Helmut Schmidt: Die Selbstbehauptung Europas: Perspektiven für das 21. Jahrhundert

Die Selbstbehauptung Europas: Perspektiven für das 21. Jahrhundert

Verlag: Deutsche Verlagsanstalt [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-421-05357-2

Preis: 0,19 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Helmut Schmidts Publikationen sind meiner Meinung nach alle hervorragend. Wer einen Einblick in die weltpolitischen Probleme und Konstellationen des 21. Jahrhunderts bekommen möchte, kommt an diesem Buch, für mich das wichtigste politische Buch dieses Jahres, nicht vorbei. Helmut Schmidt analysiert nicht nur die weltpolitischen Probleme der Gegenwart und der Zukunft (neue Formen der Kriege, wie sie der 11. September gezeigt hat - im Vorwort dieser Taschenbuchausgabe geht er auch darauf ein), die Probleme der Globalisierung, den sogenannten "Raubtierkapitalismus" (einen Begriff, den auch der "Spiegel" in einer seiner jüngsten Ausgaben verwendete) und die amerikanische Dominanz mit ihrem - gerade unter dem gegenwärtigen US-Präsidenten Bush sichtbar werdenden - Hang zum Unilateralismus (hierzu vgl. auch den kürzlichen Beitrag Schmidts in der Wochenzeitung "Die Zeit". Als Weltmächte der Zukunft betrachtet Schmidt neben den USA vor allem China, - nach wie vor Rußland, Indien und - möglicherweise - Brasilien (trotz seiner gegenwärtigen Wirtschaftskrise). Um sich unter diesen Mächten zu behaupten und um ihr wirtschaftliches Wohlergehen zu sichern, plädiert Schmidt für die europäische Integration mit einer gemeinsamen Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. Dieses legt er am Ende des Buches in 20 Thesen eindrucksvoll dar. Er "bleibt ein engagierter Anhänger der europäischen Integration aus strategischem, patriotischen Interesse." Die globalen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zwängen die Europäer zu höhereer Leistung und zu neuen Anstrengungen, um nicht ins Mittelmaß abzusinken. "Gegen künftige globale Gefahren und Bedrohungen kann keiner der europäischen Staaten sich allein behaupten. Aus dieser Einsicht folgt das strategische Prinzip der Selbstbehauptung durch Gemeinsamkeit. Dieses Prinzip muß das Handeln der politischen Führer der europäischen Staaten sehr bewußt bestimmen." Dieses ist das Anliegen Schmidts in all seinen Büchern und schriftlichen Publikationen, die hier sehr komprimiert und fundiert zusammengefasst werden. Abseits jeder Tagespolitik ist dieses Buch ein unverzichtbarer Ratgeber für alle Politiker aber auch die interessierten Bürger: "Nicht nur die Regierenden müssen sich heute die bereits erkennbaren Gefährdungen des 21. Jahrhunderts vor Augen halten, sondern wir alle, wir Wähler unserer Regierungen, müssen uns genauso fragen: "Womit müssen wir rechnen? Was sollen wir tun?"

Schmidt bemüht sich um Antworten auf diese lebenswichtigen Probleme im 21. Jahrhundert. Gut ist, dass Schmidt auch Umweltprobleme (Treibhauseffekt), die Gefahr des Nationalismus aber auch des Zentralismus nicht verschweigt, sondern ausführlich behandelt.
Fazit
Wer eine solide Einführung in die wichtigsten Herausforderungen der gegenwärtigen und zukünftigen Politik sucht, kommt um dieses Buch - meines Erachtens neben dem Buch von Joseph S. Nye: "The Paradox of American Power" das wichtigste politische Werk dieses Jahres - nicht herum. Fazit: unbedingt lesen!
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 26. Juni 2003

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