Alfred Delp: Worte der Hoffnung

Worte der Hoffnung

Verlag: Echter-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-429-03088-9

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Alfred Delp, der Jesuit, der im Angesicht des Todes bis zuletzt im Widerstand lebte, schrieb zwischen Verhaftung und Hinrichtung durch die Gestapo 1944-1945, daß Deutschland in allen Schichten seines Daseins um seine Existenz ringe und von zwei Seiten raumfremde und ahnungslose Mächte in sein Leben eindrängen: Rußland und Amerika. Er glaubte bis zuletzt, daß die großen geschichtlichen und persönlichen Gnadenstunden immer in irgendeiner Form das Erwachen und die Rückkehr zur echten Ordnung der Wirklichkeit bedeuten. Platon würde sagen: Ausrichtung zur Wahrheitsbefähigung.

Nach dem 20. Juli 1944, dem Attentat auf Hitler, wurde Delp, der noch in München-Bogenhausen seinen Freunden in den Bombennächten seelischen Beistand leistete, verhaftet und im Prozess gegen die Mitglieder des Kreisauer Kreises vor Gericht gestellt.

Stets ging es ihm darum, daß in schwerer Not im inneren des Landes aber auch in ständiger Bedrohung von außen das Leben und das Volk trotzdem noch Verheißungen habe und damit lebendig bleibe und sich Glanz und Zuversicht im Vertrauen auf Gott nicht nehmen lasse. Als Jesuit prägte er den Kreisauer Kreis mit seinem Konzept des personalen Sozialismus, den er für Menschen ausformulierte, die mit der katholischen Soziallehre wenig zu schaffen hatten. Diese dritte Idee sollte die NS-Rechtsbrecher bestrafen und zugleich Deutschland auf den Säulen der Kirche und der Arbeiterschaft versöhnend wieder neu aufbauen.

Das vorliegende Buch vereint die hoffnungsvollen Grundansichten des Jesuitenpaters. Das große Rufen nach Gott müsse anheben und dürfe nicht mehr nachlassen. Man müsse ihn beim Wort nehmen, vor allem in Zeiten der Bedrängnis, in die er hineingeboren wurde. Er war Jesuitenpater bis zu seinem Ende in den Kerkerzellen, getragen von einem tiefen Vertrauen und einer großen Hoffnung auf Gott. Und genau dies bezeugen die hier gesammelten Texte, aus denen auch der Leser Kraft schöpfen kann: "Der Mensch wird gesund durch die Ordnung Gottes und die Nähe Gottes. Hier wird er auch freudfähig und froh." Für Delp strömen die Quellen des Heiles und der Heilung im Menschen selbst. Gott ist als ein Brunnen in ihm. Diese inneren Quellen solle man finden und immer wieder strömen lassen. Dann werde keine Wüste.

Delp ging es neben seiner christlichen Prägung auch politisch um ein verankertes und rational faßbares Menschenbild freier Individuen. Auf diese Position im deutschen Widerstand beruft er sich, auch in Anlehnung an die idealistische Tradition der Deutschen. Der idealistische Mensch sei mehr Mensch als der rein faktische und praktische. Der innerste Grund des deutschen Menschen bleibe unantastbar. Er weise einen Charakter auf, der in seinem realen Anspruch wohlklingende Ideologien skeptisch betrachtet und über alle temporären Heilsbotschaften hinweg existent bleibe - gegenüber den Nationalsozialisten und natürlich auch gegenüber den potentiellen Besatzern. So verkörpert Delp zugleich das im Deutschen Widerstand, was Eberhard Zeller einst als "Aufstand des Geistes" charakterisierte. Delp personifizierte den Gegensatz zwischen deutscher Staatsphilosophie und deutscher geistesgeschichtlicher Tradition zum Nationalsozialismus angesichts seiner Hinrichtung gerade durch die Nationalsozialisten.

In einem Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt, wurde ihm am 2. Februar 1945 von den nationalsozialistischen Machthabern das Leben genommen, ein Leben, das er ganz in die Nachfolge Jesu Christi als überzeugter Jesuit, Priester und Vordenker einer menschenfreundlicheren und gerechteren Gesellschaftsordnung gestellt hatte, die ausdrücklich einen positiven Bezug zur deutschen Geschichte herstellte.

Delp formulierte in seiner Zelle als Verurteilter als letztes: "Mein Verbrechen ist, daß ich an Deutschland glaubte (...)". Ihm wurde zur Wahl gestellt, freigelassen zu werden, wenn er den Jesuitenorden verlässt, worauf er nicht einging. Man suche heute derart aufrechte Männer und auch Christen, die sich zuhauf in der Politik tummeln, kaum aber mehr in der Lage wären, in der Wüßte des Hyperwohlstandes vor eine solche Frage gestellt, vergleichbar aufrecht zu entscheiden. Delp schrieb dazu selbst: "Wer nicht in einer Atmosphäre der Freiheit zuhause ist, die unantastbar und unberührbar bleibt, allen äußeren Mächten und Zuständen zum Trotz, der ist verloren. Der ist aber auch kein richtiger Mensch, sondern Objekt, Nummer, Statist, Karteikarte." - Also viele Verlorene und Objekte im Gegensatz zur Lehre Delps, den Menschen bodenständig zu machen, gewissenhaft, urteilsfähig und charakterstark, wie sein Vorbild - Jesus Christus, in dessen Sinne er in der Kerkerzelle schrieb:

"Ich bitte auch die Freunde, nicht zu trauern, sondern für mich zu beten und mir zu helfen, solange ich Hilfe bedarf. Und sich nachher darauf zu verlassen, daß ich geopfert wurde, nicht erschlagen."

Das Buch zeigt eindrucksvoll das Leben und Wirken eines Mannes, der an Deutschland glaubte, zugleich aber den Keim der Vernichtung in Deutschland, den Nationalsozialismus, ablehnte und einen christlichen Weg vorlebte. Damit würde er auch heute wieder zwischen den Fronten stehen, gerade in seiner skeptischen Haltung gegenüber den Besatzern.
Fazit
Um den Jesuitenpater zu verstehen, möge der Leser dieses Buch verinnerlichen und damit Delp gerecht werden, der in der Todeszelle in der Hoffnung, daß es vielen Deutschen besser gehen möge als ihm, eines tat: Segnen Land und Volk in seiner Not und inneren Qual. Sein Richter, Dr. Roland Freisler, überlebte Delp nur um einen Tag. Er kam bei einem tags darauf stattfindenden Bombenangriff ums Leben.
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Vorgeschlagen von Daniel Bigalke [Profil]
veröffentlicht am 27. Juni 2009

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