Wolfgang Herrndorf: Tschick

Tschick

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-87134-710-8

Preis: 16,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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Der Arzt, der Maik im Krankenhaus untersuchte, hatte ein ziemlich blödes Gefühl. Wie kann ein Jugendlicher, der auf einer Polizeiwache während der Befragung zu einem Verkehrsunfall mit dem Kopf voran bewusstlos vom Stuhl gekippt war, am ganzen Körper blaue Flecken und Schürfwunden haben? Maik kann den Arzt beruhigen. Bei der Polizei wird nicht gefoltert; denn in Deutschland ist es meistens nicht wie im Fernsehen. Maik hat nun ein Problem: Wie war er eigentlich auf die Autobahn und dann auf diese Polizeiwache geraten? Und wo zum Kuckuck steckt Tschick?

Maik, in der Klasse Psycho genannt, wäre im Behördenjargon ein wohlstandsverwahrloster Vierzehnjähriger. Seine Mutter ist zu Beginn der Sommerferien mal wieder auf ihre "Schönheitsfarm" gefahren, um sich einer Entziehungkur zu unterziehen. Maiks Vater bricht mit einer neuen Flamme in Urlaub auf und wirft seinem Sohn schnell noch ein paar größere Geldscheine hin. Maik bleibt allein am Swimmingpool der Familie zurück. Auftritt Tschick, der kurz vor den Ferien neu in Maiks Klasse gekommen war. Tschick sieht aus wie ein Mongole und heisst Andrej Tschichatschow. Tschick säuft, wie jeder riechen kann, und seine Schulleistungen folgen mit dem Alkoholspiegel der Umlaufbahn eines Jojos. Nun steht Tschick auf der Matte, hat sich eben mal einen Lada "ausgeliehen" und kurzgeschlossen. Sein Ziel ist Tatjanas Geburtstagsfete in Werder bei Berlin. Tschick weiß, dass Maik Tatjana hemmungslos anschmachtet. Pech nur, dass Russen, Nazis und Idioten nicht zu Tatjana eingeladen sind.

Während die zwei im Lada gen Werder rumpeln, vollzieht sich der Zusammenprall zweier gegensätzlicher Kulturen. Gibt es in Ostdeutschland überhaupt Berge? Offenbar kann man nichts von dem, was man in der Schule gelernt hat, gebrauchen. An dieses Röhren-Dingsbums-Prinzip zum Benzin-Klauen kann sich Maik jedenfalls nicht erinnern. Dass es keine Wallachei gibt, weil das so etwas wie JotWeDe ist, war sich Maik ziemlich sicher. Tschick behauptet, dass man in der Wallachei sehr wohl leben kann, sein Großvater wohnt da. Mit Zwischenstopps auf Industriebrachen, dem Braunkohlentagebau und einer Müllkippe entfaltet sich ein hinreißendes Road-Movie und eine ganz besondere Beziehung zwischen den Jungen. Wie gut Tschick Maik versteht, wird dem erst ganz zum Schluss bewusst. Viel besser noch - Maik erkennt, dass die Welt nicht so schlecht ist, wie ihm stets eingetrichtert worden war.
Fazit
Herrndorfs jugendliche Figuren haben es nicht nötig, sich mit aufgesetzter Jugendsprache in den Mittelpunkt zu schieben. Sie sind vierzehn - und absolut glaubwürdig. Ein okayes Buch, würde Maik sagen. Bitte mehr davon, Wolfgang Herrndorf!
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 25. September 2010

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