Antje Wagner: Schattengesicht

Schattengesicht

Verlag: Querverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-89656-180-0

Preis: 12,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 26. September 2016]
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Milana und Polly sind untergetaucht und leben in einem leerstehenden Haus. Die beiden haben keine Heizung, keinen Strom. Wenn sie das Haus verlassen, durchqueren sie ein postapokalyptisches Brachland mitten in einer Großstadt. Milana verdient den Lebensunterhalt für Polly und sich an einem Arbeitsplatz, an dem niemand dich fragt, wer du bist und woher du kommst. Polly wird auf einem Fahndungplakat gesucht. Sie soll den gemeinsamen Unterschlupf tagsüber möglichst nicht verlassen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Vor dieser Stadt gab es eine andere Stadt und davor gab es das Haus von Tove, das Polly und Milana für seinen Besitzer hüteten. Immer wenn Milana glaubt, dass jemand Polly erkennen könnte, brechen die beiden sofort in die nächste Stadt auf. "Und wenn wenn man alle Kräfte dafür verbraucht, Menschen nicht auf sich aufmerksam zu machen, durch ihre Wahrnehmung hindurchzugleiten wie Luft durch ein Gazefenster, beginnt man eines Tages, an der eigenen Existenz zu zweifeln." Dass nach Polly gefahndet wird, ist nur eines von Milanas Problemen. Irgendetwas Gravierendes scheint mit Polly nicht zu stimmen; denn andere Menschen starren sie an, reagieren völlig verstört auf sie. Spätestens an diesem Punkt war ich der Geschichte verfallen. Möglichst noch in dieser Minute wollte ich wissen, was mit Polly los ist. Doch um Antje Wagners Sprachbilder in allen Feinheiten auszukosten und kein Detail zu verpassen, musste ich besonders achtsam lesen. Eines dieser außergewöhnlichen Bilder zeigt Milana, wie sie sich Gedanken über das einsame, rostende, bleischwere Leben eines alten Schiffsankers macht.

Kurz, lang, lang und wieder zurück an den Anfang der Geschichte. In drei Schritten führt Antje Wagner ihre Leser in Milanas Verangenheit. Über ein Jahr sind die beiden Frauen nun auf der Flucht, vor fünf Jahren hatten sie auf Toves Haus aufgepasst und vor einem Jahrzehnt war Milana noch ein unbezähmbares Kind, das erst lernen musste, sich zu wehren. Liegt in Milanas Kindheit der Schlüssel zu den rätselhaften Vorgängen der Gegenwart?
Fazit
Eine Geschichte ist gut, wenn ihr Autor nichts mehr weglassen kann. Schattengesicht ist eine auf das Notwendige reduzierte, sprachlich herausragende Geschichte. Das Buch ist kein Kriminalroman, der seine Leser einem Ermittler bei der Arbeit über die Schulter sehen lässt. Schon sehr zeitig deuten Hinweise auf eine Lösung hin. Dennoch hatte ich am Schluß das Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben und das Buch noch einmal ganz bedächtig von vorn lesen zu müssen. Eine Geschichte ist außergewöhnlich, wenn sie noch lange nachklingt, nachdem der Leser das Buch geschlossen hat - wie die von Milana und Polly.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 10. September 2010

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