Jan-Uwe Rogge: Eltern setzen Grenzen

Eltern setzen Grenzen

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-499-62598-5

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Als Rogges Kinder brauchen Grenzen 1993 erschien, ahnte wohl niemand, dass das Thema 15 Jahre später noch immer polarisieren würde. Eltern setzen Grenzen vertiefte 1995 das Thema Grenzensetzen. In der Neuausgabe dieses Ergänzungsbandes mit dem Untertitel "Partnerschaft und Klarheit in der Erziehung" nimmt der populäre Autor die Diskussion um den Sinn des Grenzensetzens erneut auf. Rogge sieht Grenzen als gegeben, weil Kinder in einem bestimmten Alter manches noch nicht können. Grenzen zeigen Kindern ihre Fähigkeiten, Grenzen schützen und ermutigen, Grenzen setzen ethische Maßstäbe, Grenzen helfen Kindern, Eigenständigkeit zu entwickeln. Wichtig sei es, Grenzen in einer Art zu setzen, die das Kind nicht kränkt.

Der Autor beherrscht die Kunst, sich selbst auf die Schippe zu nehmen und seine Leser zum Lachen zu bringen. Sein Verständnis für den täglichen Erziehungs-Stress empfinde ich als sehr wohltuend. Schmunzelnd erkennt man sich und seine Schwächen in Rogges plakativen Beispielen wieder - das Zutexten der Kinder, die eigene Inkonsequenz oder die Überbesorgtheit, die verhindert, dass Kinder an ihren Aufgaben wachsen können. Rogge geht auf den Unterschied zwischen Konsequenz und Strafe ein, gibt Einblick in die besonderes Sichtweise von kleinen Kindern im magisch-phantastischen Alter und er vermittelt Eltern, wie sie ihren heranwachsenden Kindern Halt vermitteln können. Wir erfahren, wie man den Kindern nicht die Verantwortung aus der Hand nimmt, nicht die Probleme für die Kinder zu lösen versucht. Den elterlichen Wunsch nach Patentlösungen oder Ratschlägen bedient der Autor nicht. Stattdessen nimmt er das Harmoniebedürfnis der Mütter aufs Korn und zeigt mitleidlos, dass Kinder Inkonsequenz aufgrund von Bequemlichkeit ihrer Eltern erkennen und gezielt für ihre Zwecke nutzen.

Wer Rogges Bücher aufmerksam liest, lernt sein Kind genau zu beobachten, sich zu fragen, was es mit seinem Verhalten bezwecken will, welchen Vorteil es sich verspricht. Die Perspektive zu wechseln, sich in sein Kind zu versetzen, ohne es gleich verändern zu wollen, ist problemlos zu lernen. Sehr gelungen fand ich, wie der Autor den Unterschied zwischen Erziehung und Beziehung differenziert.

Normative Klarheit (nach Otto Speck) ist eine der Säulen, auf denen Rogges Ideen ruhen. Wir sollten unseren Kindern mit Festigkeit vorleben, was wir ihnen vermitteln wollen, sollten mit kleinen Kindern so bildhaft und anschaulich sprechen, wie es ihre Entwicklung erfordert. Wenn wir zwischen Sach- und Beziehungsebene unterscheiden, werden wir leichter eindeutige Botschaften oder Ich-Botschaften aussenden können. Ein simples Beispiel dafür ist die Verkehrserziehung. Anstatt Kinder zu ängstigen, immer wieder auf sie einzureden, lautet Rogges Beispielbotschaft: "Ich habe Angst um dich".

Dass Eltern sich auf keinen gesamtgesellschaftlichen Konsens mehr stützen können, wie Kinder erzogen werden sollen, kompliziert die Bezeihung zwischen Elternhaus und Schule, zwischen Eltern und Kindergarten, merkt Rogge an. Grenzen für eine Gruppe von Kindern zu entwickeln, fällt schwer, wenn Kindern zuvor von den Eltern noch keine individuellen Grenzen aufgezeigt worden sind. Pädagogen erwarten, dass Kinder Grenzen respektieren; Eltern erwarten heute, dass Lehrer und Erzieher ihnen diese Aufgabe abnehmen.

In einem eigenen Kapitel geht Rogge am Beispiel von Actionfiguren und Spielzeugwaffen auf das Thema Gewalt und Aggression ein. Die Faszination von Kampf und kriegerischen Spielen sieht Rogge als normalen Entwicklungsschritt; denn das Böse und das Mächtige habe Kinder schon immer fasziniert. Doch vielen Eltern fällt es schwer, die Flucht in Traumwelten oder Angst und Wut ihrer Kinder zuzulassen. Der Autor hat beobachtet, dass gerade Mütter, Erzieherinnen und Lehrerinnen Rangeln und Toben der Kinder am liebsten völlig verbieten würden. Wer die gute alte Kissenschlacht konsequent ablehne, verhindere, dass Kinder ihre Muskelkraft einschätzen und ihren aggressiven Persönlichkeitsanteil steuern lernen. Grenzüberschreitungen gehören für Rogge zum Toben dazu.

Jan-Uwe Rogge geht auf den Umgang kleiner Kinder mit dem Tod ein, ermutigt starke, gegen Missbrauch geschützte Kinder zu erziehen und setzt sich ausführlich mit den Übergängen der Kindheit beim Eintritt in den Kindergarten und in die Schule auseinander. Er lehrt zudem, das rollenspezifische kindliche Spiel von Jungen und Mädchen in seiner Bedeutung für die Entwicklung zu verstehen. Abschließend listet das Buch "Mut machende Literatur" im Anhang auf.
Fazit
Rogge erteilt in seinem leicht lesbaren Buch keine Ratschläge. Er gibt interessierten Eltern klare Rückmeldungen zum eigenen Erzieherverhalten und vermittelt ihnen zeitgemäßes Rüstzeug für schwierige Situationen.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 02. Februar 2010

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