Roland Schreyer: Akte Kanal

Akte Kanal

Verlag: Roland Schreyer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-00-026897-7

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Scharf bewacht, technisch sehr gut ausgebaut, quer durch Deutschland und um West-Berlin: Die deutsch-deutsche Grenze. Sie teilte die deutschen Staaten 28 Jahre. Mörderisch diente sie, die Flucht der eigenen Bürger zu verhindern, um so die Macht der Funktionäre im Staat aufrecht zu sichern.
Das zweite D in DDR zu einer hohlen Phrase verkommen, war in der DDR die Lage alles andere als demokratisch. Die Propaganda redete das Leben schön: der mörderische Grenzstreifen wurde zur "Friedensgrenze" stilisiert, eine grotesk perverse Situation, die die wahre Lage im Arbeiter- und Bauernstaat auf den Kopf stellte.

Um eine Verklärung der Geschichte zu verhindern, ist dieses Buch sehr wertvoll. Es zeigt die Probleme der damaligen Zeit auf und das was die Menschen bewegte. Es legt die Probleme sprichwörtlich in die Wunden der Zeit.

Geschildert wird eine äußerst spannende Fluchtgeschichte einer Familie, die unter den Grenzsperranlagen in einer Kanalisation alle Sperren überwindet.
Man wird beim Lesen in die Planung einbezogen und bekommt "hautnah" die ungeheuere Anspannung alle beteiligten Personen mit.

Die Familie besteht aus dem 58-jährigen Opa, der 11-jährigen Tochter und den 33-jährigen Eltern. Der Vater, gleichzeitig der Autor des Buches, ist schon durch eine Besuchsreise im Westen Deutschlands und plant von hier die aufwendige Flucht.
Aus Angst um seine Familie, führt er zunächst eine "Probeflucht" durch. Würde es funktionieren? Könnte er die Sperranlagen unterirdisch überwinden? Die Probeflucht gelingt. Wieder zurück im Westen, informiert er seine Familie im Osten, um fünf Tage später abermals unterirdisch durch die Sperranlagen in die DDR zu gehen und seine Familie raus zu holen.
Zuvor wird einfühlsam der seelische Leidensweg beschieben, aus dem der Gedanke zu dieser dramatischen Flucht entsprang.
Dieses Buch dokumentiert durch zahlreiche original Unterlagen der Stasi-Akten, wie der Spitzel-Apparat arbeitete.

Angereichert wird das Buch mit interessanten und lustigen Anekdoten aus der DDR, die das Leben in der DDR widerspiegelt.
Besonders interessant sind die Kurzgeschichten vom ehemaligen Grenzübergang Marionborn/Helmstedt A2. Hier bekommt man Insiderwissen, einen interessanten Blick hinter die Kulissen am Grenzübergang zur damaligen Zeit.
Fazit
Der Autor hat mit diesem Buch als Zeitzeuge einen wichtigen Betrag zum Verstehen und Bewerten der DDR-Verhältnisse geleistet.
Ein ausgesprochen gutes Buch und absolut zu empfehlen für jeden, der sich für deutsch-deutsche Geschichte interessiert.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Ralf Becker [Profil]
veröffentlicht am 12. Juni 2011

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