Issac Marion: Mein fahler Freund

Mein fahler Freund

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-608-93914-9

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Rückkehr ins Leben

In der letzten Zeit dreht sich die Literatur über Zombies durchaus in eine ganz andere Richtung. Statt seelenloser Fressmaschinen, gegen die sich Helden mit letzten Kräften wehren, erhalten nun die Leser einen Einblick aus Sicht der Zombies selbst. "Anonyme Untote" z.B. war ein solcher Roman, der gar Mitgefühl mit den Kreaturen erweckte.

Issac Marion geht nun in die ähnliche Richtung. Ohne jede Verschnörkelung setzt er allerdings im ersten Teil seines Buches zunächst deutlich in den Raum, dass (fast) alle gängigen Vorurteile gegen Zombies gerechtfertigt sind. Dumpf vor sich hin wankend, verdrehte Gliedmaßen, zu töten nur durch Zerstörung des Kopfes und, bei Fressattacken, im Blut dann watend (sehr präzise geschildert, fast beiläufig lässt Marion einen Überfall der Zombies auf lebendiges Fleisch durch die Seiten wehen).

Und doch ist einiges anders. Ein Rest von Verstandesfunken ist zumindest in R, der Hauptfigur, noch vorhanden. Keine Erinnerungen mehr an sein früheres Leben, sprachlich maximal auf Kindergartenebene, aber immerhin fast mit der Möglichkeit versehen, sich mit seinesgleichen, vor allem mit M, zu befreunden. Mehr als diese ersten Buchstaben ihrer ehemaligen Namen fällt den Beiden allerdings einfach nicht mehr ein.

R, der in alter Boing 747 lebt, Vinylschallplatten zu schätzen weiß und der, ohne genauer zu wissen, warum, aus der letzten Beutjagd eine lebende Frau mit auf den verlassenen Flughafen gebracht hat um sie zu beschützen. Vor den anderen, hunderten von Zombies, die auf dem Gelände eine Art Heimat gefunden haben, angeführt von alten, bösartigen Untoten, die eine Art Priesterkaste bilden. Sollte in seinem nicht mehr schlagenden Herz eine Art Gefühl noch vorhanden sein? Und tatsächlich, von Tag zu Tag verliert Julie, die Frau, ihre Angst und ihren Ekel mehr und von Tag zu Tag wird R wieder ein wenig menschlicher. Gibt es einen Weg zurück aus dem Land der Untoten? Nur für ihn oder auch für die anderen? Und wie werden die überlebenden Menschen reagieren, die sich in einem Stadion häuslich eingerichtet haben?

Nach dem ersten Drittel entpuppt sich das Buch zu einem Entwicklungsroman, der mit verschiedenen Ebenen spielt und der letztlich in den Raum stellt, dass die Motivation, ein besserer Mensch, pardon, Zombie, zu werden, letztlich aus der Macht der Liebe erwachsen kann. So, wie die tiefere Erklärung Marions für das Entstehen der Seuche, die Menschen zu Zombies werden ließ, aus der Schwärze der Seele, aus Gier, Neid und reinem Egoismus sich entwickelt hat, so ist die verbindende Kraft der Liebe, der Freundschaft und der Solidarität jener Antrieb, der wieder zu sich selbst und zueinander führen kann.

Ein Gleichnis somit stellt Marion mit seinem anregend und flüssig zu lesenden Roman in den Raum, dass durchaus den aktuellen Zustand der Welt mit aufnimmt. Nur, dass moderne Zombies nicht biologisch tot sind, aber ebenso seelenlos, wie die Masse der Untoten und ebenso zäh nur ihre eigenen Interessen verteidigend bis zum letzten, wie die vertrockneten Anführer der Zombie Horde.
Fazit
Spannend, romantisch, mit einem erkennbaren philosophischen Konzept versehen, in einfacher Sprache und dadurch einprägsam ist dieses Debüt ein durchaus gelungenes.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 20. Februar 2011

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