Anne Holt: Gotteszahl

Gotteszahl

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-492-05395-2

Preis: 0,51 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Motiv Hass

Düster ist sie, die Atmosphäre in Anne Holts neuem Kriminalfall. Düster und weitverzweigt.

Ein Betrunkener fällt ins weihnachtlich eiskalte Hafenwasser, bei der Rettung durch einen jungen, mutigen Mann wird eine ganz andere Person noch mit aus dem Wasser gefischt. Diese aber ist bereits seit längerem Tod und in entsprechendem Zustand.

Bereits schon die Schilderung dieses ersten Leichenfundes zeigt auf, wie intensiv Anne Holt es versteht, eine dichte Atmosphäre durch ihre bildhafte und direkte Art der Beschreibung aufzubauen. Sind es hier die klaren und direkten Sätze, die in den Bann ziehen, ist es im weiteren Verlauf die Fülle von nur angedeuteten Hintergründen, die zunächst viele lose Stränge des Falles vermeintlich unverbunden in den Raum setzen.

Kommissar Ingvar Stubo feiert mit seiner Patchworkfamilie Weihnachten, da erfährt er, dass Bischöfin Lysgaard in der Nacht des heiligen Abends bei einem Spaziergang ermordet wurde. Umgehend wird er zur Untersuchung des Falles nach Bergen beordert.
Was aber führte überhaupt dazu, dass die Bischöfin alleine unterwegs war?
Ein heranstrebender Künstler, kurz vor seinem zumindest nationalen Durchbruch wird diesen ebenfalls nicht mehr erleben.

Während Ingvar versucht, Licht in das mysteriöse Dunkle der Morde zu bringen, für die er beim besten Willen kein Motiv erkennen kann, beschleicht seine allein zurückgebliebene Frau das Gefühl, dass ein Fremder ihrer Tochter nachstellt. Als dann noch eine höchst konservative christliche Vereinigung ins Spiel gerät, die den liberalen Ideen der Bischöfin zutiefst hasserfüllt gegenübersteht, wird die Verwirrung zunächst noch größer, bevor dann im zweiten Teil des Buches all die vermeintlich losen Fäden der verschiedenen Morde und Bedrohungen sich zu einem unerwartetem Bild verknüpfen und langsam die Hintergründe der Morde und damit der mögliche Täter in den Blick geraten.

Leger könnte man sagen, dass es gilt, den ersten Teil des Buches als Leser zu überstehen. Die einerseits fremden, nordischen Namen, die andererseits alle irgendwie ähnlich klingen macht es nicht leicht, jederzeit auf der Höhe der gerade handelnden Personen zu bleiben. Die vielen Perspektivwechsel, vor allem das doch für längere Zeit Verlassen des ermittelnden Kommissars zugunsten seiner Frau und einer anderer Nebenfiguren führt zu einer Vielzahl von unverbunden wirkenden Ereignissen, vor allem aber dazu, dass auch die Ermittlungen im eigentlich hauptsächlichen Mord an der Bischöfin ebenso sehr aus dem Blick genommen werden.

Das Ertragen dieser leichten Verwirrung aber lohnt sich durchaus, wenn zur Mitte des Buches hin sowohl die Stringenz als auch die Erzählweise der Autorin Fahrt aufnehmen und Seite für Seite klarer wird, wie all die unverbunden wirkenden Geschichten und Ereignisse des ersten Teil des Buches miteinander in Beziehung stehen. Natürlich wäre Anne Holt nicht Anne Holt, wenn das ganze Bild samt dem tatsächlichen Täter bereits vor den letzten Seiten allzu deutlich im Raume stehen würde. So gelingt es ihr tatsächlich im intensiven Finale des Buches alle Fäden zusammen zu weben und einen Täter zu präsentieren, der eine tatsächliche Überraschung darstellt. Fast ein Nebenprodukt der vielfachen Verästelungen und Personen ist, dass es Anne Holt wie nebenbei gelingt, ein prägnantes Bild ihrer Protagonisten zu erstellen und diese damit dem Leser in ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten durchaus nahe bringt.
Fazit
Ein intelligent konstruierter Kriminalroman, der nach bedächtigem und leicht verwirrendem Beginn durchaus fahrt aufnimmt und mit so manchen überraschenden Wendungen aufwartet, die die Spannung hoch halten.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. Dezember 2010

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