Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder

Der unglückliche Mörder

Verlag: Berlin Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-72628-8

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Hakan Nesser gehört sicherlich zu den besten Krimi-Autoren Schwedens. "Der unglückliche Mörder" ist sein sechster Kriminalroman - nachdem er mit zahlreichen anderen Titeln wie: "Das falsche Urteil", "Das vierte Opfer", "Das grobmaschige Netz", "Die Frau mit dem Muttermal" und "Münsters Fall" bekannt geworden ist.
Protagonist ist sein Kommissar Van Veeteren, der mit viel Intuition glaubwürdig seine Fälle löst. Hier nun trifft es den in Ruhestand gegangenen Polizisten persönlich: Mordopfer ist sein eigener Sohn Erich, der offensichtlich seine Finger bei einer Erpressung im Spiel hatte und bei der Geldübergabe Opfer eines Mörders wurde. Dieser jedoch hat noch andere Personen auf dem Gewissen, nachdem er in angetrunkenem Zustand einen Jugendlichen überfahren hatte und dabei gesehen worden war...
Nesser wird - meines Erachtens zu Unrecht - mit Henning Mankell verglichen. Er schreibt kürzer und präziser. Seine Charaktere wirken auf mich glaubwürdiger. Das gleiche gilt für den "Plot" der Handlungen. Insbesondere gilt dies für den vorliegenden Fall. Dieser Krimi hat mir besonders gut gefallen. Woran liegt dies? Während Mankell in seinen Krimis in der Regel aus Sicht des Kommissars Wallander schreibt (nur wenige Kapitel beschreiben die Sicht des Täters), wechselt hier die Szenerie: Kapitel aus der Perspektive des Täters wechseln mit denen aus der Sicht des Kommissars Van Veteren und seines Nachfolgers, Kommissar Reinhart. Diesem ist es eine Ehrensache, den Mörder des Sohnes seines Vorgängers zu finden, was sich als sehr schwierig erweist. Diese Darstellung aus verschiedenen Perspektiven ist gut gelungen und begründet eine atemberaubende Spannung, die aus dem Versteckspiel Täter-Polizei resultiert. Obendrein erhält der interessierte Leser Einblick in die Arbeit der Polizei, die alles daransetzt, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Gut finde ich, dass die Empfindungen des Täters, seine psychogische Angst vor der Entdeckung der Taten glaubhaft herausgearbeitet werden. Meines Erachtens ist hier kein Wort zu viel: sublim steigert Nesser die Spannung - bis zum Ende. Jedoch werden auch die Gefühle des Opfers, hier des Kommissars van Veeteren, glaubwürdig dargestellt; der Leser wird Zeuge, wie er über die Beziehung zu seinem Sohn nachdenkt und einen "Sinn" in dem Geschehen sucht: er will den Mörder seines Sohnes fassen, um ihm Aug in Aug gegenüber zu treten...

Mir ging es so: ich habe mich gefragt: wie würde ich als Vater reagieren, wenn mein Kind ermordet worden wäre? Wie reagiert Van Veeteren, wenn der Täter gefasst ist? Diese offene Frage und die Tatsache, dass Nesser aus der Perspektive des "allwissenden Erzählers" schreibt, der die Geschehnisse schon kennt (erkennbar an Wendungen wie "Der Junge, der bald tot sein würde...") steigern die Spannung bis ins Unerträgliche.
Wer einen spannenden Kriminalroman sucht, der wird mit diesem Werk Nessers meines Erachtens sehr gut bedient. Sicherlich ist der Stil des Autors - gerade im Vergleich zu den Wallander-Romanen Mankells - gewöhnungsbedürftig. Aber gerade dies zeigt mir: seine Figuren sind glaubwürdig, so könnte sich eine reale Handlung wirklich abspielen bzw. abgespielt haben. Für mich ist ein Krimi dann gelungen, wenn ich das Gefühl haben kann, dass diese Fiktion wirklich hätte geschehen können und mich die Lektüre zum Nachdenken bringt. Dies ist Nesser hier wirklich gelungen. Es kam bei mir nicht nur Mitgefühl für das Opfer, sondern ein gewisses Verständnis für die Motive des Täters auf; seine Situation, die von Mord zu Mord unhaltbarer wird, ist hervorragend beschrieben.
Fazit
Fazit: Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Kim Novak badete nie im See von Genezareth
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Mai 2003

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