Mika Frankenberg: Die Käferfrau

Die Käferfrau

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24698-9

Preis: 12,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Dr. Dörte Martens, Forschungsschwerpunkt Käfergifte, arbeitet beim Pharmakonzern Biopharm. Dörte lebt allein für die Wissenschaft, ihre Beziehung zum Leben außerhalb des Labors, besonders zu anderen Menschen, wirkt dagegen ziemlich eingeschränkt. Die junge Wissenschaftlerin ist neben ihrer Käferforschung mit der Suche nach der eigenen Vergangenheit und den Umständen ihrer Geburt beschäftigt. Als auf einer Leiche eine seltene Käferart aus Madagaskar gefunden wird, gerät Dörtes Leben aus den Fugen; denn die Käfer können nur aus Dörtes Institut stammen. Der Tote und sein Käferbefall scheinen jedoch eines der geringsten Probleme für Dörte zu sein. Hat Dörtes aktueller Lover Viktor Feinde, weil er während seiner Promotion mit der Manipulation von Forschungsergebnissen konfrontiert wurde? Hat Dörte sich an ihrem Arbeitsplatz Feinde gemacht? Wer könnte ein Interesse daran haben, sie oder Viktor unauffällig mit einer lebensbedrohenden Infektion um die Ecke zu bringen? Im Ausdenken von Katastrophenszenarien stehen Dörte und Viktor einander kaum nach. In der Pharmaforschung scheint Hypochondrie zum Beruf zu gehören. Auf dem Höhepunkt der SARS-Welle kann man als Mitarbeiter eines Instituts, in dem mit Seuchenerregern gearbeitet wird, im Prinzip nur das Schlimmste erwarten.

Um die Aufmerksamkeit des Lesers konkurrieren zusätzlich mehrere miteinander verknüpfte Rätsel aus Dörtes Vergangenheit. Ob jemand Dörte oder Viktor aus dem Weg schaffen will, scheint geradezu harmlos im Vergleich zu den verstörenden Erinnerungen Dörtes an ihre Kindheit. Sie wurde offenbar von ihren Eltern vernachlässigt, dann als angeblich geistig zurückgebliebenes Kind zwischen Heim, Pflegeeltern, Adoptiveltern und der Kinderpsychiatrie hin und her geschoben. Kein Wunder, dass Dörte als Jugendliche damals ihrem eigenen, ungeplanten Kind völlig ahnungslos gegenüber stand. Dörtes Erinnerungen wechseln mit Auszügen aus Akten des Jugenamtes ab und stürzen Frankenbergs Leser in beunruhigende emotionale Wechselbäder. In keinem Moment kann man der eigenen Wahrnehmung trauen. Während Dörte ihren Viktor wie ein ungewöhnliches Glühwürmchen beobachtete, fragte ich mich verstört, ob sie eine geniale Lügnerin ist oder Schlimmeres. Die Überzeugung, Dörte sei extreme Psychopathin, Hochstaplerin oder einfach nur ein Opfer der ebenso wohlmeinenden wie unfähigen Sozialbürokratie, wechselte von Seite zu Seite.
Fazit
Die Autorin führt ihre eigenwilligen Figuren mit äußerst makabren Humor zu einem versöhnlichen Ende. Bis dahin werden die Leser mit Wechselbädern zwischen Wahn und Wirklichkeit, Wahrheit und Lüge, Realität und Aktennotizen in Atem gehalten. Mit ihrer Käferfrau Dörte ist Mika Frankenberg ein außerordentlich unterhaltsamer Roman gelungen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 07. Oktober 2010

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