Heinz Weiß: Das Labyrinth der Borderline-Kommunikation

Das Labyrinth der Borderline-Kommunikation

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-608-94513-3

Preis: 29,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Gerade Menschen mit einer Borderline-Erkrankung geben ihrem Umfeld Rätsel auf. Sie übertragen ihre Gefühle auf den Partner, auch auf den Therapeuten. Dieser muss sich darüber im Klaren sein und mit Gegenübertragung arbeiten können. Wenn Fortschritte in der Therapie gelungen sind, werden die Patienten wieder rückschrittig aus Angst vor der Beendigung der Behandlung. Borderline-Patienten gehen eine enge Beziehung zum Therapeuten ein und lösen diese beziehungsweise ziehen sich wieder zurück, wenn sie sich eingeschlossen fühlen. Ein Gefühl der Abhängigkeit vom Therapeuten ist nur schwer zu ertragen. Für den Autoren sind im therapeutischen Prozess vor allem folgende Ansätze relevant: die Theorie der projektiven Identifizierung, das Konzept der pathologischen Persönlichkeitsorganisationen sowie die Theorie der psychic retreats. Klinische Erfahrungen sind die Grundlage dieser Ansätze.

Nach einer Einleitung beschäftigt sich der Autor im zweiten Kapitel mit der pathologischen Persönlichkeitsorganisation von Borderline-Patienten. Dieses komplexe Funktionsmodell hat den Anspruch Strukturen zu beschreiben, die vom Patienten als Schutz vor Angstsituationen erstellt wurden. Im dritten Kapitel geht Weiß auf die Phänomene ein, die aus dieser Persönlichkeitsorganisation entstehen und die Behandlung erschweren. Nach ausführlicher Betrachtung werden Schlussfolgerungen für die psychoanalytische Behandlungstechnik diskutiert. In Kapitel 4 wird anhand von Beispielen und theoretischen Grundlagen der Einbezug des Traummaterials in die Behandlung erörtert. Das folgende Kapitel beschäftigt sich nun mit "Inseln von Zeitlosigkeit". Um der Gefahr eines Endens der Therapie zu entgehen, wird die Zeit vom Patienten regelrecht aufgehalten. Die Entwicklung in der Behandlung stagniert oder Rückschritte werden gemacht. Zwei Erscheinungsformen dieser Zeitlosigkeit werden anhand von Beispielen illustriert. Im Kapitel 6 beschäftigt sich der Autor nun mit der Konstruktion des inneren Raums beim Patienten als Behandlungsansatz. Letzterer hat einen anderen Zugang zu seiner Lebensgeschichte. Emotionale Erfahrungen werden in ein Objekt projiziert. Zeitliche Aufarbeitung von früheren Gefühlen und Situationen wird laut Weiß erst nach Einrichtung des inneren Raums sinnvoll.
Eine Strategie der Patienten, sich mit Erfahrungen von Trennung und Verlust zu beschäftigen, ist der Aufbau von Missrepräsentationen. Weiß verdeutlicht dies in Kapitel sieben an einem Beispiel aus dem ersten Behandlungsjahr. Zudem wird der Behandlungserfolg sichtbar, da zwei Sitzungen aus dem fünften Behandlungsjahr zeigen, wie die Patientin nun in Anbetracht der endenden Therapie mit ihren Trennungs- und Verlustängsten umgeht. Im vorletzten Kapitel wird eine weitere Strategie von Borderline-Patienten deutlich den Trennungsängsten zu begegnen. Anhand eines weiteren klinischen Fallbeispiels kann der Rückzug in eine Phantasiewelt und die daraus resultierende Behandlung beschrieben werden. In Kapitel 9 wird nun das Modell der projektiven Identifizierung vorgestellt. Die Unterscheidung von Teilphasen in der Analyse ist für Weiß unerlässlich. So können Schwierigkeiten in der Gegenübertragung untersucht und damit behandlungstechnische Probleme bearbeitet werden. Beispiele verdeutlichen wieder das Beschriebene.
Fazit
Das Buch ist an das Fachpublikum gerichtet. Es verbindet Theorie und Praxis anhand vieler Fallbeispiele. Die Gliederung des Inhalts ist logisch. Der Sprachstil besticht durch Sachlichkeit und Verständlichkeit. Das Buch ist sehr zu empfehlen.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Romy Bigalke-Kunert [Profil]
veröffentlicht am 23. Dezember 2009

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