Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

Wasser für die Elefanten

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-499-24845-0

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Der alte MacGuinty hatte also mal beim Zirkus gearbeitet und dort Wasser für die Elefanten geholt. Jakob Jankovsky war empört. Wie konnte MacGuinty es wagen, sich hier im Altenheim mit dem ältesten Zirkus-Latein der Welt so in den Mittelpunkt zu stellen! Zum Wasserholen für die Elefanten konnte man doch nur einen absoluten Anfänger schicken, der in seinem Leben noch keinen Pferdeapfel aus der Manege gefegt hatte. Jakob ist über 90, so genau kommt es auf die paar Jahre in seinem Alter ja nicht mehr an. Nachdem Jakob sich die Hüfte gebrochen hatte, braucht der alte Herr einen Gehwagen und lebt - auf Wunsch seiner Kinder, wie er betont - im Altenheim. Ständig auf Hilfe angewiesen zu sein empfindet Jakob als entwürdigende Situation. Man wurde hier wie ein kleines Kind behandelt und bis auf das dämliche pürierte Essen gab es leider kaum etwas, über das man sich mit den Pflegerinnen herumstreiten konnte.

Während in Sichtweite des Heims gerade ein Zirkus seine Zelte aufbaute, erwarten die meisten Heimbewohner gespannt die erste Vorstellung. Alle erinnern sich daran, wie der Zirkus ihrer Kindheit in ihre Stadt kam. In einer Rückblende treffen wir den jungen Jakob, der in einer außergewöhnlichen Situation Schluss mit seinem Leben als angehender Tierarzt macht und auf einen Zug aufspringt. Dieser Zug transportiert Benzinis Show-Zirkus mit seinen Tieren, Artisten, Arbeitern, den menschlichen Ausstellungstücken für die Menagerie und der gesamten Ausstattung an den Ort der nächsten Vorstellung. Jakob stellt sich dem Zirkusdirektor mit der mutigen Behauptung vor, er könne "so ziemlich alles". Wie wichtig er selbst für das wirtschaftliche Übeleben des Zirkus Benzini sein wird, kann Jakob zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Jakobs Alltag ist wenig glamourös. Wenn gerade kein Tier zu verarzten ist, arbeitet der junge Mann für die fliegende Vorhut, die den Zirkus aufbaut. Beim Abladen und Ausmisten, dem ewiges Einerlei aus schwerer körperlicher Arbeit, muss Jakob sich die Anerkennung der Gadjos, des fahrenden Volks der Zirkusarbeiter, erst erkämpfen. Jakob lässt dabei keine Situation aus, die seinen Job beim Zirkus in Gefahr bringt, er verliebt sich in die falsche Frau, widerspricht dem Direktor und stürzt sich schließlich Hals über Kopf in eine neues Leben. Das neue Leben hat Jakob auch der Elefantendame Emily zu verdanken. Auf leichtfertige Art gerät Benzinis an den Elefanten, ohne zu wissen, wer ihn eigentlich in der Manege auftreten lassen soll. Ein Elefant, der den ganzen Tag frisst und säuft, aber kein Elefantenkutscher, der etwas von diesen sensiblen Tieren versteht - Jakob fragt sich, wie die Sache mit Emily ausgehen soll; denn Elefanten vergessen nicht.

Jakob hat eine erfrischend respektlose Art von sich und anderen zu erzählen. Wer den Satz prägte, dass Kinder und Alte die Wahrheit sagen, muss dabei jemanden wie Jakob im Sinn gehabt haben. Der Kontrast zwischen dem nörgelnden alten Erzähler und dem tatkräftigen jungen Mann, der Jakob einmal war, macht den großen Reiz dieses Zirkus-Romans aus. Die beiden Handlungsstränge, zwischen denen über 60 Jahre liegen, sind überaus spannend miteinander verknüpft. Die Frage, wie der alte Jakob zu seiner Familie kam, mit der er nun so unzufrieden ist, und der letzte Kampf des alten Mannes treiben den Leser vorwärts. "Das Alter ist ein grausamer Dieb, das einen von den Beinen holt.", stellt Jakob nüchtern fest. Überaus treffend und anteilnehmend beschreibt Sarah Gruen die Last des Alterns, Jakobs Vergesslichkeit, die mühevolle Art, in der er sich vorwärtsbewegt. Den wirtschaftliche Hintergrund der damaligen Zeit hat die Autorin sorgfältig recherchiert.
Fazit
"Wasser für die Elefanten" bietet keine unkritische Zirkus-Romantik. Wer die Schilderung ertragen kann, wie im Kampf gegen die drohende Pleite des Zirkus Menschen und Tiere gequält und verheizt wurden, kann in Gruens Roman die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts aus ungewöhnlicher Perspektive verfolgen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 11. Juli 2010

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