Margret Steenfatt: Auf immer und ewig

Auf immer und ewig

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-499-21530-8

Preis: 6,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Nike, Nathan und Paul sind unzertrennlich. Die Dreierbande war in der Hamburger Rappstrasse berüchtigt für ihre Streiche; nach vollbrachter Tat prangte häufig der Abdruck einer schwarzen Hand an der nächsten Hauswand. Dass Nike als Mädchen im Jahr 1938 selbststverständlich einen Rock trägt, kann sie nicht davon abhalten, sich wie ein Junge zu benehmen. Als Oberschülerin sollte Nike sich am Nachmittag nicht mehr mit Jungs auf der Straße rumtreiben, kritisiert Nikes Mutter. Die Sorgen, die Nikes Mutter über ihre burschikose Tochter ausspricht, sind nur ein Bruchteil dessen, was Eltern in den 30er Jahren fürchteten. Es wird Zeit, Nike damit zu konfrontieren, dass die Dreierbande mit ihren Streichen nicht nur sich selbst, sondern auch die Familien in Gefahr bringt. Längst bestimmt die Kontrolle durch Blockwarte und die Zwangsmitgliedschaft für Jugendliche in Hitlerjugend und BDM den Alltag. Pauls Eintritt in die Hitlerjugend stellt die Freundschaft der drei Hamburger auf eine ernste Probe. Wie viele damals spielt Paul die Sache herunter: Ich gehe doch da nur Fußball spielen, verkündet er. Nikes Eltern betreiben ein Antiquariat, sie sind persönlich und geschäftlich von den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten und dem Verbot "entarteter" Künstler und Schriftsteller betroffen. Nike muss selbst erleben, dass in Deutschland inzwischen zweierlei Recht herrscht, eins für die Bürger und eins für die Mitglieder der NSDAP oder der SA. Eltern können ihre Kinder nicht mehr beschützen, sie können sie nur warnen und hoffen, dass kein Wort aus der Familie nach draußen dringt. Jedes Wort, das Kinder in der damaligen Zeit zu Hause aufschnappten, konnte die gesamte Familie in Gefahr bringen. Nikes und Nathans Eltern sprechen mit ihren Kindern für die damaligen Verhälntisse außergewöhnlich offen und kritisch über den Nationalsozialismus und ihre Zukunftspläne.

Die Emigration des Hausarztes und das Verschwinden jüdischer Lehrerinnen und Schülerinnen aus Nikes Schule sprechen eine deutliche Sprache. Nike muss einsehen, dass ihre beginnende Liebe zu Nathan, der Jude ist, nun verboten ist. Auch wenn die Erwachsenen inzwischen aus Angst auf Distanz zu Nathans Familie gehen, Nike will die Beziehung zu Nathan um jeden Preis aufrechterhalten. Während Nathans Familie von der Deportation in ein Konzentrationslager bedroht ist, sieht sich Nike mit ihrer verbotenen Liebe zwischen den Ansprüchen ihrer Eltern (du bist dafür viel zu jung) und dem Druck, endlich in den BDM einzutreten, in einer aussichtslosen Situation.

Im Glossar finden sich weitere Informationen zum Schicksal Hamburger Juden (u. a. zur der Talmudschule am Grindelhof und der Israelitischen Töchter-Schule an der Karolinenstrasse), die Recherche der Autorin lässt sich im Literaturverzeichnis nachvollziehen.
Fazit
Für Kinderstreiche war die Zeit des Nationalsozialismus ein gefährliches Pflaster. Damals zerstörte die Angst, Kinder könnten etwas ausplaudern, das sie zu Hause zufällig gehört hatten, die Beziehungen in vielen Familien. Margret Steenfatt hat mit Nike eine für ihre Zeit sehr burschikose Heldin geschaffen. Am Beispiel der Freundschaft zwischen einem Juden, einem Mitglied der Hitlerjugend und einem Mädchen aus bürgerlichem Haus, die durch die politischen Verhältnisse unmöglich erscheint, gibt uns die Autorin Einblick in das Leben Jugendlicher in Hamburg in den Jahren 1938 bis 1941. Empfohlen für Leser ab 12 Jahren.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 01. September 2010

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