Erich Hackl: Familie Salzmann

Familie Salzmann

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-257-06758-3

Preis: 19,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Lange hab ich mich auf den neuen Hackl gefreut und ich wurde nicht enttäuscht, zumindest nicht von Hackl.
Er erzählt, wie immer kurz aber eindringlich, die wahre Geschichte der Familie Salzmann. Hugo und Juliana Salzmann waren Kommunisten, die für ihre Überzeugung eingestanden sind und sie bis zum Schluss, welcher für Juliana ein bitterer war, durchgezogen haben, trotz der Trennung von ihrem damals kleinen Sohn Hugo, der sich dann selbst durchschlagen musste und ganz ohne Eltern bei der Tante in der Steiermark aufwuchs.
Die Chronik beginnt aber mit Hanno, dem Sohn vom kleinen Hugo Salzmann, der den Fehler machte zu erwähnen, wie seine Großmutter umkam, nämlich im KZ. Der Leser erfährt aber erst zum Schluss das ganze Ausmaß seines eigentlich nur nebenbei erwähnten Missgeschicks.

Hugo und Juliana, die sich von Österreich über Deutschland schließlich nach Frankreich retten konnten, waren immer auf der Flucht vor den Nazis. Als sie schließlich doch gefasst wurden, trennte man das Ehepaar und brachte sie in unterschiedliche Lager. Hugo wurde zu einer Haftstrafe verurteilt während Juliana zum Verhör geladen wurde, aber nicht aus dem Lager entkam. Es gab nur einen dürften Briefverkehr, da dem Paar nur eine gewisse Anzahl an ihre Verwandten erlaubt war, so sind nicht viele Fakten bekannt über das genaue Ableben von Juliana.

Nach dem Krieg hoffte der kleine Hugo immer, endlich zu seinem Vater zu kommen, der mittlerweile in Deutschland lebt und weiterhin sehr politisch engagiert war, immer wieder hat er das Versprechen gebrochen, seinen Sohn zu sich zu holen. Nie sollte die Beziehung zwischen Vater und Sohn je eine enge sein und nie konnte Hugo mit seinem Vater das Erlebte, das Unerlebte und Ungewusste über die Mutter aufarbeiten können. Der Vater hatte mittlerweile eine neue Familie, in der sein Sohn keinen Platz fand. Als diesen ihm unter falschen Tatsachen ein Visum aus der DDR nach Österreich entlocken konnte, bricht der Vater endgültig mit seinem Sohn.
Hugo war derweil schon verheiratet und hatte einen Sohn mit spastischer Lähmung, später kam noch Hanno.

Um nicht das Ende der Geschichte vorweg zu nehmen, belass ich es bei der Darstellung der Chronik.
Fazit
Hackl deckt die tief verwurzelte Falschheit der Österreicher, der österreichischen Politik und die Macht der Verleumdung auf. Er hält nicht mit Namen hinterm Berg und entlarvt die Unschuld der Unwissenden, die sehr stets im Klaren über die Tatsachen waren. Und auch Jahrzehnte nach dem Krieg geht die Blindheit und die Uneinsichtigkeit weiter, wer es bis jetzt nicht erkannt, spätestens nach "Familie Salzmann" erkennt, dass sich rein gar nichts an der Mentalität des Wegschauens und Blinde Vertrauens geändert hat.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Diyani Dewasurendra [Profil]
veröffentlicht am 22. Januar 2011

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