Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Die Eleganz des Igels

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24658-3

Preis: 14,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Alles, was du kannst, wird gegen dich verwendet. Die zwölfjährige Paloma hat schon als kleines Mädchen bemerkt, dass es klug ist, sich in der Schule und zu Hause dümmer zu stellen, als sie ist. Palomas Vater ist ein ehemaliger Politiker, der mit seiner Familie auf mehreren hundert Quadratmetern Wohnraum in Paris residiert. Palomas Mutter beschäftigt sich tagaus tagein mit ihrer eigenen Psyche und ahnt nicht, wie viel unnütz verplemperte Therapeuten-Honorare sie sparen könnte, wenn sie sich statt mit ihrem Analytiker mit ihrer cleveren Tochter unterhalten würde. Am Esstisch der Familie lernt Paloma, dass es in ihren Kreisen nicht darauf ankommt, informiert zu sein, sondern wichtigen Gästen nicht zu widersprechen.

Palomas älteres und etwas dickeres Gegenstück finden wir in der Hausmeisterloge - auch Renée, die Concierge, hat schon als Schülerin beschlossen, ihre Kompetenzen und ihr Wissen besser für sich zu behalten. In ihrer freien Zeit berauscht Renée sich in ihrem unscheinbaren Refugium an kompliziertesten philosophischen Texten. Ihre einzige Freundin ist die Portugiesin Manuela, die zu Renées Kummer bald nach Portugal zurückziehen möchte. In Gedanken spielt Renée mit Klischees wie eine Concierge zu sein hat und verachtet insgeheim die Leute, denen sie dient. Bei einer zufälligen Begegnung entdeckt Paloma die Hausmeisterloge als Refugium für sich, in dem sie unbeobachtet ihre tiefgründigen Gedanken denken kann.

In dem Haus mit seinen acht Luxuswohnungen hatte sich seit Jahrzehnten nichts mehr verändert. Nun war ein Bewohner verstorben und als neuer Nachbar stellt sich Herr Ozu vor. Paloma trifft Herrn Ozu im Aufzug. Als Manga-Leserin fühlt sie sich als Expertin für alles Japanische und darf prompt Herrn Ozu mit Kakuro-san, seinem Vornamen anreden. Der neue Wohnungsbesitzer bringt in kurzer Zeit das soziale Gefüge zwischen den Nachbarn im Haus, zwischen Arbeitgebern und ihren Angestellten aus dem Gleichgewicht. Herr Ozu ist der erste, der hinter Renés unscheinbarem Äußeren ihre sorgsam verborgene Eleganz ahnt. "Madame Michel ist nicht die, für die man sie hält." verkündet der neue Hausbewohner.
Fazit
"Die Eleganz des Igels" hat unter deutschen Lesern heftige Diskussionen entfacht, ob es sich um ein ganz wunderbares oder um ein eher enttäuschendes Buch handelt. In der ersten Hälfte fand ich Renées und Palomas Auftritte sehr anstrengend. Die elitären Gedanken der beiden Überfliegerinnen werden in der französischen Originalausgabe möglicherweise eleganter vermittelt. Es hat sich jedoch gelohnt, weiter zu lesen; denn Barbery stellt in ihrem Buch die gewohnte Ordnung zwischen oben und unten, zwischen Eltern und Kindern humorvoll auf den Kopf. Die gewitzte Paloma wird mir als Patin des Wortes "tiefgründig" in angenehmer Erinnerung bleiben.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 13. September 2009

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