Thomas Strobl: Ohne Schulden läuft nichts

Ohne Schulden läuft nichts

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-24831-0

Preis: 4,92 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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Konsequente Marktwirtschaft

Vorweg gesagt, das Buch bildet einen fundierten und wichtigen Beitrag zur aktuellen Lage und Diskussion kapitalistischen Wirtschaftens. Gerade im Anblick von Schuldenbremsen, zahlungsunfähigen Ländern, überschuldeten Privathaushalten (die die letzte weltweite Krise ausgehend aus den USA mit hervorgebracht haben) einerseits und andererseits dem Investitions- und Wachstumszwang aus dem Wirtschaftssystem aller Volkswirtschaften heraus (und nur kreditfinanzierte Investitionen führen zu stetigem und hohem Wachstum) bedarf es dieses Buches von Thomas Strobl, um die allgemeine Diskussion hier und da ein wenig auf die Füße wieder zu stellen. Wie aus der FAZ gewohnt in scharfer und treffsicherer Sprache, nimmt Strobl wieder einmal kein Blatt vor den Mund.

Gegen den Trend althergebrachter Sprichwörter ("Spare in der Zeit...") und quotenträchtiger Fernseh-Schuldenberater legt Strobl in seinem Buch einige Kerngesetzte marktorientierten Wirtschaftens vor, ohne die Problematiken eines "zuviel" zu verschweigen.
Konsequent zeigt er zunächst auf, dass die Mehrung von Wohlstand letztlich auf einer Mehrung von Gütern und Kapital gründet, diese Mehrung aber nur durch immer wieder sich vollziehende Investitionen in die Zukunft möglich werden, solche Investitionen in jener Höhe, die es braucht, um zu wachsen, aber nur durch Kredite möglich sind, sprich, durch mehr Mittel zur Investition als jene, die aktuell verfügbar wären. Dies zeigt Strobl anhand der Verdoppelungsquote des materiellen Wohlstandes, der in immer kürzeren Abständen erfolgt.

Da Kredite aber immer eine Wette auf die Zukunft sind, wird es da höchst problematisch (und bei den Summen, die mittlerweile weltweit unterwegs sind zugleich eine Bedrohung für ganze Nationen und Volkswirtschaften), wenn die Wette verloren wird. Es ist ernüchtern, Strobl in seinen immer klaren, teils brillanten Ausführungen zu folgen und zugleich mit ihm zu der Erkenntnis zu gelangen, dass dieses System nicht veränderbar im Raume steht. Auch auf mittelfristige Zukunft hin gesehen wird die globale Finanzwirtschaft weiterhin die Geschicke der Volkswirtschaften maßgeblich bestimmen.

Auf dem Weg zu dieser Schlussfolgerung legt Strobl im ersten Teil des Buches die Grundpfeiler des Kapitalismus in klarer und nüchterner Sprache verständlich dar, zeigt im zweiten Teil auf, dass die Wirtschaftswissenschaften als Theorie den realen Vollzügen immer nur nachlaufen können und diese im Wesen theoretisch nicht erfassbar sind, bevor im dritten Teil des Buches konkret praktisch offengelegt wird, wie der "Schmierstoff" der Wirtschaft, Kredite, verwaltet, vergeben, durchaus aber auch verweigert werden und warum dies im Einzelnen so ist. Erschreckend gerade dieser Teil des Buches, der die Macht der Banken ungeschmälert und ungeschönt plakativ vor Augen führt. Im vierten Teil versucht sich Strobl dann an der Darstellung von Alternativen, macht aber nicht viel Hoffnung auf deren Umsetzung. Denn eine "Renditediät" scheint ihm (und auch dem Leser nach Lektüre seines Buches) eher unwahrscheinlich. Dennoch liegt hier die Chance auf langfristige Umgestaltung und Befreiung aus den Fesseln der Finanzwirtschaft begründet. Kredite sind notwendig für ein florierendes Wirtschaftssystem, aber wild wuchernde Kredite um der reinen Geldvermehrung für wenige werden auf Dauer dieses Welt nicht zu einem stabilen Ort machen. Hier ist der eigentliche Handlungsbedarf eines langfristigen Umsteuerns der Finanzströme.

Thomas Strobl legt ein teils glänzend argumentiertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpfeiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und in ihren Folgen benennt, ebenso die Hilflosigkeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den ein oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt. Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte ist das Buch reinweg empfehlenswert.
Fazit
Thomas Strobl legt ein teils glänzend argumentiertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpfeiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und in ihren Folgen benennt, ebenso die Hilflosigkeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den ein oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt. Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte ist das Buch reinweg empfehlenswert.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 27. November 2010

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