Julia Albrecht: Patentöchter

Patentöchter

Verlag: Kiepenheuer & Witsch [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-462-04277-1

Preis: 18,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 16. September 2014]
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"Im Schatten der RAF" haben sie beide gelebt und sie werden dies wohl auch ihr ganzes weiteres Leben lang tun. Corinna Ponto ist die Tochter des Bankiers Jürgen Ponto, der 1977 von einem Kommando der RAF ermordet wurde. Susanne Albrecht, eine Mittäterin, war das Patenkind von Jürgen Ponto und hatte ihre Vertrauensstellung missbraucht und ihren Genossen Zugang zu der Villa des Bankiers verschafft. Dort wurde Ponto nach einem missglückten Entführungsversuch erschossen

Nach dieser Tat sind die vorher engen Verbindungen der beiden Familie Albrecht und Ponto abgerissen. Jetzt, über drei Jahrzehnte nach dieser Tat, wagen Corinna Ponto und Julia Albrecht, die Schwester der Attentäterin, einen Dialog.

Es ist nicht leicht, für beide nicht. Anfangs zurückhaltend und scheu, gehen sie in ihren Briefen aufeinander zu. Viele verdrängte Gefühle kommen wieder hoch, doch für beide, das teilen sie sich immer wieder zwischen den Zeilen mit, bedeutet es auch eine unendliche Erleichterung, endlich über das sprechen und schreiben zu können, was ihr Leben aus der Bahn warf, über den Verrat und den Mord, über die Scham und die Schuld, über die Trauer und die Wut, über ein Leben "im Schatten der RAF".

Es ist ein bewegendes Buch, ein Zeugnis der jüngsten Zeitgeschichte unseres Landes, eine persönliches Dokumentation einer "bleiernen Zeit" und ihren politischen und persönlichen Folgen.
Man muss diesen beiden Frauen danken, dass sie nach so langer Zeit den Mut bewiesen haben, miteinander in einen Dialog zu treten und ihn auch zu veröffentlichen. Sie haben damit nicht für sich selbst eine wichtige Verslöhnungsarbeit geleistet, sondern auch für das Land, in dem der RAF-Terror noch immer nicht ausreichend bearbeitet und verarbeitet ist.
Fazit
Julia Albrecht und Corinna Ponto ringen oft um ihre Worte, sie meinen es ehrlich miteinander und geben so ein nachahmenswertes Beispiel, wie trotz langen Schweigens und Verschweigens auch Tabuthemen bearbeitet, Schuld angesprochen werden kann und Scham nicht verschwiegen werden muss. Die Luft ist reiner und freier danach.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Winfried Stanzick [Profil]
veröffentlicht am 14. Mai 2011

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