Olaf B. Rader: Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron

Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-406-60485-0

Preis: 29,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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"Stupor mundi" wurde er ehrfürchtig, aber auch mit einem gewissen Unbehagen genannt - das "Staunen der Welt". Kaiser Friedrich II. (1194 bis 1250) hat bereits zu seinen Lebzeiten die Zeitgenossen fasziniert und schlägt noch heute den modernen Betrachter in den Bann. Gleich ob es sich um Bewunderung, Respekt oder aber (gerade zu seinen Lebzeiten seitens seiner Gegner) um Furcht oder sogar tiefe Abneigung handelte - jede Generation hatte ein eigenes Friedrichbild.

Geboren und aufgewachsen im Königreich Sizilien als Sohn des Stauferkaisers Heinrich VI. und der Normannenprinzessin Konstanze, trat er ein schwieriges Erbe an. 1212 zum römisch-deutschen König gekrönt, konnte er sich erst 1214 gegen seinen Konkurrenten, den Welfen Otto IV., durchsetzen. 1220 zum Kaiser gekrönt, verschob er wiederholt den Kreuzzug, den er dem Papst versprochen hatte. Mehrmals gebannt und im Konflikt mit den oberitalienischen Städten und den Päpsten unbesiegt, aber auch in schwere Auseinandersetzungen verwickelt, verstarb er 1250. Sein Tod läutete das Ende der Staufer ein und war der faktische Beginn eines Zeitalters, das als Interregnum bezeichnet wird, in dem das Kaisertum deutlich an Macht einbüßte. Als Person faszinierte Friedrich vor allem aufgrund seiner ungewöhnlich guten Bildung und seines wachen Verstandes. Er war gleichzeitig ein Lebemann, aber auch ein Herrscher, dessen Kaiseridee tief im christlichen Denken seiner Zeit verankert war. Der Konflikt mit den Päpsten nahm dabei sogar endzeitliche Züge an.

Zahlreiche Biographien sind dem wohl interessantesten römisch-deutschen Kaiser gewidmet, von der literarisch hervorragenden, aber nicht unumstrittenen von Ernst Kantorowicz bis zur umfangreichen und eher nüchternen von Wolfgang Stürner. Raders neue Biographie geht eigene Wege und weiß in diesem Sinne durchaus zu überzeugen.

Anstatt streng chronologisch den Ereignissen zu folgen, ist Raders Werk eher thematisch aufgebaut. Der 1. Teil (Herrschaft) ist dem jungen Prinzen, König und dem Kaiser gewidmet, wobei die Erlangung der Herrschaft und die Herrschaftsausübung (darunter auch Universitätsgründung und Gesetzgebung) betrachtet wird. Der 2. Teil (Leidenschaften) befasst sich mit dem Menschen Friedrich, seinen Liebschaften, seinen Leidenschaften (wie die Falkenjagd) und seiner Patronage der Wissenschaft und Künste. Im 3. Teil (Feindschaften) werden die Konflikte Friedrichs geschildert, vor allem die Auseinandersetzung mit den Kommunen und den Päpsten. Dies ist vielleicht der interessanteste Teil der Abhandlung Raders, denn neben den militärischen Konflikten wird auch die bemerkenswerte Propagandakampagne zwischen Kaiser und Kurie dargelegt. Den Abschluss bildet ein knapper Abriss des Nachlebens.

Raders Biographie ist nicht so umfangreich wie Stürners Werk und kann auch nicht den dort unübertroffenen wissenschaftlichen Apparat aufweisen. Es ist aber eine sehr willkommene, sinnvolle Ergänzung. Raders Stil ist sehr gut lesbar und seine Darlegungen sind klar strukturiert. Rader betrachtet auch immer wieder die einschlägigen Quellen und hat die moderne Fachliteratur miteinbezogen. Das Ergebnis ist eine gut erzählte moderne Darstellung des Kaisers, die auch dem Sachkundigen anregende Überlegungen mit auf dem Weg gibt. Vor allem ist die konsequente Betrachtung Friedrichs als Kind des Königsreichs Sizilien zwar nicht völlig neu, aber plausibel und aufschlussreich.
Fazit
Raders gut lesbare und gut recherchierte Biographie darf jedem Interessierten an dem Staufer Friedrich II. als Lektüre empfohlen werden. Sowohl der Laie als auch der bereits vorgebildete Leser dürften Gewinn daraus ziehen. Allerdings ersetzt es keineswegs Stürners monumentale Darstellung, ergänzt diese aber vorzüglich.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 03. Januar 2011

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