher insgesamt lediglich 8 Sterne für das ansonsten spannend zu lesende Buch.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 28. August 2003

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