Helene Tursten: Der im Dunkeln wacht

Der im Dunkeln wacht

Verlag: BTB [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-75279-9

Preis: 0,47 Euro bei Amazon.de [Stand: 26. September 2016]
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Selbsternannter Erlöser

Helene Tungsten hat sich in den letzten 10 Jahren vermittels Ihrer Ermittlerin Irene Huss eine beachtliche, treue Lesergemeinschaft erschlossen. Wie auch in den vorhergehenden Fällen besticht der neue Fall für die Göteburger Kriminalinspektorin durch eine intensive und empathische Skizzierung der handelnden Figuren und einer logisch angelegten Handlung. Ebenso gehört es zu den bekannten Markenzeichen von Helene Tursten, ihre Protagonisten nicht durch breit angelegte Verfolgungsjagden (obwohl eine Verfolgung durchaus eine Rolle spielen wird im Buch), Blutlachen oder einen Kugelhagel taumeln zu lassen, sondern in eher alltäglicher Weise die Ermittlungen zu führen, sich manches Mal eher von Zufällen leiten zu lassen und ganz zum Ende hin dann doch vor überraschenden Enthüllungen zu stehen.

Die Geschichte dieses neuen Falles wird weitgehend aus der Perspektive der Ermittlerin erzählt, einige Einschübe von Texten des Täters helfen dem Leser jedoch, nach und nach dessen Motive einzuordnen. Als Erlöser sieht er sich, als einer, der sich selbst vom Bösen befreien muss und böse sind eben jene, die sich ihm gegenüber ungehörig verhalten. Dass zu diesen im Lauf der Ermittlungen auch Irene Huss gehören wird, dies gibt dem Buch seine unterschwellige Spannung bis hin zur, leider all zu kurz und knapp gehaltenen (der einzige Kritikpunkt an der Gestaltung der Geschichte), finalen Begegnung der Kriminalinspektorin mit dem Mörder. Eine Begegnung, bei der allerdings auch eine ganz andere Seite als die bisher gewohnte bei Irene Huss aufblitzen wird.

Am Anfang stehen zunächst zwei Frauenleichen auf zwei verschiedenen Friedhöfen, auf die gleiche Art und Weise getötet. Schnell finden die Ermittler heraus, dass im Vorfeld der Morde der Mörder die Opfer beobachtet hat und mit ihnen Kontakt aufnahm. Warum aber und wieso und aus welchem Grund es gerade jene beiden Frauen traf, dass sind die Fragen, die im Lauf der gut 300 Seiten aufzuklären sind, ebenso wie die bange Frage, wer noch alles auf seiner Liste stehen könnte.

Mit ihrem bewährten Team macht sich Irene Huss an die Ermittlungen. Helene Tursten legt dabei gesteigerten Wert auch auf das ganz alltägliche, normale Leben ihrer Figuren. Allein schon Irene Huss wird nicht nur in ihrer Rolle als Ermittlerin begleitet, auch als Ehefrau, Hausfrau, Hundebesitzerin und mit der ein oder anderen Eitelkeit und leichten Verzweiflung über den körperlich sichtbaren Zahn der Zeit wird sie dem Leser vor Augen geführt. Auch alle anderen Protagonisten erhalten einen fast realen Hintergrund und werden so im alltäglichen, Leben verankert. Personen, die man durchaus meint, kennen zu können, Personen, die ein fassbare Tiefendimension erhalten und deren Handeln im Buch daher umso plausibler dargestellt werden kann.
Fazit
Überzeugende Figuren, eine interessante Grundidee, die in unaufgeregter Form im Buch ohne logische Brüche entfaltet wird und eine zunehmende Gefahr für die Hauptfigur des Buches, dies alles sind Zutaten, die den Fall von Irene Huss zu einem soliden und anregenden Lesevergnügen gestalten, ohne allerdings den Krimi neu zu erfinden.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 02. Dezember 2010

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