Günter Ohnemus: Alles was du versäumt hast

Alles was du versäumt hast

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-596-80738-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
In Chucks Familie haben sich schon die Eltern und Großeltern im Straßenverkehr kennengelernt. Auch Chuck fliegt in der ersten Szene des Buches ein Mädchen direkt vom Rad in die Arme. Das fliegende Mädchen ist Auslöser dafür, dass Chuck Anna kennenlernt. Anna wird nicht nur Chucks erste Liebe sein, durch sie wird ihm klar werden, wie privilegiert sein Leben bisher verlief. Der Sechzehnjährige wächst mit zwei älteren Schwestern in einer ungewöhnlich wohlhabenden, liberalen Familie auf. So war es für die Eltern selbstverständlich, ihren kleinen Neffen Carlos, genannt Chuck, zu adoptieren, als dessen Eltern damals verunglückten. Die Schwestern Terry und Suzzy liebten das Baby vom ersten Moment an, als hätten sie es selbst adoptiert. Terry studiert inzwischen in Paris, Suzzy ist Leadsängerin einer Rockband. Chuck will seine Familie nicht gleich überfordern, so behauptet er, bei Anna Mathenachhilfe zu nehmen. Als Chuck erfährt, dass sein Freund Toby nach einem Unfall im Koma liegt, ist er selbst gerade allein zu Haus. Der Großvater, der nach dem Tod seiner Frau noch nicht wieder in die Welt zurückgefunden hat, kommt sofort zu Chuck, um mit ihm über Toby zu sprechen. Die folgenden schrägen Ereignisse berichtet Chuck nun Toby in regelmäßigen Briefen, die mit der Zeit vertraulicher werden und sich schließlich um ein Familiengeheimnis drehen, das Chuck gerade als letztes der drei Kinder erfahren hat.

Ein Großvater als Prominentenzahnarzt, eine amerikanische Mutter, die bewusst nie ihren Akzent ablegt, eine Schwester, die in Paris studiert - Chucks Familie stellt sich als außergewöhnliches Team dar. Die Ellermanns sind zivilisiert, schlagfertig, erziehen ihre Kinder "indirekt" und sind in Krisen immer füreinander da. Musik spielt im Buch eine wichtige Rolle, entscheidende Passagen werden mit für Sechzehnjährige eher ungewöhnlichen Texten unterlegt. Chuck ist eben unübersehbarer das Küken in seiner Familie. Kaum einen Leser wird Chucks inniges Verhältnis zu seinem Großvater in seiner sonst stark von Frauen geprägten Welt unberührt lassen.
Fazit
Auch wenn ich die Ansammlung an prominenten Personen einerseits und Problemen andererseits (Atomkraft, Nationalsozialismus, Gewalt in der Öffentlichkeit, Tobys Unfall, Lebensüberdruss des Großvaters) reichlich überladen finde, hat mich Günter Ohnemus mit dem Wortwitz seiner Familie Ellermann ausgezeichnet unterhalten. Am gelungensten in Ohnemus Jugendroman, der zugleich Briefroman ist, fand ich die Schilderung der vom Vater übernommener Samariter-Rolle Chucks, von der er sich erst befreien muss, um seine Probleme und Kümmernisse in den Griff zu bekommen.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 28. April 2011

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