Wolfgang Korn: Das Rätsel der Varusschlacht

Das Rätsel der Varusschlacht

Verlag: Fackelträger [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendsachbuch
ISBN-13 978-3-7716-4379-9

Preis: 1,29 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Dieses Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 in der Sprarte "Sachbuch" nominiert - und ich kann nur hoffen, dass es den Preis auch erhalten wird - denn ich habe selten ein so fundiertes historisches Buch zu einem mich interessierenden Thema gelesen. Nicht nur erfährt man das Wesentliche über den - mutmaßlichen - Ablauf der Varusschlacht, wie er sich aus den bisherigen Ergebnissen der archäologischen Forschung heute darstellt. Viel wichtiger ist, dass der Autor den Leser immer wieder ermuntert, Originalquellen kritisch zu Rate zu ziehen und nicht nur unkritisch diese als "Maß aller Dinge" zu nehmen. Der Autor zeigt daher über das Thema der Varusschlacht hinaus, wie ein seriöser Wissenschaftler arbeiten sollte: anhand der kritischen Analyse der vorhandenen Quellen und der vorliegenden Forschungsergebnisse Thesen aufzustellen, die dann verifiziert oder verworfen werden. Insofern ist das Buch auch eine erste Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten - und daher über das gewählte Thema der Geschichte der archäologischen Entdeckung der Varus-Schlacht hinaus für alle diejenigen wichtig, die selber wissenschaftlich arbeiten oder in dieser Richtung tätig sein wollen. Außerdem macht die fesselnde Darstellung des Autors Geschichte lebendig. Dazu tragen auch Klaus Ensikats geniale Zeichnungen, die den Text illustrieren, sowie Schautafeln, in der wichtige Dinge - etwa die C-14-Methode - zusammengefasst dargestellt sind und die dazu beitragen, das Gelesene zu strukturieren und besser zu behalten, ebenfalls bei.

Inhaltlich macht Wolfgang Horn deutlich, dass es zur Varusschlacht nur römische Berichte - also die Berichte des "Siegers" - gibt und dass diese je nach Autor "parteiisch" gefärbt sein können. Daher beleuchtet er anhand der heute bekannten Biographien die politische "Gesinnung" der Autoren - etwa Tacitus oder Cassius Dio - und zeigt, dass man diese Quellen zwar als Informationsgrundlage heranziehen sollte, jedoch immer kritisch hinterfragen muss, um ein genaueres und objektiveres Bild über die Motive der Akteure der Varusschlacht zu gewinnen. Doch nicht nur über diese Schlacht erfährt der Leser das Wesentliche. Nebenher erfährt er auch viel über das Alltagsleben der Germanen und Römer, die Person und Politik des römischen Kaisers Augustus, der Funktion des Limes. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Erforschung der Varusschlacht, die sich wie ein archäologischer "Krimi" liest. Der Autor hält Kalkriese für den Ort der Varus-Schlacht - nachdem er sich mit den Gegenargumenten dieser These ausführlich auseinandergesetzt hat.
Fazit
Als solide Erstinformation für Interessierte jeden Alters empfohlen - bevor man zu der Publikation von Peter Arens: "Kampf um Germanien" - nach dem Zweiteiler des ZDF zur Varusschlacht - greift, die ebenfalls Laien und historisch interessierte Personen als Zielgruppe anspricht. Als bestes Buch zum Thema gilt Ralf-Peter Märtins "Die Varusschlacht" für all jene, die sich vertiefend mit dem Thema befassen wollen. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der findet in Detmold in der großen Ausstellung zum 2000. "Jahrestag" der Varusschlacht im Lippischen Landesmuseum genug weitere Bücher zum Thema.
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 02. Juni 2009

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