Gisbert Haefs: Mörder und Marder

Mörder und Marder

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-44412-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Erneut hat Gisbert Haefs hier einen Krimi mit seinem korpulenten Meisterdetektiv Baltasar Matzbach geschaffen. Zusammen mit seinem aus "Und oben saß ein Rabe" bekannten Freund, dem Philosophen Henry Hoff, wird er zu einem Treffen mit Hoffs früheren Studienkommilitonen in den Westerwald eingeladen. Die 7 Personen üben alle ausgefallene "Berufe" aus, um nicht zu verhungern. Unter anderem stösst Gaspar Schuster zu dem Treffen, der Tiere aus verschiedenen Zoos aufkauft und an interessierte Personen vermietet. Als Matzbach und Hoff ankommen, tobt ein Schneesturm, alle Verbindungen nach außen sind unterbrochen. Die klassische "Locked-Room"-Atmosphäre, d.h. der Mord in einem verschlossenen Raum, so dass der Täter zu einem fest umrissenen Personenkreis gehört. Und so kommt es auch: der allseits unbeliebte Schuster wird ermordet und Matzbach findet innerhalb eines Tages den wahren Täter. Allerdings nicht das Motiv: dieses liefert der entlarvte Täter nach, nachdem ihn Matzbach mit mehreren Beweisen überführt hat.
Der Krimi lebt erneut von der Schlagfertigkeit und dem Wortwitz der imposanten Hauptfigur, des "Universaldilettanten" Matzbach, sowohl offensichtlich Alter-Ego des bekannten Autors wie auch offenkundig nach dem bekannten Vorbild des Nero Wolfe gestaltet. Allerdings kann man meiner Meinung nach gerade im Vergleich mit dem "Raben" eklatante Schwächen entdecken: Der als Raben-Ersatz eingesetzte Marder findet nicht die Aufmerksamkeit und das "Mitleiden" des Lesers, die Figuren erscheinen mir zu skurril, zu sehr überzeichnet und damit irreal. Das ganze kommt mir wie ein Spiel und nicht so sehr wie ein realer Kriminalfall vor; die Charakterzeichnung, im "Raben" noch sehr überzeugend, leidet meiner Meinung nach unter dieser Überzeichnung. Außerdem kann der Leser die Lösung des Falles nicht nachvollziehen, da ihm relevante Informationen nicht oder zu spät geliefert werden (die Größe des Täters und seine Beziehung zu dem Opfer). So kann der Leser die Gedankengänge Matzbachs nicht nachvollziehen, ein "Watson", eine Rolle, die der Philosoph Henry Hoff ausüben soll, fehlt hier völlig; Hoff scheint hier fast deplaziert, überflüssig - im Gegensatz zum Raben. Insofern leider nur ein schwacher Abglanz des Raben.
Fazit
Für Liebhaber von Matzbachs Humor dennoch amusant.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 10. August 2003

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