Susan Fletcher: Austernfischer

Austernfischer

Verlag: Berliner Taschenbuch Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-8333-0544-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Nichts wird sich ändern, hatte Moiras Mutter optimistisch behauptet. Moira, die begabte Schülerin mit der auffälligen roten Plastikbrille, war die erste in ihrer Familie, die ein Stipendium für eine weiterführende Schule erhielt. Moira kann zwischen vier Eliteschulen wählen und entscheidet sich für die am weitesten entfernte Schule in Norfolk. Welch entscheidende Veränderung der Internatsaufenthalt für sie alle bedeuten würde, konnte sich zu dem Zeitpunkt niemand in Moiras Familie vorstellen. Obwohl Norfolk von der Nordsee umgeben ist, vermisste Moira zuerst die gewohnten Geräusche, die sie aus ihrem Heimatort Stackpole an der felsigen englischen Atlantikküste gewohnt war. Kurz vor dem Ende ihrer Schulzeit trifft Moira auf Ray, der kurz darauf auf Weltreise geht und ihr von unterwegs regelmäßig schreibt. Nur um Rays kostbare Briefe, die exotische Dinge ahnen lassen, werden Moiras Gedanken zukünftig kreisen. Diese Briefe sind für Moiras Mitschülerinnen ein weiterer Anlass, sie auszuschließen und zu verletzen.

Die erwachsene Moira treffen wir am Krankenbett ihrer jüngeren Schwester Amy, die nach einem Sturz seit Jahren im Koma liegt. Amy, auf die Moira so eifersüchtig war, dass sie während ihrer Schulzeit am liebsten gar nicht mehr nach Hause gekommen wäre. Moira blieb damals lieber als einzige Schülerin im menschenleeren Internat zurück, als diesem winzigen Wurm, den ihre Eltern so lange ersehnt hatten, gegenüber zu treten. Nun erzählt Moira der regungslosen Amy ihre Lebensgeschichte. Als einzige Stipendiatin und ständig mürrisch wirkende Schülerin war Moira im Internat von Anfang an die Idealbesetzung für die Rolle der Außenseiterin. Susan Fletcher lässt uns mit Amys Geschichte in eine klassische Aufsteigerbiografie blicken. Moira weiß mit ihren Talenten noch nichts anzufangen, sie hat keine Pläne, was sie später einmal tun möchte und auch ihre flippige Tante Til, die als Schauspielerin in London lebt, kann der jungen Frau nicht den Rückhalt geben, den sie braucht. Moira zieht sich in sich selbst zurück, lebt nur für ihre naturwissenschaftlichen Interessen und ihre Lehrbücher. Selbst bei einem ihrer wenigen Besuche "Zuhause" bleibt sie auf einsamen Spaziergängen an schroffen Felsküsten entlang allein. Wasser ist das Element, an dem Moira sich beim winterlichen Schwimmen im Meer in einem unerbittlichen Kampf gegen sich selbst aufarbeitet. Das Meer wird im weiteren Verlauf der Handlung Symbol für jene Moira verschlossene Welt sein, die auf der anderen Seite des Meeres liegt. Moiras Monolog am Krankenbett lässt uns tief in ihre abweisende Persönlichkeit blicken, ihre lebenslange Unsicherheit und ihre Schuldgefühle gegenüber der von ihr abgelehnten jüngeren Schwester. Viele Fragen, warum Moira sich in ihrem Leben so und nicht anders entschieden hat, werden am Ende offen bleiben.
Fazit
Susan Fletcher legt mit "Austernfischer" einen feinfühlig beobachteten Entwicklungsroman vor, in dem sie die Innenwelt der Hauptfigur Moira und deren enge Beziehung zur Küste und zum Meer mit beeindruckender Kraft verbindet.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 09. Oktober 2009

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