Teresa De Sio: Lass den Teufel tanzen

Lass den Teufel tanzen

Verlag: C. Bertelsmann [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-570-58025-7

Preis: 1,12 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Debüt mit Qualität

George Clooney gab just den "Americain" in Castel del Monte, einem der verschlafenen Flecken Apuliens, das landschaftlich den geographischen Rahmen liefert, in welchem Teresa De Sio in ihre Geschichte erzählt. Gottverlassene Dörfer, ein fast lähmender Stillstand im Leben der Menschen und vordergründig klarste Verhältnisse, hinter denen es durchaus gewaltig brodeln kann, das stellt den inneren Rahmen der Geschichte dar.

Was auf den ersten Blick wie ein Werk der gängigen Frauenliterator erscheinen mag, entpuppt sich bereits auf den ersten Seiten als ein sprachlich hochqualitatives Buch mit einer originären Geschichte, voller Ideen und mit einer bildhaften Sprache beschrieben, die es dem Leser leicht macht, mitten im Geschehen zu sein.

Eine Art Entwicklungsroman nebenbei, konzentriert auf die Dauer weniger Tage und Wochen eines jungen Mädchens, fast noch ein Kind. Archina Solimene, die mit ihren 12 Jahren in eine bedrängende Situation gerät. In an sich bereits schwierigen Lebensumständen als Tochter eines Tagelöhners lebend, dem sie kaum etwas bedeutet und zudem in einem an sich erschwerten Alter. Unzugänglich und fremd wirkt Archina im Umfeld des kleines Dorfes Mangiamuso in Apulien, mit all seinen feststehenden sozialen Regeln und alten Traditionen. Verschlossen und eigenbrötlerisch geht sie ihrer Wege.
Zudem beinhaltet das Buch ein Sittengemälde der 50er Jahre im Süden Italiens, welches minutiös die Enge der sozialen Kontrolle, die Engstirnigkeit der Provinz und den weit verbreiteten und tief sitzenden Aberglauben jenes südlichen Landstriches dicht und atmosphärisch zu beschreiben versteht.
Zu guter letzt ist das Buch auch noch ein Kriminalroman, an dessen roten Faden alle anderen Teile der Geschichte sich entlang hangeln und mehr und mehr zu Tage treten, ohne dass die Umstände des Mordes wirklich letztendlich sich auflösen werden. Andeutungen, wohin man auch schaut, in vielfachen Facetten, zumeist aber hinter dem Rücken.

1956, mitten in den Festlichkeiten des Karnevals, wird Narduccio Greco, ein junger Gutsbesitzer, tot aufgefunden. Eine Untersuchung ergibt, dass er vergiftet wurde. Und wer kann vergiften im Dorf? Natürlich das verschlossene, fremdartig anmutende Mädchen Archina und ihre Schwester, denn beide sind Heiltrankkundig und verstehen sich auf die Zubereitung auch giftiger Substanzen. Umgehend gilt Archina als Hexe und Hure (beides gehört interessanterweise im Aberglauben immer zusammen), war nicht schon Ihre Mutter im Kindbett nach der Geburt Archinas gestorben? In den Augen der Bewohner vielfältige Zeichen für die Verworfenheit des 12jährigen Mädchens, dass sich nun mehr schlecht als recht ihrer Haut wehren muss. Wie ihr das gelingt, wie sie daran reift, welche Intrigen sie erlebt, wer ihr überraschenderweise hilfreich zur Seite stehen kann und wer sich alles eifernd gegen sie einschwört und das alles in einer in Teilen fast surreal anmutenden, altertümlichen Lebensweise, dass ist der Stoff, aus dem die gut 250 Seiten des Buches gewoben sind. Seiten voller prägnant gezeichneter Gestalten einer urtümlichen Lebensweise, manche am Leben und vielen Freudlosigkeiten nach außen hin hart geworden sind wie die Zwillingsschwestern Santo, deren schon physiognomische Strenge von der Autorin in wenigen Strichen lebhaft vor Augen geführt wird.

Bereits im Prolog werden die Wirrnisse des Geschehens deutlich. In fast atemlosen Sätzen, häufig von Assoziationen durchwoben, meldet sich die Schwester Archinas zu Wort und gibt einen wie gedrängten Einblick in die Zeit von wenigen Wochen um Karneval 1956 herum, in dem sie durchaus bereits einiges stichwortartig vorwegnimmt, was Teresa de Sio im Lauf der Geschichte farbenprächtig und in bildreicher Sprache ausgestalten wird. Vor allem dieses, dass die Leute nicht auf ihr Herz hören, sich am Unglück anderer weiden und diese ganz schnell und fast mit Begeisterung an den Pranger stellen.
Fazit
Ein fabelhaftes, farbenprächtiges, das Wesen der Menschen offenlegendes Erstlingswerk, dass auf den Gegenbildern von Aberglauben und Engstirnigkeit das eigentlich Freie und Menschliche bestens vor Augen zu führen versteht.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 28. Februar 2011

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