Peter H. Schulze: Hatschepsut. Herrin beider Länder

Hatschepsut. Herrin beider Länder

Verlag: Bastei Lübbe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-404-61053-2

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Peter H. Schulze hat hier eine sehr informative Lebensbeschreibung der ägyptischen Königin der 18. Dynastie vorgelegt, die naturgemäß anhand der fehlenden Quellen lückenhaft bleiben muß. Machtstellung des Pharaos im alten Ägypten, seine gesellschaftliche, außen- und innenpolitische Entwicklung über 1500 Jahre bis zur 18. Dynastie wird nachgezeichnet. Auch neuere Forschungsergebnisse wurden eingearbeitet. Leider ist diese ausgezeichnete Arbeit auf dem Forschungsstand von 1975, da die Erstausgabe bereits 1976 erschienen ist.Für mich am interessantesten: Schulze widerspricht vehement den Annahmen der meisten Ägyptologen, ihr Stiefsohn, Mitregent und Nachfolger Thutmosis III. sei für das Auslöschen ihres Andenkens verantwortlich. Obwohl auch Schulze mangels Quellen keine näheren Angaben über die Art und Weise des Machtwechsels im Jahre 1468 v. Chr. machen kann (er vermutet in Anlehnung an einen anderen Ägyptologen einen natürlichen Tod Hatschepsuts), vermutet er, Amenophis III., der Vater Echnatons, habe - unter dem Einfluß seiner Gemahlin Teje - Hatschepsut zur "Unperson" werden lassen. Seine Begründung im Einzelnen kann hier nicht nachgezeichnet werden, sie ist für eine kurze Rezension zu kompliziert. Zumindest kann er seine Gründe belegen - und dieser ist in erster Linie der Beleg, dass die Auslöschung Hatschepsuts, die noch von Beamten unter Amenophis II. erwähnt wird, erst nach Thutmosis Regierungszeit erfolgt sein kann. Außerdem sei Thutmosis ein starker und kein schwacher und unsicherer Regent gewesen. Mord spreche für massive Unsicherheit des Nachfolgers und scheide somit vermutlich aus. Außerdem sei Hatschepsut keine Ursupatorin gewesen; sie habe nach ihrer Thronbesteigung keine eigene Zählung des ägyptischen Kalenders (wie es bei Thronwechseln üblich war) eingeführt. Warum sie sich allerdings - im Gegensatz zu starken Vorgängerinnen in der ägyptischen Geschichte, die Schulz auch erwähnt, zur Pharaonin krönen ließ und sich nicht damit begnügte, Regentin zu bleiben, darauf gibt Schulze keine befriedigende Antwort.Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit interessanten Thesen, die mangels Quellenlage allerdings nicht ausreichend belegt werden (können), was Schulze souverän zugibt. Außerdem muss bedacht werden, dass das Buch auf dem Forschungsstand von 1975 basiert. Allerdings erscheint mir seine oben diskutierte These von Hatschepsuts Verschwinden und Auslöschung durchaus plausibel zu sein und dürfte die weitere Forschung zu dem Thema anregen.
Fazit
Daher meines Erachtens auch heute noch ein wichtiges Standardwerk zu Hatschepsut.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. August 2003

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