Lisa See: Töchter aus Shanghai

Töchter aus Shanghai

Verlag: C. Bertelsmann [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-570-01057-0

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Die Schwestern Pearl und May aus Shanghai werden an den alten Herrn Louie verkauft, weil ihr Vater das gesamte Vermögen verspielt hat. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der älteren Schwester Pearl, die 1916 in einer stürmischen Nacht geboren wurde und der das chinesische Horoskop ein stürmisches Schicksal unter dem Sternzeichen Drache voraussagte. Vor dem historischen Hintergrund der Bombardierung Shanghais während des chinesisch-japanischen Krieges geraten die beiden 1937 per Schiff aus China auf abenteuerlichen Wegen nach Angel Island, dem Aufnahmelager für Immigranten in Los Angeles. Herr Louie gebietet in LA über ein Imperium aus Rikschafahrern, Restaurants und Geschäften; die Schwestern sind schon in China in einer sehr einfach gehaltenen Zermonie mit seinen beiden Söhnen verheiratet worden. Allmählich begreifen die beiden jungen Frauen, warum in der Familie Louie einige Frauen mit sehr viel jüngeren, kindlich wirkenden Männern verheiratet sind und warum auch das Alter ihrer Schwiegermutter so gar nicht zu dem ihres Mannes zu passen scheint. Fast jeder hier in China Town ist ein Papier-Kind, lebt also mit den Papieren einer ganz anderen Person in den USA. Es wird sich zeigen, dass die amerikanische Einwanderungsbehörde schon jahrzentelang daran arbeitet, diese Strukturen der illegalen Einwanderung zu zerschlagen. Die beiden Schwestern sind sich durch gemeinsame traumatische Erlebnisse innig verbunden. Der Neid der Älteren - die "Rote-Augen-Krankheit" - auf die Jüngere, die außerhalb des Hauses berufstätig sein kann, wird nur zurückhaltend angedeutet, die Konflikte zwischen den Schwestern dürfen nicht ausgetragen werden. Die Großfamilie Louie wird fest vom Patriarchen geführt, jeder Cent wird gespart und so bald wie möglich in Landkäufe in China investiert. Die junge Generation, auch die Männer, hat kein eigenes Geld zur Verfügung. Daraus resultiert eine totale Abhängikeit vom alten Louie - wenn er einen geschäftlichen Fehler machen würde, wäre damit die Lebensgrundlage des gesamten Clans in den USA zerstört. Frischer Wind bläst in diese eingefahrenen hierarchischen Strukturen, als in der Familie die bereits in Amerika geborene Tochter Joy heranwächst, die alles Chinesische mehr als peinlich empfindet und die offene Konfrontation mit den Eltern sucht.
Fazit
Lisa See hat mit Auf dem Goldenen Berg und Der Seidenfächer zwei erstklassig recherchierte historische Romane verfasst. Durch den identischen historischen Hintergrund ähnelt "Töchter aus Shanghai" ihrem Roman "Auf dem Goldenen Berg". Auch Sees zweiter Roman aus der Welt chinesischer Einwanderer in Los Angeles ist ausgezeichnet recherchiert; die traditionellen Familienhierarchien werden authentisch und mit viel Einfühlungsvermögen in die handelnden Personen geschildert. Vieles, was auf Leser aus dem Westen im Verhalten von Chinesen rätselhaft wirken mag, lässt sich aus der konfuzianischen Traditon des Gehorsams innerhalb eines Familien-Clans erklären. Der Roman wird harmoniebedürftige Leser deprimieren; denn er enthält einige drastische Szenen und lässt den beiden Frauen kaum Entwicklungsmöglichkeiten.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 20. November 2010

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