Qiu Xiaolong: Blut und rote Seide

Blut und rote Seide

Verlag: Paul Zsolnay Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-552-05461-5

Preis: 19,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Krimi-Serien-Leser sind Wiederholungstäter, die auch deshalb lesen, weil sie gern wissen möchten, ob der Ermittler inzwischen unter die Haube gekommen ist oder ob - wie bei Qiu Xiaolong - der gutmütige Yu endlich eine Wohnung gefunden hat, in der er die Küche nicht mehr mit fünf anderen Familien teilen muss.

In Shanghai findet der alte Huang, ein verdienter Modellarbeiter, am frühen Morgen vor dem Shanghaier Konservatorium die Leiche einer jungen Frau. Die Tote trägt auf der nackten Haut einen roten Qipao, das klassische Etui-Kleid, das inzwischen vielen chinesischen Kellnerinnen als Dienstkleidung dient. Ein paar Tage später wird eine weitere Tote mitten im Zentrum Shanghais an einer viel befahrenen Straße gefunden, wieder im klassischen roten Kleid. Die öffentlichkeitswirksame Inszenierung der Taten weist auf einen Serienmörder hin, sagt jedoch trotzdem noch nicht genug aus, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Oberinspektor Chen, studierter Anglist und auf dem Weg, sich in Abendkursen eine umfassende klassische Bildung anzueignen, fühlt sich zunächst für diesen Fall nicht zuständig. Chen hat ein paar Tage Urlaub beantragt, um einen Teil seines Magisterstudiums als Block zu absolvieren und zum Abschluss eine schriftliche Prüfungsarbeit abzuliefern. Mit seinen literarischen Eskapaden strapaziert Chen die Geduld seiner Vorgesetzten und seiner Leser. Chens Kollegen vermuten, der Rückzug ihres Chefs in die klassische chinesische Literatur sei eher als geschickte Taktik geplant, um ungestört vom Rampenlicht der Öffentlichkeit in Ruhe ermitteln zu können. Chen, sein Kollege Yu und Yus Frau Peiqin ziehen wieder alle Register und ermitteln unauffällig im Bar-Milieu, speziell in der Welt der Tischfräulein und der "Dreisparten-Girls". Auch in Blut und rote Seide (Red Mandarin Dress) widmen sich die handelnden Figuren wieder ausschweifenden kulinarischen Vergnügungen. Wer nicht gern Zeuge wird, wie Lebewesen auf dem Esstisch ihre letzten Atemzüge tun, ehe sie in den hungrigen Mündern verschwinden, sollte diesen Band besser auslassen.
Fazit
Die ausführlichen Ermittlungen zur Geschichte des Qipao haben mir in Qius fünftem Shanghai-Krimi noch am besten gefallen. Dass die aktuellen Verbrechen ihre Quelle (noch immer) in der Vergangenheit haben sollen, wirkt so wenig glaubwürdig wie die sehr einfach gestrickte Persönlichkeit des Serientäters. Qiu Xiaolong beherrscht die Kunst der feinen, ironischen Anspielungen, mit denen er Chinas Weg zu einem kapitalistischen Staat skizziert. Hoffen wir, dass er mit dem nächsten Krimi um Inspektor Chen endgültig in der Moderne ankommt.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 10. September 2009

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