Jeffery Deaver: Allwissend

Allwissend

Verlag: Blanvalet Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-7645-0336-9

Preis: 0,67 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Reale Virtualität

Ein für ihn neues Themenfeld legt Jeffery Deaver als Grundlage seines neuen Buches: Die virtuelle Welt der Blogs und Online-Spiele und das Verwischend er Grenzlinie zwischen virtueller Welt und Realität.
Gut gewählt in diesem Zusammenhang von ihm, dass seine Protagonisten Kathryn Dance in Bezug auf die Weiten des Internet eher unbedarft ist. So gelingt es Deaver, vermittels des sich Hineinarbeitens der CBI Agenten in das Thema auch dem ein oder anderen ebenfalls eher unbedarften Leser diese millionenfach genutzt "Nebenwelt" und deren Regeln nahe zu bringen. Selten zumindest wurde die Sequenz eines Online Spieles in solch dichter und packender Form geschildert, so dass auch dem unkundigen Leser sich die Faszination dieser Spielwelten auf zig Millionen von, teilweise durchaus süchtig zu nennenden, Spielern erschließt. Ebenso werden die Augen über die rasante Verbreitung von Beiträgen, Meldungen und Nachrichten über das Internet geöffnet, in vielen Fällen eben ohne auch nur die geringste Prüfung auf den Wahrheitsgehalt all dieser Meldungen und Mitteilungen.

Aus dem Mobbing eines Blogs heraus scheint eine Anzahl von Anschlägen auf Blogger entsprungen zu sein, die einen jungen Mann, Travis, von allen Seiten her wegen eines Verkehrsunfalls mit tödlichen Folgen bedrängen. Nach und nach erscheinen Kreuze an Wegrändern, wie nach Verkehrsunfällen oft üblich, allerdings mit der Besonderheit, dass auf zukünftige Daten verwiesen wird.
Mehrere Personen, die im Blog gegen Travis vom Leder gezogen haben, werden zum entsprechenden Datum Opfer von Anschlägen, nur mit Glück entkommen die Betroffenen den tödlich geplanten Fallen.
Schritt für Schritt setzt sich Kathryn Dance mit Ihren Kollegen, unterstützt vom (natürlich hoch attraktiven) Informatik Professor Jon Boling, auf die Fährt von Travis. Zudem holt ein alter Fall sie ein, in dessen Verlauf ihre Mutter unter Mordverdacht gerät.

Wo lässt sich Travis, begeisterter Online Gamer und Internet Freak, finden? In den Weiten seines bevorzugten Spieles? Welche Rolle spielt Jim Chilton, Betrieber des Blogs, um den sich im Buch alles dreht und selbsternannter Aufklärer der Nation? Wie verwaschen sind bereits die Grenzen zwischen virtuellen Welten und Realität? Fragen, denen Kathryn Dance in genreüblichen kurzen Kapiteln nachgeht und bis zum völlig überraschenden Ende lange Zeit selber im Dunkeln tappt.

Jeffery Deaver schreibt gewohnt flüssig und gut lesbar, ein wenig verwirren die verschiedenen Stränge der Nebenhandlungen. Ebenso ist der, fast schon üblich natürlich vorhandene, Liebesreigen diesmal nicht von besonderem Interesse im Buch, auf diesen Teil hätte er in meinen Augen ohne weiteres einmal ganz verzichten können, ohne der gut erzählten Geschichte Abbruch zu tun.
Dies alles aber sind eher Nebensächlichkeiten und führen nicht zu einem Abbruch der Spannung im Blick auf ein solch hochaktuelles Thema.

Mehrfach bereits konnte in den Nachrichten verfolgt werden, dass die weit verbreitete Neigung zur anonymen Hetzt im Internet teils gravierende Folgen bis zum Suizid auf Menschen hatte. Auch diese Frage der Legitimität freier Meinungsäußerung, eine der Hauptstreitfragen zwischen den beteiligten Personen im Buch, ist eine grundsätzliche und wesentliche Frage, die Jeffery Deaver aufgreift und in deren schwieriger Beantwortung er den Leser mit hineinnimmt.
Fazit
Ein aktuelles Thema, garniert mit einer logisch aufgebauten, spannenden Geschichte, die bis zum Ende den Leser im Unklaren über den oder die eigentlichen Täter lässt. Auf dem Weg der Klärung des Falles aber werden einige aktuelle und wichtige Themenbereiche und Fragen aufgeworfen im Blick auf die Grenzen zwischen virtuellem und echtem Leben aufgeworfen. Themenbereiche, in denen es Deaver versteht, auf beste Weise unterhaltsam wie nebenbei grundlegend zu informieren.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. Juli 2010

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