Gabi Kreslehner: Das Regenmädchen

Das Regenmädchen

Verlag: Econ Ullstein List Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-550-08860-5

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Sprachliches Ereignis

Das Genre des Kriminalromans mit immer neuen, überraschenden Fällen zu füttern ist nach mehr als hundert Jahren der verschiedensten Autoren und Sujets sicherlich kaum mehr möglich. So ist auch dieser Fall nicht unbedingt eine ganz neue Wendung und Überraschung im Krimi gegenwärtiger Tage, allerdings durchaus logisch aufgebaut (trotz einiger doch sehr konstruiert wirkender Verflechtungen im Buch) und spannend genug, sich Seite für Seit der Auflösung am Ende des Buches zu nähern. Wobei, für den, der aufmerksam liest, der Täter letztlich keine Überraschung darstellen wird, durchaus aber das ein oder andere Motiv nicht unbedingt vordergründig mitschwingt.

Eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, stirbt auf der Autobahn. Schnell stellt sich für die ermittelnden Beamten, Oberkommissarin Franza und Oberkommissar Herz, heraus, dass hier kein Unfall vorliegt, Spuren auf der nahegelegenen Raststätte und eine Zeugenbeobachtung weisen eindeutig darauf hin, dass ein unbekannter Fahrer in einem unbekannten Kfz beteiligt war, wenn auch der Unfallfahrer selbst nur durch Zufall in diese dramatische Situation mit hineingeriet. Mühsam sind die Wege der ersten Recherchen, bis überhaupt klar wird, wer die Tote ist. Auch das dann mitteilsame Umfeld im Form der Mutter, Freundinnen, einer Sozialarbeitern lassen die Ermittler zunächst vielfach im Dunkeln tappen. Die einzige Spur ist die allseits genante Verliebtheit des Mädchen in einen großen Unbekannten. Wäre hier der Täter zu finden?

Zeitgleich wird der Leser in einen zweiten Handlungsstrang, auch im Druckstil kursiv gesetzt, eingeführt. Ben liebt Marie, mit tiefer, kaum auszuhaltender Sehnsucht, doch immer wieder entzieht sich Marie ein Stück. Ist Marie die Tote? Ist Ben der Täter? Immerhin ist der Leser den Ermittlern durch die Parallelgeschichte um einiges voraus und ahnt bald, dass Ben und Marie zumindest eng mit dem Tötungsdelikt auf der Autobahn zu tun haben werden.

Was das Debüt der Autorin im Blick auf Bücher für Erwachsene anders sein lässt und durchaus aus dem Rahmen üblicher Kriminalromane nimmt, ist zum einen die sprachliche Fertigkeit und Form der Autorin, zum anderen die Charakterisierung der Protagonisten. Sprachlich bilderreich, assoziativ, Gedankenschnipseln folgend, kaum mit ausgefeilten Sätzen, eher in poetischer den nüchternen Sprache stellt sich nach anfänglichem Befremden doch ein andersartiger, mitnehmender Lesefluss ein, der die eigenen Assoziationen stark freisetzt und mit der direkten und klaren Sprache verbunden wirklich mit in die Geschichte hinein zu nehmen versteht.

Eine Geschichte, die zudem geprägt wird von Protagonisten, die durch die Bank mehrschichtig angelegt sind. Sie es der zum vierten Mal Vater werdende Oberkommissar Herz, der sich pflichtschuldig freut, im Stillen sich aber durchaus von seiner Frau wie ein Zuchtbulle behandelt fühlt, denn wirklich etwas zu sagen hat er nicht bei der Familienplanung. Sei es Oberkomissarin Franza, verheiratet, voll motiviert bei ihren Fällen, die innerlich allerdings eine hohe Energie aufbringen muss, um sich ihrer Arbeit immer wieder neu zuwenden zu können, die eine Sehnsucht nach dem Meer und der Freiheit in sich trägt, die sie in heimlichen Stelldicheins mit dem Kunstschaffenden Port auslebt, intensiv auslebt, natürlich ohne Wissen ihres Mannes. Sei es das Opfer selbst, dass im Leben nicht so unschuldig und zerbrechlich lebte, wie sie als tote wirkt, sondern durchaus für Geld so einiges bereit war, zu tun. Sei es allein schon der Unglücksfahrer, der nun sein Alibi zusammenbrechen sieht. Seine Frau wird nun merken, dass er nicht auf Geschäftsreise war, sondern eher bei seiner Geliebten im Nachbarort.
Fazit
Helden, ungebrochene Sympathieträger findet man somit nicht in diesem Buch, wohl aber eine düstere Atmosphäre, Menschen mit Brüchen und dennoch dem Versuch, ihren Weg zu finden und zu gehen, leidenschaftliche Obsessionen. Und das in einer ganz anderen, ungewohnten sprachlichen Form. Sicher hier und da ein wenig überkonstruiert, dennoch aber lesenswert.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 19. Januar 2011

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