Gerard Donovan: Winter in Maine

Winter in Maine

Verlag: Luchterhand Literaturverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-630-87272-8

Preis: 17,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Julius Winsome hatte lange Zeit allein mit seinem Vater in einer einsamen Hütte in Maine in der Nähe der kanadischen Grenze verbracht. Inzwischen gibt es nur noch die Hütte und mehrere Tausend Bücher, die der Vater Julius hinterlassen hat. Vater Winsome lehrte Julius als Kind systematisch den Wortschatz Shakespeares. Über seinen Vater sagt Julius, er wäre mit Worten so sparsam gewesen, dass man Wasser hinzufügen musste, damit sie zu Sätzen aufquollen. Ein Winter dauert für Julius 50 Bücher lang. In den Sommermonaten schlägt er sich mit Jobs als Gärtner und Automechaniker durch.

Julius Großvater war Akadier, er stammte von der französisch-stämmigen Volksgruppe ab, die von den Briten im 18. Jahrhundert von der Halbinsel Nova Scotia vertrieben wurde. Akadier lassen sich keine Vorschriften machen - und in der dünn besiedelten Gegend leben außer Julius auch heute noch Männer, die nirgends anders leben könnten. Vom Vater und Großvater hat Julius den Umgang mit Jagdwaffen gelernt; die Kriegserlebnisse der beiden Älteren aus zwei Weltkriegen waren Julius stets präsent. Julius einziger Freund ist sein Hund Hobbes. Als Hobbes eines Tages aus nächster Nähe erschossen wird, gerät Julius Leben aus den Fugen. Ein ausgehängter Zettel, mit dem Julius Informationen über das Schicksal seines Hundes sucht, wird beschmiert. Mit dieser Tat scheint weit stärker als durch den Tod des Hundes Hobbes eine unsichtbare Grenzlinie zu Julius Lebensraum übertreten worden zu sein. Julius nimmt den Krieg gegen Männer auf, die auf der Jagd in seinen Wald eingedrungen sind, Männer die er nicht persönlich kennt, denen er die Schuld an Hobbes Tod gibt. Der Fünfzigjährige sinnt auch über die Möglichkeit nach, dass Claire etwas mit Hobbes Tod zu tun haben könnte, die Frau, mit der er vor Jahren eine kurze Beziehung hatte.

Julius entschlossenes, absolut kompromissloses Handeln löst widersprüchliche Gefühle beim Lesen aus. Da ist der Mann dessen Leben noch immer von den Werten des Vaters bestimmt wird, der Bücherliebhaber, der für schöne Worte lebt. Julius scheint nicht eine Sekunde an seinem Handeln zu zweifeln. Wie kann ein Mann, dessen Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder eine Waffe in die Hand genommen hatte, den Krieg gegen unbekannte Jäger aufnehmen?
Fazit
Gerard Donovan schildert in einfachen, stimmungsvollen Worten die Ereignisse einer einzigen Woche in den einsamen Wälder im nördlichen Maine. Auf beklemmende, beklemmend elegante Weise führt der Autor seine Leser aus dieser abgeschiedenen Idylle zum Rachefeldzug eines einsamen Mannes. "Winter in Maine" lässt seine Leser ebenso dünnhäutig wie Julius werden; ein Roman, der sehr vielmehr als ein Krimi ist und den Leser so bald nicht wieder loslässt.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 28. Oktober 2009

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