Sabine Ebert: Blut und Silber

Blut und Silber

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-426-66288-5

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Blut und Silber beschreibt eine tatsächlich stattfindende Geschichte und ist somit eher ein Historienroman, fast ein Sachbuch, mit einer belletristischen Handlung. In den Vordergrund wird Änne geschoben mit dem Hinweis auf die Hebammentrilogie, von Sabine Ebert. Selbst Änne bleibt eine eher unbedeutende Randfigur im Krieg um Freiberg. König Adolf von Nassau, eine der vielen verbürgten historischen Persönlichkeiten in diesem Buch, setzt eine Armee in Bewegung, weil er die Stadt Freiberg erobern will. Es geht ihm dabei weniger um die Stadt selbst, sondern um das Silber, welches die Bürger fördern und die Stadt zu einem recht reichen Ort machten. Die Freiberger sind von diesem Angriff nicht erbaut und verteidigen ihre Stadt, und als das nicht mehr geht nur noch ihre Burg Freiheitsstein gegen den Angreifer. Unter den Verteidigern findet sich auch Änne. Die Nachfahrin von Marthe und dem Stadtgründer Christian (aus Christiansdorf wurde Freiberg) lebt bei dem gewalttätigen Apotheker und Ratsherrn Jenzin. Dieser ist ihr Vormund. Während der Kämpfe um die Stadt hilft Änne mit ihren Kenntnissen in der Wundversorgung und kann so viele Menschen retten. Nicht das das wirklich etwas gebracht hat, denn der Roman ist ein brutales Schlachtengemälde, in dem mehr Menschen getötet als geboren werden. Dabei wird viel gekämpft und es fliesst viel Blut in diesem Buch. Abgehackte Gliedmassen, Massenvergewaltigung, körperliche Schmerzen durch Gewalteinwirkung, vollkommen schonungslos und ohne Warnung vor den beschriebenen Greueltaten geht es im Buch Blut und Silber zu. Ein besonderes Augenmerk legt Sabine Ebert währenddessen auf den hoffnungslosen Überlebenskampf der einfachen Leute in und um Freiberg. Ihr fesselnder Schreibstil bezieht sich dabei vor allem auf die Beschreibungen von Begebenheiten, weniger von den Beschreibungen der Personen. Die Personen sind sehr einfach beschrieben, ihnen fehlt das Leben. Und sie sind fast Auswechselbar. Manchmal weiss man gar nicht, um wen es sich wirklich handelt, so ähnlich sind sie sich. Wären nicht die unterschiedlichen Beschreibungen von Änne und Sybilla oder Friedrich von Wettin und Ulrich von Maltitz, so könnte man meinen, es seien ein und die selbe Person. Die Zeit ist grausam und brutal. Menschenleben zählen nichts, wenn es den Mächtigen der Welt um Geld und noch mehr Macht geht. Es geht vor allem um gesellschaftliche Ränkespiele, adlige Fehden und Gebietskriege. Jeder Bewohner im Land muss sich entscheiden auf wessen Seite er steht. Denn nicht nur Freiberg wird in Mitleidenschaft gezogen. Verzweifelt versucht Friedrich von Wettin das Unmögliche, das Land zu einen und den Frieden wieder her zu stellen. Grausamkeiten sind an der Tagesordnung. Beginnend beim gewalttätigen Apotheker Jenzin bis hin zu den erbarmungslosen Taten der Soldateska. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Ulrich von Maltitz, Kommandant der Burg Freiheitsstein und Ritter des entmachteten Markgrafen Friedrich von Wettin, von Friedrich von Wettin und Markus, Hauptmann der Truppen erzählt. Letzterer ist es, der sich in Änne verliebt. Markus muss nach einer entscheidenden Schlacht mit den königlichen Truppen fliehen. Weil Änne nicht zu dem brutalen Apotheker zurück will, heiratet sie schliesslich einen anderen Mann. Aber Markus kommt zu seiner Liebsten zurück. Eine zweite Liebesgeschichte spinnt sich um die Gauklerin Sybilla an. Gleichzeitig bleiben diese jedoch eher Randfiguren mit einem gewissen Überlebenspotential, während andere Handlungsfiguren im Akkord dahin gerafft werden. Änne ist ein verstörtes und eingeschüchtertes Geschöpf, die wenig sagt und ziemlich blass in Erscheinung tritt, wenn sie mal Erwähnung findet.
Man wundert sich, dass die Buchseiten bei so viel Blut noch weiss bleiben. Sabine Ebert schont den Leser nicht, beschreibt schonungslos und ausgiebig den Krieg, Überfälle und Folterungen, und der daraus entstehenden Hungersnot und Krankheiten.
Fazit
Sabine Ebert erzählt ein Stück deutscher Geschichte, aber warum muss sie das so blutig schildern. Blut, Schweiss und Tränen fliessen reichlich. Das Leben damals war bekanntermassen nicht leicht, aber muss man jede Grausamkeit ausführlich schildern? Die Beschreibungen von Kämpfen und der damals zeitgenössischen politischen Lage, sowie den politischen Ränkespielen ziehen die Handlung unnötig in die Länge. In Blut und Silber kommen die Leser auf Ihre Kosten, die sich vor allem für die Geschichte der Stadt Freiberg und des Umlandes interessieren. Die geschichtlichen Ereignisse und Zusammenhänge sind in allen Einzelheiten geprüft und beschrieben. Daher komme ich, wie bereits oben erwähnt, zu dem Schluss, fast ein Sach- oder Geschichtsbuch mit Handlung in den Händen zu halten.
Gelungen ist in jedem Fall das Buch an sich. Das Titelbild ist stimmungsvoll und ein wenig düster, da hilft die Kerze der Dame leider nicht. Gold- und Brauntöne heben sich jedoch nicht von anderen ähnlichen Romanen ab. Passend zum Titel wäre es gewesen, das Gold durch Silber zu ersetzen. Die historische Karte Freibergs als Vorsatz zeigt zumindest an, wo die Geschichte spielt und stimmt zusätzlich auf das Thema ein. Auch das Personenregister ist hilfreich, bei diesem vielseitigen Werk. Nur eines kann ich nicht sagen. Ist es ein Roman mit geschichtlichen Hintergrund oder ein Geschichtsbuch mit Rahmenhandlung.
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Vorgeschlagen von erik schreiber [Profil]
veröffentlicht am 28. Juni 2010

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