Todd Ritter: Das Schweigen der Toten

Das Schweigen der Toten

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-499-25588-5

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Lebendig einbalsamiert

Überraschenderweise erschließt sich bereits auf den ersten Seiten dieses Debüts von Todd Ritter, dass er zwar nicht das Genre neu erfindet, durchaus aber eine persönliche Note im Blick auf die Grundidee des Buches als auch auf seine Gestaltung der Protagonisten zu setzten vermag.

Die beschriebene und in der Atmosphäre hervorragend umgesetzte Art des Tötens jenes Serienkillers, der im Mittelpunkt der Fahndung des Buches stehen wird, führt augenblicklich hinein in eine beklemmende und düstere Welt. Düster für jene, die der Killer sich auswühlt, aber auch für jene beschauliche Kleinstadt, in der er sein Unwesen treibt.

Zunächst wird ein alter Farmer einbalsamiert in einem groben Sarg gefunden, dann stellt sich heraus, dass der Killer seine Morde exakt 30 Minuten vor Vollzug per Fax ankündigt und zu guter letzt haben die Protagonisten des Buches über lange Zeit überhaupt keinen Anhaltspunkt, wer der Mörder sein könnte. Ebenso wenig übrigens wie der Leser. Es dauert bis über die Mitte des Buches hinaus, bevor erste Personen in den Blick geraten, die einen Verdacht auf sich ziehen. Ebenso scheint der Fall mehrfach bereits gelöst zu sein, bevor Kat Campbell, der weibliche Sheriff der kleinen Stadt, mit ihren Helfern (samt dem Leser) merkt, dass all diese Spuren und vermeintlichen Geständnisse ins Leere laufen. Ins Leere laufen müssen, da erst ganz zum Schluss deutlich wird, warum jene Personen auf so grausame Weise ermordet wurden. Bis dahin sind einige beklemmende Szenen zu überstehen, unter anderem die packend geschilderte Szene, lebendig begraben zu werden.

Auch wenn letztlich das Motiv und die noch früher liegenden Ursachen für die Morde nichts Neues im Rahmen eines Serienkiller Profils darstellen, versteht es Ritter doch, dies alles in einen frischen, neuen Zusammenhang zu bringen und mit Blick auf die Bestatterzunft hier auch neue Akzente zu setzen.

Ebenso differenziert zeichnet er seine Figuren, die durchweg nicht dem Bild eines klassischen Helden entsprechen, sondern alle Brüche in ihrer Vergangenheit aufzuweisen haben, die im Laufe des Buches je eine tragende Rolle spielen werden. Sei es die junge Polizistin Kat, die mit ihrem behinderten Sohn versuch, ein gutes Familienleben trotz der Ansprüche der Arbeit aufrecht zu erhalten, sei es Nick, der Bundespolizist, der aus ganz eigenen Motiven heraus Serienkiller jagt und zu verstehen versucht, sei es Henry, der Mann mit der auffälligen Narbe, der sich in die kleine Stadt und als Nachrufschreiber des Provinzblättchens zurückgezogen hat, um seiner Vergangenheit zu entkommen. Was ihm zu guter Letzt ebenso wenig gelingen wird, wie Kat und Nick nicht unversehrt diesen Fall überstehen werden.

Ein interessantes Ambiente, in dem Ritter seine Geschichte ansiedelt, lebensechte Personen, die die Geschichte vorantreiben, undurchschaubare Verhältnisse, wenig Verdächtige, alles in allem eine gut und flüssig erzählte, atmosphärisch in Teilen dichte Verbrecherjagd, die durchaus zu unterhalten weiß. Einige Längen, leichte Abbrüche nach der Hälfte des Buches und ein doch sattsam bekanntes Grundmotiv des Killers schmälern das Lesevergnügen leicht, aber nicht entscheidend.
Fazit
Ein interessantes Ambiente, in dem Ritter seine Geschichte ansiedelt, lebensechte Personen, die die Geschichte vorantreiben, undurchschaubare Verhältnisse, wenig Verdächtige, alles in allem eine gut und flüssig erzählte, atmosphärisch in Teilen dichte Verbrecherjagd, die durchaus zu unterhalten weiß. Einige Längen, leichte Abbrüche nach der Hälfte des Buches und ein doch sattsam bekanntes Grundmotiv des Killers schmälern das Lesevergnügen leicht, aber nicht entscheidend.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 30. Januar 2011

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