Ami McKay: In Mondnächten

In Mondnächten

Verlag: BTB [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-442-73556-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Scotts Bay, Nova Scotia 1916. Die Rares hatten immer nur Söhne gehabt, Dora Rare wuchs als erstes und einziges Mädchen mit sechs Brüdern auf. An der Bay of Fundy in der östlichsten kanadischen Provinz arbeiteten die Männer je nach Jahreszeit als Fischer, Bauer oder Schiffbauer. Jeder war gewöhnt mit anzupacken, die Häuser wurden in Gemeinschaftsarbeit selbst gebaut, dann regelmäßig zu Beginn des Winters gegen Sturm und Schnee verrammelt und wie eine Pflanze angehäufelt. Zusätzlich zur täglichen Plackerei trugen die Frauen die Sorge, ob ihre Männer gesund vom Fischfang zurückkehren und ob sie selbst die nächste Entbindung überleben würden. Alle Kinder waren mithilfe der Hebamme Marie Babineau zur Welt gebracht worden. Klar wurde über Miss B. gemunkelt - und dann ließen die Leute sich doch wieder von ihr aus dem Tee lesen oder an der Form des schwangeren Bauches voraussagen, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen sein würde.

Ein so neugieriges, kritisches Geschöpf wie Dora hält Miss B. für eine geeignete Nachfolgerin als Hebamme. Noch dazu hat Dora einfach die Gabe als Heilerin. Nur die Männer verlassen den kleinen Ort zum Fischen, die Frauen sind an Haus und Kinder gebunden. Doras Mutter, die immerhin schon einmal in der Hauptstadt Halifax war, bestärkt ihre Tochter darin, dass Dora einmal auf eigenen Füßen stehen soll. Bedeutende Veränderungen kündigen sich an, als ein Arzt eine Enbindungsklinik eröffnet. Mit einer Versicherungspolice über 25$ könne jede Frau bei ihm sicher entbinden, verkündet Dr. Thomas. Dora zweifelt an dem ehrgeizigen Plan; sie fragt sich, wer den hohen Preis überhaupt aufbringen kann wie sich Dr. Thomas die Behandlung von Notfällen wohl vorgestellt hat. Dass ein richtiger Mann rauhbeinig und rücksichtslos ist und die Frauen von Scotts Bay immer zusammenhalten, erfährt Dora kurz nach ihrer Eheschließung. Im Dorf ist sie schon bald in den Ruf einer Hexe geraten, u. a. weil ihre Vorstellung von Rücksicht auf eine Wöchnerin häufig mit den Ansprüchen von deren Ehemann kollidiert.
Fazit
Doras Tätigkeit als Dorfhebamme und Helferin in allen Notlagen schildert Ami McKay auf liebenswürdige Weise. Ein großes Plus des Romans sind die hinreißenden Frauen, die sich nur beim Sockenstricken für die Armee als "Schwestern der Gelegentlichen Strickerinnen" ungestört treffen können. Auch die authentische Schilderung des Hebammen-Wissens, das Dora ohne formale Ausbildung durch Erfahrung und aus Miss B.s Aufzeichnungen sammelt, hat mich stark gefesselt. Handlungsstränge um Doras Ehemann und der historische Hintergrund des Ersten Weltkriegs (einschließlich der Explosion im Hafen von Halifax 1917 und Doras Zusammentreffen mit der Sufragetten-Bewegung in Boston) stehen leider kaum verknüpft neben der Handlung um Dora. Was für ein verrückter Roman!
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 23. November 2010

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