John Grisham: Die Schuld

Die Schuld

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-453-86856-4

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Ich habe jetzt - nach vielen positiven Rezensionen - John Grishams "Schuld" gelesen. Ich muss sagen: mein Eindruck ist sehr zwiespältig. Das Buch ist zweifellos spannend geschrieben. Es geht um die Verstrickung eines jungen Anwalts, Clay Carter, in Schuld und Sühne. Carter, ein junger Mensch, arbeitet schlecht bezahlt in der amerikanischen Hauptstadt Washington als Pflichtverteidiger. Eines Tages soll er die Verteidigung eines jungen Schwarzen übernehmen, der aus heiterem Himmel einen anderen Menschen auf offener Straße getötet hat. Merkwürdig bleibt, dass der aus armen Verhältnissen stammende und lange Zeit drogenabhängige Täter als eher schüchterner Charakter geschildert wird, der Angst vor Gewalt hatte. Kurz darauf erfährt Clay, dass offensichtlich ein dem Täter zum Drogenentzug verabreichtes Medikament, Tarvan, zu unkontrollierter Mordlust führte. Clay Carter geht dieser Informaton, die ihn von einem Mann namens Max Pace vermittelt wird, nach. Mit einem weiteren Anwalt, einem Spezialist für Sammelklagen, kann er dem das Medikament herstellenden Konzern einen Vergleich abringen, der ihm und seiner neu gegründeten Kanzlei rund 106 Millionen Dollar einbringt. Doch bald stellt sich heraus, dass der Informant, der Carter mit dieser Information versorgt hat, selber ein lang gesuchter Wirtschaftsverbrecher ist. Mit einem neuen Geschäft treibt er Carter und seine Firma in den Ruin. Doch die Carter sehr dankbaren Mitarbeiter, in besseren Zeiten von ihm großzügig versorgt und mit Anteilen an den verdienten Prozessen versehen, lassen ihren früheren Chef nicht hängen. Zu guter Letzt kehrt auch seine frühere Freundin, die ihn auf Druck ihrer Eltern verlassen und einen anderen wohlhabenden Mann der Upper Class geheiratet hatte, zu ihm zurück.

An dieser - zugegebermaßen kurzen - Zusammenfassung, die die zahlreichen Handlungsstränge nicht wiedergeben kann, wird die Problematik deutlich.
Als Thrillerautor überzeugt Grisham eindeutig. Er schafft es, auf rund 450 Seiten den Aufstieg und Fall Clay Carters, der trotz seiner charakterlichen Schwächen sympathisch dargestellt wird, spannend darzustellen. Dass die Charaktere nicht ausgiebig beschrieben werden, sondern - mit Ausnahme des Protagonisten - relativ blass bleiben, mag man Grisham verzeihen. Die Spannung bleibt bis zum - für mich sehr vorhersehbaren - Ende bestehen. Grisham ist kein Stilist; sein Stil wirkt eher hölzern, seine Charaktere sind nicht ausgereift und undifferenziert - mit Ausnahme Carters.
Positiv ist auch, dass Grisham, selber Anwalt, einen faszinierenden Blick in seine Berufssparte und den Hintergrund der Sammelklagen vermittelt. Wie in früheren Romanen erscheint die Mehrheit der Anwälte als geldgierige und skupellose Vertreter einer Zunft, denen das Wohl ihrer Mandanten völlig egal ist und die einzig allein an ihren Honoraren interessiert sind. Ausnahme ist dann am Ende lediglich die Anwältin, die die geprellten Mandanten gegen Clay und seine Kollegen vertritt - und letztlich recht bekommt.

Wenn man sich allerdings den Plot genauer ansieht, so wirkt er schnell dahingeworfen. Die Moral von der Geschichte, dass Skrupellosigkeit schlecht endet, erscheint mir zu dick aufgetragen. In Wirklichkeit scheint es mir eher so zu sein, dass das von Grisham gewählte Ende idealistisches Wunschdenken verrät; in Wirklichkeit dürften die skrupellosen Anwälte mit ihren ausgeklügelten Strategien, die Grisham schildert, größere Chancen haben, zu gewinnen als die Idealisten, denen es wirklich um ihre Klienten geht. Unwahrscheinlich ist auch, dass Clay Carter vor seiner wichtigen Entscheidung, eine eigene Kanzlei zu gründen und aus dem Staatsdienst auszusteigen, keine näheren Informationen über den geheimnisvollen Informanten Pace einholt, dessen Machenschaften ihn schließlich ins Verderben führen.
Fazit
Insofern ein zwiespältiges Fazit: durchaus spannend, aber zum Teil durchaus einfach gestrickt und vorhersehbar. Die Bewertung hängt also sehr von der Sichtweise des Lesers und seiner Prioritätensetzung ab. Kein überragendes Buch, sondern Durchschnitt. Allerdings garantiert der Thriller spannende Unterhaltung.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 17. Juni 2003

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