Christoph Scholder: Oktoberfest

Oktoberfest

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-426-19888-9

Preis: 0,85 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Countdown der Rache

General Oleg Blochin will nur eines: Rache. Eine teure Rache.
10 Milliarden Euro stellt er als Forderung später im Buch in den Raum.
Gemeinsam mit seiner Einheit ergebener und bestens ausgebildeter und ausgerüsteter russischer Elitesoldaten folgt er zu diesem Zwecke einem logistisch bi ins letzte ausgeklügeltem Plan, der ihm 70.000 Geiseln auf einen Schlag verschafft.

Das Oktoberfest in München hat begonnen, die Menschen strömen auf die Wies'n, Spaß und Freude sollen für diesen Besuch im Mittelpunkt stehen, zumindest aber gute Geschäft wie für Werner Vogel, der mit seinem Partner einen großen Lieferauftrag für das Fest an Land gezogen hat.
Schon bald sind die Festzelte bis auf den letzten Platz gefüllt. Festzelte, die ein schreckliches Geheimnis bergen. Mit höchster militärischer Präzision haben Blochin und seine Männer alle Festzelte mit Gasleitungen versehen. Als das Fest gerade wirklich in Schwung kommt, statuiert Blochin umgehend ein Exempel und nimmt die gesamte restliche Besucherschar der Wies'n umgehend als Geiseln.

Der zusammenkommende und miteinander sich an Kompetenzen zunächst reibende Krisenstab sucht händeringend nach Lösungen, steht sich teilweise selber im Wege, hat kaum eine Antwort auf die bis ins kleinste abgestimmte und abgesicherte Vorgehensweise der Elite Truppe. Eine Vorgehensweise, die scheinbar jede Überlegung von Politik und Polizei bereits vorweggenommen hat und zunächst alle Versuche, der Lage Herr zu werden, ins Leere laufen lässt. Bis hin zur Erschießung eines leibhaftigen Ministers auf offener Straße vor dem Festgelände durch einen der russischen Scharfschützen wird deutlich, wie hilflos die selbst ernannten Krisenmanager vor der Situation stehen.
Nur der eilends herbeigeschaffte Kapitän zur See Wolfgang Härter, verdeckter Operateur beim militärischen Abschirmdienst, eingeschleust in die Sonderkommission unter dem allerweltsnamen Müller, beginnt, Schritt für Schritt seine Gegenstrategie zu entwerfen und umzusetzen, nicht immer mit voller Unterstützung gewichtiger Persönlichkeiten.

Neben diesen Protagonistenpolen Blochin und Härter, die in bester Manier wirken wie der Schurke und der ihn bekämpfende James Bond aus den gleichnamigen Büchern und Filmen, versteht es Christoph Scholder auf den gut 600 Seiten seines Erstlingswerkes Nebenpersonen, Emotionen und Abläufe hervorragend zu beschreiben und miteinander zu verknüpfen. Einerseits wendet er sich, neben einer gründlichen Charakterisierung Blochins und dessen Beweggründen, einer Reihe von ausgewählten Personen auf der Wies'n selbst und des Krisenstabes zu, deren Schicksal nun durch ihre Festsetzung als Geiseln und ihre Involvierung in das Terrorgeschehen eine besondere Wendung nimmt, innerhalb derer sie Seiten ihrer Persönlichkeit zeigen, die im Vorfeld kaum vorstellbar gewesen wären.
Als genauer Beobachter gelingt es Scholder leicht, mit präzisen Beschreibungen und kurzen Sätzen die handelnden Personen fassbar in den Raum zu stellen.

Mit gleicher Präzision erläutert er im Buch überzeugend detailliert und erschreckend den technischen Ablauf der Geiselnahme und lässt kaum Zweifel offen, dass ein solches Unternehmen durchaus möglich wäre, mit der entsprechenden Vorplanung und Ausrüstung. Die vordergründige Lust am Amusement und damit einhergehend eine durchaus vorhandene Laxheit im Blick auf die Sicherheit korrespondieren in bester Weise, um das Geschehen real erscheinen zu lassen. Durch seine Kunst der Andeutungen und die lange Zeit eher aussichtlos erscheinende Lage hält Scholder zudem die Spannung fast spielerisch beständig aufrecht und im Raum.

Sprachlich weist das Buch durch die kurzen, prägnanten Sätze und die Konzentration auf das Wesentliche des Geschehens eine hohe Dichte und Geschwindigkeit auf. Abschweifungen, Erläuterungen, Hintergründe im Blick auf die beteiligten Personen dienen fast ausschließlich dem besseren Verständnis und der weiteren Beförderung der Geschichte.

Rasant erzählt, akribisch recherchiert, erschreckend in der realitätsnah dargestellten Hilflosigkeit des Krisenmanagements, mit hineinnehmend in die Atmosphäre von Angst und Bedrohung auf dem abgeriegelten Gelände des Oktoberfestes hält man hier einen überzeugenden Thriller in der Hand, der durchkomponiert und ausgereift kaum vermuten lässt, dass er das erste Buch Christoph Scholders ist.
Die zum Teil ohne größere Schattierungen gezeichneten Figuren nimmt man dabei im Gesamten des rasanten Ablaufes ohne großes Murren in Kauf.
Fazit
Schnell, präzise, realitätsnah gezeichnet und mit einer Vielzahl von hintergründigen Hinweisen ausgestattet ist "Oktoberfest" ein hervorragender Thriller mit einem beängstigend realitätsnah erscheinenden Szenario, in dem die handelnden Figuren mit großer Finesse einem überraschenden und überzeugendem Finale entgegengehen. Empfehlenswert!
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 01. September 2010

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