Josef H. Reichholf: Der Ursprung der Schönheit

Der Ursprung der Schönheit

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-406-58713-9

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Schönheit ist keine Einbildung

Nicht nur im Augen eines einzelnen Betrachters liegt die Schönheit, Josef H. Reichholf, von Haus aus Evolutionsbiologe, stellt bereits im Vorwort zum Buch fest, dass es durchaus objektive Kriterien für Schönheit gibt. Denn auch durch andere Augen wirken bestimmte Lebewesen schön. Beispiele führt er sodann genügend an. Vieles, was auch Menschen schön empfinden, hat seinen Platz in ganz konkreten Funktionen für ganz konkrete Adressaten. Der Gesang der Nachtigall gilt dem Nachtigallweibchen, die Schönheit der Blume gilt dem Anlocken von Insekten zur Fortpflanzung.

Schönheit also existiert in einem übergeordneten, die Arten durchbrechenden Sinn. Warum aber gibt es Schönheit? Dass ist das Thema, dem sich Reichholf zuwendet und einer Untersuchung zuführt. Hierbei verweist er zunächst auf ein Problem der Evolutionstheorie. Selbst Darwin stellte die Bevorzugung der Schönheit bei der Partnerwahl fest, aber Schönheit bedeutet ja zunächst, aufzufallen, herauszufallen aus der Masse und widerspricht damit seinem Postulat, dass Evolution bedeutet, sich immer besser an die Umwelt anzupassen.

Es scheint somit zunächst, als wäre sehr viel Unnötiges entstanden, dass dem Kampf ums Dasein zumindest nicht wirklich dient. Darwin löste diesen Widerspruch mit dem Begriff der "sexuellen Selektion" und fand somit ein erstes, nicht ganz befriedigendes Ordnungsprinzip. Auf diesem baut Reichholf nun zunächst auf, geht dieser sexuellen Selektion im Tierreich nach, findet eine Bedeutung der Symmetrien (es passt, was zusammen passt) und wirft dann einen hoch interessanten und hervorragend dargestellten Blick auf die "Schönheit" beim Menschen. Hier liegen doch einige wesentliche Unterscheidungen zum Tierreich vor. Die Kunst führt Reichholf hier als Ausdrucksform menschlicher Schönheit und Schönheitsempfindungen an, ebenso konstatiert Reichholf eine übersteigerte Bedeutung der Schönheit beim Menschen, die so das funktionale der sexuellen Selektion deutlich überschreitet. Der Autor finden Antworten unter anderem darin, dass Menschen einander umgehend zunächst nach äußeren Kriterien vor allem in ihrer sozialen Bedeutung einordnen, das Äußere somit der Ort des "Ersturteils" für Menschen ist.

So kann Reichsholf zu dem Schluss vordringen, dass der Ursprung der Schönheit einerseits in der sexuellen Selektion zu finden ist, aber in der menschlichen Entwicklung deutlich darüber hinausgeht.

In der Quintessenz wird deutlich, dass hier die Evolutionstheorie eine Korrektur erfährt. Schönheit ist nicht "unnütze Zugabe" oder gar "Hindernis", Anpassung ist eben nicht an jedem Ort, zu jedem Preis und mit höchster Annäherung ein Konzept des bestmöglichen Überlebens. Es ist ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, sich von der Umwelt abzugrenzen und zu lösen. Je besser diese Abgrenzung gelingt, desto mehr können die entsprechenden Individuen leisten. Die Evolution eröffnet somit immer wieder fortschreitende Freiheitsgrade, sich in Richtung einer "Schönheit" zu entwickeln, auch mit Hilfsmitteln (Mode) und damit mögliche Alleinstellungsmerkmale sich zu schaffen. Schönheit verweist daher von der äußern Betrachtung her auf vorliegende, innere Möglichkeiten.

Ein interessanter Ansatz, eine saubere Argumentation, wenn auch manches Mal in den Betrachtungen zu kleinteilig angelegt und damit hier und da mühsam zu lesen, ist es, die der Autor vorlegt. Auf dem Weg von der Bobachtung der Schönheit zu deren Ursprung und deren Bedeutung und versehen mit einem Ausblick auf die notwendige individuelle Entwicklung öffnet Josef H. Reichsholf ein breites Themenfeld für eine objektive Betrachtung und eine noch anstehende philosophische Deutung. Das Buch ist ein Fachbuch und als solches in der Form und sprachlich konzipiert und muss dementsprechend erarbeitet werden, eröffnet dann aber einen interessanten Blick auf die und das "Schöne" und seine Hintergründe.
Fazit
Ein interessanter Ansatz, eine saubere Argumentation, wenn auch manches Mal in den Betrachtungen zu kleinteilig angelegt und damit hier und da mühsam zu lesen, ist es, die der Autor vorlegt. Auf dem Weg von der Bobachtung der Schönheit zu deren Ursprung und deren Bedeutung und versehen mit einem Ausblick auf die notwendige individuelle Entwicklung öffnet Josef H. Reichsholf ein breites Themenfeld für eine objektive Betrachtung und eine noch anstehende philosophische Deutung. Das Buch ist ein Fachbuch und als solches in der Form und sprachlich konzipiert und muss dementsprechend erarbeitet werden, eröffnet dann aber einen interessanten Blick auf die und das "Schöne" und seine Hintergründe.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 18. März 2011

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