Jan Simoen: Mamas Liebling

Mamas Liebling

Verlag: Ravensburger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-473-35320-0

Preis: 2,79 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Nathans Blick folgt dem Sekundenzeiger der Wanduhr. Langsam müsste sich auf der Polizeiwache doch mal jemand um ihn kümmern. Nathan wird allmählich ungehalten. Er und seine Freunde Vince und Laurens hatten offenbar noch Zeit genug, sich vorher darüber abzusprechen, was sie der Polizei erzählen würden. Der 16-Jährige ist auffallend gut über seine Rechte informiert. Weil er noch nicht volljährig ist, muss die Polizei seine Eltern benachrichtigen. Warum ist seine Mutter noch immer nicht da, um ihn abzuholen? Mama sorgt sich um das Ozonloch, um jedes Problem dieser Welt, nur wenn ihr einziger Sohn sie braucht, ist sie nicht da. Nathans Mutter erzieht ihren Sohn allein und hat sich bis jetzt noch jedes Mal von ihm um den Finger wickeln lassen. Nathan vertraut darauf, dass seine Mutter so wie immer alles schönreden wird, was ihr Goldstück angestellt hat. Die Streiche, bei denen man ihren Sohn bisher erwischt hat, waren nur Kinderstreiche, das muss sie den Leuten eben klar machen.

Doch was Nathan dieses Mal mit der Hilfe seiner Freunde mit Elke getan hat, ist kein Kinderstreich mehr. Der Gedanke, Elke oder ihre Mutter könnten bei der Polizei aussagen, ist Nathan deshalb verflixt unangenehm. Feurincksx, der Polizist mit dem Schnurrbart, der den Jungen vernimmt, kann sich noch gut an Nathans so genannte Kinderstreiche erinnern. Damit hatte Nathan nicht gerechnet. Sein Selbstbild gerät ins Rutschen, die Befragung wird zum Machtkampf zwischen Ermittler und Beschuldigtem. Am Ende der Vernehmung spielt der Polizist einen Trumpf aus, mit dem Nathan niemals gerechnet hätte.

"Mamas Liebling" erzählt in kurzen, prägnanten Sätzen aus der Perspektive eines Jugendlichen, der noch nie selbst für seine Taten einstehen musste. Nathans Entwicklung kann stellvertretend für die vieler Jugendlicher stehen, bei denen der richtige Moment verpasst wurde, ihnen Konsequenzen für ihr Handeln aufzuzeigen. Nathans Mutter hat ihren Sohn stets verteidigt, Konsequenz gehört nicht zu ihren Stärken. Nathan hält es inzwischen für selbstverständlich, dass seine Mutter ihn aus jeder unangenehmen Situation wieder herauspauken wird. Jan Simeon zeigt allein Nathans Sicht der Dinge und lässt seinen Lesern damit Raum zum Nachdenken, welches Frauenbild Nathans Mutter ihrem Sohn bisher vorgelebt hat.
Fazit
Mit seiner kurzen Erzählung löst Jan Simeon beim Leser ein Wechselbad der Gefühle aus. Mit nur sparsamen Andeutungen, welches Ereignis zu Nathans Verhaftung geführt hat, hält der niederländische Autor seine Leser bei der Stange. Das Interesse daran, was Nathan getan hat, wandelt sich in Abneigung gegenüber Nathans Selbstmitleid, wechselt schließlich zu Verwunderung über die Haltung seiner Mutter und geht in Verständnis für sie über.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 18. Februar 2010

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