Qiu Xiaolong: Tödliches Wasser

Tödliches Wasser

Verlag: Paul Zsolnay Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-552-05535-3

Preis: 5,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Genosse Parteisekretär Zhao ist auch nach seiner Pensionierung ein einflussreicher Mann. Zhaos überraschendes Angebot Inspektor Chen seinen Platz im feudalen Erholungssheim für Politkader abzutreten, kann Chen kaum ablehnen. Zhao schuldet Chen noch einen Gefallen und hält die gegenseitige Verpflichtung mit seiner großzügigen Geste lebendig. Chen bezieht innerhalb des Kurheims in Wuxi direkt am Taihu- See eine eigene Villa mit mehreren Räumen. Der Ermittler der Abteilung für Spezialfälle bei der Polizei Shanghai ist wirklich urlaubsreif; dennoch fällt es ihm schwer in Wuxi abzuschalten. In einem kleinen Restaurant lernt der Inspektor Shanshan kennen, eine Umweltingenieurin des nahen Chemiewerks. Shanshan öffnet Chen die Augen dafür, dass der in traditionellen Versen gepriesene See durch Abwässer der Chemie-Industrie verschmutzt ist und seine Fische längst ungenießbar sind. Als Geschäftsführer Liu, Shanshans Chef, ermordet wird, fällt es Chen zunehmend schwer sich nicht wie ein Ermittler zu verhalten; Shanshan gegenüber hatte er sich als Lehrer vorgestellt. Polizeimeister Huang, der die Ermittlungen leitet, kennt Chen und packt die Gelegenheit beim Schopf, sich von ihm inoffiziell ein paar Tipps geben zu lassen. Der ermordete Liu hatte den Börsengang des Chemiewerks vorbereitet, der ihn selbst zum Mehrheitsaktionär befördert hätte. Wer hätte vom Börsengang profitiert, wer wäre der Verlierer gewesen, fragen sich Chen und Huang bei ihren konspirativen Treffen. Die Abteilung für Innere Sicherheit präsentiert wie gewohnt schnell einen Verdächtigen, doch Huang will nicht nur ein Bauernopfer, sondern den Fall aufklären. "Menschen sind komplexe Wesen. Versetzt man sich in die Rolle der Handelnden, wird plötzlich alles ganz logisch" - Chens beliebte Maxime führt ihn nach einigen Umwegen zur Lösung des Falles. Man wird noch von Chen hören, versichern seine neuen Kontakte in Wuxi, als sie den Besucher aus Shanghai wieder verabschiedet haben. Der siebte Band mit Chens Ermittlungen ist bereits in Arbeit.

Der Mann aus Shanghai greift bei seinen Ermittlungen auf moderne Informationstechnologien zurück und ist sich der Veränderungen der chinesischen Gesellschaft sehr bewusst (Friseursalons, in denen andere Dienstleistungen als Haarschnitte erbracht werden, oder Lius "kleine Sekretärin", die Geliebte auf Firmenkosten als Statussymbol). Bei seiner Unterstützung Huangs lässt Chen seinen vertrauten Kollegen Yu in Shanghai mit klassischer Schuhsohlentätigkeit ermitteln, was den Krimi sehr glaubwürdig macht. Ausgezeichnete Beobachtungsgabe und ihre Teamfähigkeit führt die Ermittler zum Erfolg. Als roter Faden begleitet die Leser der Krimi-Reihe seit Tod einer roten Heldin die Frage, wann Inspektor Chen wohl die große Liebe seines Lebens treffen wird. Wie gewohnt spielen kulinarische Genüsse und Chens Liebe für die chinesische Lyrik bei Qiu Xialong eine tragende Rolle. Angesichts der Umweltprobleme wirken Chens naturverherrlichende Gedichte, in die er seine Zuneigung zu Shanshan kleidet, inzwischen wie Relikte aus einer fernen Welt. Die überlieferte Weisheit, dass man als Chinese den Unterschied "zwischen innen und außen" kennen sollte, gilt jedoch immer noch, wie der Fall Liu uns zeigt.
Fazit
Chens sechsten Fall, bei dem der inzwischen berühmte Inspektor aus Shanghai mit Wachtmeister Huang aus Wuxi zusammenarbeitet, empfehle ich Anhängern der Chen-Reihe gern. Das Buch ist vom Umfang um ein Drittel schlanker als der erste Band, der mit Atmosphäre und Detailfülle begeisterte. Der Kürze könnte eine recht simple Begründung für die kriminelle Verschmutzung des Taihu-Sees geschuldet sein, die die Gleichgültigkeit gegenüber Leben und Gesundheit fremder Menschen im modernen China nicht weiter hinterfragt.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 07. Februar 2011

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