Stephen King: Zwischen Nacht und Dunkel

Zwischen Nacht und Dunkel

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Horror
ISBN-13 978-3-453-26699-5

Preis: 19,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Tiefer Blick in menschliche Abgründe und innere Auflösung

Er hat Krebs. Endstadium. Und trifft auf einen Straßenladen, der Verlängerungen anbietet. Jedweder Art. Aber die Sache beim Händler mit dem teuflischen Namen hat einen Haken. Das von ihm genommene Unglück muss einem anderen angelastet werden. Wen wählt er? Seinen vermeintlich besten Freund, den er seit Jugendjahren im tiefsten Inneren hasst. Ungerührt betrachtet er, wie seine Familie im Glück badet, sein Freund und dessen Familie aber in zunehmendem Unglück ausgesetzt ist.

Sie ist seit 16 Jahren verheiratet und entdeckt durch Zufall, dass ihr Mann ein diabolisches Doppelleben führt. Wie wird sie reagieren? In einer Art und Weise, die minutiös innerlich offen gelegt wird und die Dinge des Lebens in Ordnung bringen wird.

Zwei Eindrücke aus vier Kurzromanen, die Stephen Kings neuestes Buch ausmachen. Geschichten und Romane, die er gereift und in mitreißender Form der Erzählung gestaltet. Schon hat man 128 Seiten gelesen, wundert sich, dass doch eigentlich gar nicht viel passiert ist an äußerer Handlung und ist dennoch wie durch einen Sog mitten in der Geschichte.

Spärliche Landschaften und eine überschaubare Anzahl an Figuren dienen Stephen King in jedem der vier Romane unterschiedlicher Länge dazu, seine im Alter immer deutlicher werdenden Grundintentionen in unnachahmlicher Form auf den Weg zu bringen. Ganz gewöhnliche Menschen in außergewöhnlichen Situationen, dass ist das eine, dass Stephen King immer wieder schriftstellerisch gestaltet. Das andere ist, beim Leser eine instinktive Reaktion hervor zu rufen, kein distanziertes Nachdenken. Wenigen gelingt dies so, wie ihm. Wenn man die Szene im ersten Roman verfolgt, in der ein Farmer, aus der Ich Perspektive erzählend, mit seinem Sohn die zänkische und sich distanzierende Ehefrau (und Mutter) tötet, wenn man sich der minutiösen und klaren Sprache Kings aussetzt, der den Vorgang des Tötens so unfassbar real in den Raum setzt, dann bleibt eine wahrlich Reaktion nicht aus. Auch nicht, wenn eine große, ekelerregende Wanderrate sich am Euter einer noch lebenden Kuh zu schaffen macht. Dabei sind es immer wieder die Kräfte zur Schilderung, die den Szenen ihre beunruhigende Wirkung geben.

Diese immer noch unverhofft treffenden und schockierenden Elemente sind ein Markenzeichen Kings und halten Seite für Seite den Leser in der Geschichte gefangen, das eigentliche Ziel aber ist es in allen vier Romanen, die innere Welt, das innere Erleben, auch den inneren Zerfall seiner Protagonisten Schritt für Schritt, fast schleichend, in den Raum zu setzten und durch seine gedruckten Worte hin lebendig werden zu lassen. Getreu seinem Motto, dass, wenn man einen dunklen Ort betritt, man eine sehr helle Lampe mitnehmen sollte um auch wahrlich jeden Winkel der Dunkelheit fast grell auszuleuchten und aus dem Schatten heraus zu ziehen. Genau das will und das gelingt Stephen King immer wieder meisterlich mit seinem Talent, genau jene dunklen Orte überhaupt erst zu finden.

King ist und bleibt ein begnadeter Erzähler und das ist, was für ihn und, letztlich, auch für den möglichen Leser zählt. Ein Erzähler, der mittlerweile das Grauen in seinen späten Jahren noch deutlicher in seine Figuren hinein verlegt. Weniger, wie in früheren Jahren, spielen Monster, äußere Bedrohungen der surrealen Art oder äußere Katastrophen eine tragende Rolle. Das Dunkel im Menschen ist es nun noch deutlicher als früher, dass King intensiv ausleuchtet.
Fazit
Massiv, lebendig, düster, verwirrend, die dunkelsten Seiten menschlichen Seins ausleuchtend, dies gelingt King in den vier Kurzromanen aus verschiedenen Perspektiven heraus, wie so oft, in bester Form.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 05. Dezember 2010

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