Robin Lane Fox: Die klassische Welt. Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian

Die klassische Welt. Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-608-94467-9

Preis: 39,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Populärwissenschaftliche Werke bergen immer die Gefahr in sich, dass sie zugunsten der Unterhaltung des Lesers die Faktentreue vernachlässigen. Umgekehrt sind Handbücher für den Laien, anders als für den Wissenschaftler, selten eine interessante Lektüre, gerade wenn sie Vorwissen voraussetzen. Selten hingegen sind die Werke, in denen sowohl wissenschaftliche Genauigkeit und gute Lesbarkeit vereint sind. Das vorliegende Werk gehört eindeutig in diese Kategorie.

Robin Lane Fox ist einer der bekanntesten britischen Althistoriker. In Deutschland dürfte seine große (aber auch nicht unumstrittene) Alexanderbiographie am bekanntesten sein. Doch verfasste er unter anderem auch eine sehr lesenswerte Darstellung der paganen Kulte und dem parallel verlaufenden Aufstieg des Christentums ("Pagans and Christians", 1986).

In dem vorliegenden Werk widmet er sich der klassischen griechisch-römischen Welt. Es handelt sich dabei keineswegs um eine reine politische Geschichte, vielmehr schildert Lane Fox auch kulturgeschichtliche und wirtschaftliche Entwicklungen. "Klassisch" ist der Einstieg mit der Zeit Homers, d. h. dem 8. Jh. v. Chr. Chronologisch wird die daran anschließende Epoche über das Zeitalter der Perserkriege und dem Aufstieg und Fall Athens, die Zeit Philipps II. und Alexanders des Großen, des Hellenismus, der Aufstieg Roms, die Epoche der römischen Bürgerkriege und der Errichtung des römischen Kaisertums unter Augustus geschildert. Die Kaiserzeit wird nicht bis zum Schluss (im Westen 476, während das Ostreich endgültig erst 1453 unterging) dargestellt. Vielmehr ist der Abschluss des Darstellungszeitraums von Lane Fox recht eigenwillig mit der Zeit Hadrians gewählt, also der ersten Hälfte des 2. Jh. n. Chr.

Lane Fox begründet dies damit, dass seiner Meinung nach dies der Abschluss der klassischen Epoche im engeren Sinne (etwa kulturgeschichtlich) sei, wobei Hadrian als "virtueller Reisegefährte" des Lesers dient. Zweifellos ist dies durchaus anfechtbar, denn die klassischen Grundinhalte (wenn man so will) wirkten freilich noch sehr viel länger nach. Und es ist zumindest bedauerlich, dass Lane Fox damit die Chance vergeben hat, auch die Entwicklung bis in die beginnende Spätantike zu skizzieren. Die Darstellung ist ansonsten kaum kritikwürdig, im Gegenteil: Recht originell betrachtet Lane Fox die Geschichte dieser Zeit unter den drei Leitgedanken Gerechtigkeit, Freiheit und Luxus, wobei sich Lane Fox der Problematik dieser Termini bewusst ist. Dennoch ist es spannend, wie der Autor daraus eine Melange erschaffen hat, die nicht nur die Grundlinien der geschichtlichen Entwicklung deutlich werden lässt, sondern gleichzeitig auch die kulturellen und sozialen Strömungen sehr gekonnt einbezieht. Dabei geht es Lane Fox nie darum, ein reines Faktengerüst zu vermitteln, sondern vor allem dem Leser die Kerninhalte dieser Zeit nahe zu bringen. Und dies ist dem Autor in beeindruckender Weise gelungen. Gerade wenn man sich die immer weiter voranschreitende Spezialisierung der Geschichtswissenschaft vor Augen hält, ist es eine mehr als beachtliche Leistung eines einzelnen Autors, diese Stoffmenge nicht nur zu verarbeiten, sondern dies in einer sehr lesbaren Form zu vermitteln - und sogar noch bisweilen wissenschaftliche Positionen deutlich zu machen.

Die deutsche Ausgabe (das englische Original erschien bereits 2005) ist gut übersetzt und schön präsentiert, wofür man den Verlag Klett-Cotta noch einmal ausdrücklich loben muss, da dies leider keine Selbstverständlichkeit ist. Einzig ärgerlich ist, dass in der (gut kommentierten und daher gut zugänglichen) Bibliographie doch bisweilen auffällige Lücken vorhanden sind. So erscheint es wenigstens fraglich, etwa Kagans opus magnum zum Peloponnesischen Krieg nicht zu nennen oder die Arbeiten Christian Meiers zum politischen Denken im klassischen Athen. Aber das sind Randnotizen, die dem Leser kaum auffallen dürften und mag dem Zwang der Auswahl geschuldet sein.
Fazit
"Die klassische Welt" von Lane Fox darf wohl zu Recht als ein großer Wurf bezeichnet werden. Das Werk ist sowohl dem Laien als auch dem geneigten Fachmann zur Lektüre nur zu empfehlen. Es ist eine anregende und sehr gut lesbare Lektüre, die freilich in der Art der Deutung bisweilen angreifbar ist. Dennoch bietet es die derzeit vielleicht beste Einführung in eine große und bedeutende Epoche der Weltgeschichte, die auch für unsere heutige Zeit nicht ohne Bedeutung ist. Dem Buch sind viele Leser und noch viele Auflagen zu wünschen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 05. Juli 2010

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