Jussi Adler-Olsen: Schändung

Schändung

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-423-24787-0

Preis: 14,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Jagd auf die Jäger

Jussi Adler-Olsen schickt sich an, die Reihe der qualitativ hochwertig schreibenden Thriller Autoren aus dem Norden Europas langfristig und dauerhaft zu bereichern.

War schon sein Roman Erbarmen ein großer Erfolg und ein hervorragend gestalteter Kriminalthriller, so liegt auch mit seinem zweiten Buch Schändung eine sprachlich und stilistisch überzeugende Geschichte menschlicher Abgründe nun vor, der mit lebendig und differenziert gezeichneten Figuren sich eines alten Thema annimmt. Dass manche Menschen sich immer schon über alle anderen erhaben gefühlt haben und daher gesellschaftliche Regeln für sich nicht akzeptieren, sondern ihren jeweiligen inneren Gelüsten freien Lauf lassen im Gefühl der Unverwundbarkeit. In ganz direkter Weise ihrer Freude an der Jagd auch auf ganz anderen Ebenen nachgehen, als es diese im gewohnten Sprachgebrauch des Wortes eigentlich vermuten lassen.

Adler-Olsens Protagonisten nähern sich diesem Fall auf ihre je eigene persönliche Weise, von je ihrem Charakter geprägt und geführt. Charaktere, die der Autor überzeugend gestaltet, mit erheblicher Tiefe versieht und kongenial zusammenstellt.

Carl Morck, Leiter der Sonderkommission, grüblerisch, in sich zerrissen, einer, der immer noch nach einem tragfähigen Grund für das Leben in sich selbst sucht, aber mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, einer starken Abneigung gegen autoritäres Verhalten und mit einer seltenen Hartnäckigkeit bei der Verfolgung seiner Zeile ausgestattet. Die perfekte Besetzung der Leitung der Sonderkommission für lange ungeklärte Fälle.
Unterstützt wird Morck von seinem Assistenten Hafez El-Assad, Sinnbild orientalisch tiefer Ruhe und allgegenwärtiger Freundlichkeit, dem allerdings dienstliche Vorschriften und Regeln, wenn es darauf ankommt, höchstens als Buchstaben auf Papier erscheinen, nicht als zu befolgende Verhaltensaufforderungen. Und in dessen Inneren durchaus noch andere Seiten zu finden wären. Neben seiner Hartnäckigkeit der Lösung eines Falles gegenüber.
Neu hinzu tritt als Assistentin Rose Knudsen, die durchsetzungsfähig und stringent zunächst für gereizte Nerven bei Calr Morck sorgt, deren wichtige Hilfe aber im Laufe der Geschichte von Seite zu Seite deutlicher wird.

Assad ist es, der den alten Fall, um den es geht, beharrlich in das Bewusstsein seines Vorgesetzten rückt. 20 Jahre ist es her, dass ein Geschwisterpaar bestialisch gequält und ermordet wurde. Eine Clique von Freunden soll damals beteiligt gewesen sein, vielerlei Unklarheiten stehen im Raum. Unklarheiten, die unklar bleiben sollen, geht es nach dem alten Freundeskreis, dessen Mitglieder mittlerweise an höchsten Stellen der Gesellschaft sitzen und alles dafür in Bewegung setzten, Carl Morck seine Recherchen einfach untersagen zu lassen. Ohne zu ahnen, dass man Morck besser nicht mit unbegründeten Vorschriften kommt.

Hinzu sieht sich die Clique einem weiteren Feind aus der Vergangenheit gegenüber. Kimmie Lassen war einmal ein Teil des Kreises, bevor ihre vermeintlichen Freunde ihr übel mitgespielt haben. Sie macht aus Jägern Gejagte. Oder wer sonst stellt die aktuelle Bedrohung für diese Jäger des Lebens dar?
Jagd nämlich ist das Lieblingshobby der einflussreichen Freunde, Treibjagden auf privatem Besitz mit ganz besonderem Wild.

Schritt für Schritt und Seite für Seite kommt Carl Morck und seine Sonderkommission dieser Welt aus Überheblichkeit, Grausamkeit und einer arroganten Ignoranz allen sozialen Regeln gegenüber näher bis zu fesselnden und blutigen Ende des Buches.
Fazit
Letztlich ein Buch, dass man in einem Rutsch durchliest und sich kaum lösen kann. Nicht die überraschenden Wendung, wie in vielen anderen Thrillern, ist es, die den Leser in Atem hält, sondern die akribische Darlegung der Verhältnisse, der unglaublichen Ignoranz und Überheblichkeit der Täter, die für eine ganze Lebenshaltung weit über das Buch hinaus steht. Adler-Olsen selbst zieht mit feinen hintergründigen Hinweisen die Parallele zur modernen Gier-Gesellschaft und denen, die ohne Rücksicht auf andere ganz oben schwimmen. Ein oben, was es eben nur geben kann, wenn man moralische Regeln am besten nie gelernt hat.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 24. September 2010

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