Jodi Picoult: Schuldig

Schuldig

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-492-05030-2

Preis: 0,89 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Entgleisungen und Ohnmacht

Emotional und sensibel, den Leser mit hineinnehmend in die Verwirrungen der Gefühle, dass ist das Markenzeichen Jodi Picaults. Eine emotionale Dichte, die den Verlauf der Geschichte und die Hintergründe des Geschehens nicht vernachlässigt, sondern zu einem ganz eigenen Lesevergnügen zu gestalten weiß. Auch in ihrem neuen Buch gelingt Picault dies. Und wiederum nimmt sie sich eines Themas an, dass so zwar nicht neu, immer noch aber ein oft verschwiegenes ist.

Vergewaltigung.
Erschwert noch durch das jugendliche Alter der Beteiligten.

Eine Vergewaltigung, um die Picault keineswegs einen peinlichen Bogen macht, sondern die sie klar und deutlich offen legt. Eine Vergewaltigung, die einen Mord nach sich zog. Aber, wie so häufig bei Picault, so ganz sicher kann sich der Leser nie sein, dass die offenkundigen Schlüsse und vor Augen liegenden Ereignisse auch wirklich das sind, was geschehen ist. Auch dies ein literarisches Stilmittel, vermittels dessen Picault die Spannungskurve der Geschichte bis zum Ende hoch zu halten versteht. Und das ist noch lange nicht das einzige, was manche Figuren im Buch verschwiegen mit sich herum tragen.

Trixie, die Hauptfigur des Buches, ist 14 Jahre alt, bis über beide Ohren verliebt in Jason, den jugendlichen Sporthelden des Ortes. Für eine Weile war sie ihm nahe, dann hat er sich abgewendet, doch auf einer Party geht Trixie noch einmal aufs Ganze. Einen Versuch, den Jason missversteht (oder vielleicht auch nicht?). Trotz ihres Sträubens schläft er mit Trixie. Ein klassischer Fall von Vergewaltigung. So zumindest stellt es sich dar. Doch dann wird Jason ermordet. Trixie flieht, denn sie ist die Hauptverdächtige. Nichtsahnend, dass sie am Ort ihrer Flucht noch ganz anderen (Familien-) Geheimnissen auf die Spur kommen wird.

Eine Fülle von Themen entfaltet sich beim Lesen. Die Pubertät mit ihren massiven Gefühlsschwankungen, mit ihrem Austesten von Grenzen und diese hier und da überschreitend. Themen der Vergewaltigung, des Mordes, mithin eines Kriminalfalles samt im Raume stehender Ermittlungen. Familiäre Geheimnisse, die seit langem gut verborgen schlummern und doch zu Tage treten werden. Früher oder später holt einen eben doch ein, was an Fehltritten begangen wurde. Aber stimmt es wirklich, die Sache mit Jason, die Trixie aus ihrer Sicht ganz anders wahrgenommen hat als andere Beteiligte? Und wer hat Jason ermordet, eigentlich?

Der Einstieg des Buches gibt dem gesamten Roman die Richtung vor. Picault setzt Dantes Inferno in den Raum. "... wenn man es auf das Allerwesentlichste konzentrierte, ging es vor allem um einen Menschen, der tief in der Krise steckt, einen Menschen, der die Entscheidungen hinterfragte, die er im Lauf seines Lebens getroffen hat".

Dieser Einstieg aus den Gedanken von Trixies Mutter Julia bietet das Bindeglied, die Verflechtung zwischen all den Erzählsträngen und Figuren des Buches. Denn schuldig in der ein oder anderen Form ist jede der handelnden Personen und all diese Schuld ist verständlich und nicht in einfachen Gut und Böse Schablonen abzuhandeln.
Fazit
Jodi Picault legt eine gelungene Betrachtung vielfachen menschlichen Versagens und menschlicher Schuld vor und führt den Leser mitten hinein in die innere Welt ihrer Figuren, die einen so schnell nicht wieder aus ihrem Bann lassen. Flüssig und gut geschrieben, vielleicht in den äußeren Ereignissen nicht sonderlich spannend, aber in der inneren Entwicklung der Geschichte auf den Punkt getroffen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 26. Mai 2011

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