Jaromir Konecny: Doktorspiele

Doktorspiele

Verlag: C. Bertelsmann Jugendbuch Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-570-16022-0

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
"Sind die alle so klein?" hatte Lilli völlig unbeeindruckt gefragt, als ihr Bruder Tim und der gemeinsame Freund Andi beim Doktor Spielen ihre Hose herunter ließen. Tim, Lilli und der damals siebenjährige Andi hatten sich im Schwarzwald im Haus von Andis Oma getroffen. Dazu, die krassen Sachen anzusehen, die Andis Oma auf dem Dachboden aufhob, waren die drei bei ihrem Besuch im Schwarzwald gar nicht mehr gekommen. Nun wird Juliane für einen zweiwöchigen Ferien-Besuch erwartet. Andi ist inzwischen 16 Jahre alt und Opfer seines unberechenbaren Testosteron-Spiegels. Wie soll er einem Mädchen gegenübertreten, das sich noch an seinen Kinder-Penis von damals erinnert? In der letzten Woche vor den Ferien schwärmt Andi also wie gewohnt heimlich für seine Klassenkameradin Katja und denkt dabei an den bevorstehenden Besuch von Lilli. Zum Glück ist Andis Kampf gegen die Stürme der Pubertät nicht die einzige Peinlichkeit in seiner Familie. Andis Vater hockt als Ex-Musiker zu Hause herum und träumt davon, mit seiner Band noch einmal voll durchzuknallen. Die Mutter hat kürzlich ihre Begabung als Heilpraktikerin entdeckt, so dass ihre Familie damit rechnen muss, schon zum Frühstück von ihr Acidum Phosphoricum D30 serviert zu bekommen. Ahnte Andis Mutter die Nöte ihres Sohnes, würde sie sich vermutlich sofort mit Blutegeln oder Akupunktur-Nadeln auf die Beschwerden der Pubertät stürzen.

Mädchen sind für Andi, den jüngeren Bruder dreier Schwestern, noch immer ein Rätsel, obwohl ein 16-Jähriger heute aus dem Internet rein theoretisch weiß, was von ihm als Mann erwartet wird. Auch Andis Freund Dirty Harry kann kaum Hilfreiches zum Thema beitragen. Die erste Begegnung mit Lilli vermasselt Andi geradezu filmreif. "Ihr Jungs habt doch nur euren Pimmel im Kopf" lästert Lilli. Als Tochter eines Mediziners und erklärte Atheistin nimmt sie im chaotischen Heilpraktiker-Haushalt erst einmal den Grund-Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher Beweisführung und alternativen Heilmethoden aufs Korn. Mit welcher Wortgewandtheit Glauben und Wissen am Familientisch aufeinander treffen, ist eine reine Freude. Bis Andi sich entschieden hat, ob er Lilli als eine Art kleine Schwester behandeln oder sie lieber anbaggern soll, ist Bobby ihm längst damit zuvorgekommen, bei Lilli Eindruck zu schinden. Nachdem sich alle gut gemeinten Verführungstipps seiner Freunde als unbrauchbar erwiesen haben, sucht Andi Rat in einem Flirt-Chat im Internet.
Fazit
Jaromir Konecny, Vizemeister des Poetry-Slams, lotet mit seiner tragikomischen Erzählung in direkter, drastischer Sprache die Untiefen der männlichen Pubertät aus, ohne sich auf Kosten seines Helden zu amüsieren.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 20. Juli 2009

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