Rüdiger Bertram: Knastkinder

Knastkinder

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-499-21497-4

Preis: 7,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Jonathans Vater stammt von den Philippinen und lebt seit Jahren mit seiner deutschen Frau in Deutschland. Beim ersten Besuch in der Heimat nach 18 Jahren will er Frau und Sohn natürlich alle Orte seiner Kindheit zeigen und alle Verwandten besuchen. Gegen das ausdrückliche Verbot seiner Eltern verlässt der 12-jährigen Jonathan allein das Hotel in Manila. Jonathan fühlt sich als Großstädter, sein Vater hatte stets darauf bestanden, dass Jonathan die philippinische Landessprache Tagalog lernt - was soll ihm mitten unter seinen Landsleuten schon groß passieren? In der Umgebung des Hotels fällt Jonathan mit seinen asiatischen Gesichtszügen und in westlicher Kleidung kaum auf. Doch als der Junge das Geschäftsviertel mit seinen glitzernden Einkaufspassagen verlässt, gerät er in ein Gewirr ärmlicher Gassen, in denen Kinder offensichtlich auf der Straße leben und Klebstoff schnüffeln. Ehe Jonathan sich versieht, wird er ausgeraubt und zusammengeschlagen. Hose, Schuhe, Geld und Pass sind weg - und nun unterscheidet Jonathan äußerlich nichts mehr von den Kindern auf der Straße. "Guck dich doch an, so einer wie du wohnt nicht im Golden Palace" meinen die Straßenkinder Arnel, Dennis und Marlon, die Jonathan zu Hilfe kommen.

Jonathan sieht sich als Opfer, ist entschlossen den Überfall bei der Polizei anzuzeigen. Doch so, wie die Kinder aussehen, werden sie von der Straße weg wegen Diebstahl einer Flasche Wasser verhaftet. Schon auf dem Gefängnishof muss Jonathan einsehen, dass die Kinder, die er hier sieht, keinerlei Rechte haben, sie alle wurden verhaftet, weil sie arm sind und niemand nach ihnen suchen wird. Nicht nur, dass es im Gefängnis vor Ratten und Kakerlaken wimmelt, Jonathan muss zuallererst die Knast-Hierarchie akzeptieren. Nur wer schon lange "drin" ist, kann einen Schlafplatz und die Achtung der anderen Kinder beanspruchen. Schnell wird klar, dass Jonathan ohne Arnel, Dennis und Marlon hier allein keine Chance hätte. Nur eine Gruppe schafft es im Gefängnis, genug Essen aufzutreiben. Jonathan versucht beständig, darauf aufmerksam zu machen, dass er Tourist sei, dass er seiner Meinung nach zu Unrecht verhaftet wurde - doch für ein Kind, das ohne Hose aufgegriffen wurde, interessiert sich in Manila niemand. Wenn Jonathan je wieder aus diesem Gefängnis heraus will, muss er Geld verdienen und mit diesem Geld eine Nachricht an seine Eltern nach draußen schmuggeln.
Fazit
Rüdiger Bertram will mit seinem Theater- und Jugendbuch-Projekt auf die Lebenssituation philippinischer Straßenkinder aufmerksam machen. Jonathan kann sich für einen Jungen, der zum ersten Mal in Manila ist, auffällig problemlos in Tagalog verständigen. Abgesehen von diesem Kunstgriff versteht der Autor mit einer spannende Geschichte aus der Sicht eines jugendlichen Philippinen-Urlaubers zu fesseln, der sich über die Lebensbedingungen Gleichaltriger vor seiner Reise kaum Gedanken gemacht hat
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 02. Juni 2009

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